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   Umwelterkrankungen
Zeitschrift online - Ausgabe 10-03    
Umwelterkrankungen
Diagnosemöglichkeiten bei Elektrosensibilität

Die Thematik elektrosensible Patienten hat durch die aktuelle Diskussion um den Mobilfunk eine neue Dimension erreicht. Seit den 50er Jahren haben Therapeuten zunehmend Menschen zu behandeln versucht, die auf elektrische, magnetische oder elektromagnetische Felder mit Befindlichkeitsstörungen reagieren. Wie bei allen umweltbedingten Erkrankungen ist anzunehmen, dass diese Felder Teil der gesamten Belastungen aus der Umwelt sind, denen ein Organismus ausgesetzt ist. Allerdings gibt es Menschen, die eine erhöhte Sensibilität für diese physikalisch einwirkenden Strahlen besitzen. Wir nehmen an, dass mindestens fünf Prozent der Menschen von vornherein elektrosensibel sind, und dass bis zu 15 Prozent der Patienten sensitiv auf solche Arten von Felder zu reagieren lernen.

Gerade Personen, die durch Schwermetalle vorgeschädigt sind, zeigen eine deutlich erhöhte Labilität diesen Einflüssen gegenüber. Eine zweite große Gruppe von Menschen sind MCS- (multiple chemical sensitivity) und CFS- (chronic fatigue syndrome) Patienten, die schon mit einer Reihe anderer Belastungen sehr empfindlich auf verschiedenste Stoffe antworten, die über Haut, Magen-Darm-Trakt und Lungen aufgenommen werden. Diese Noxen lösen gemeinsam mit anderen, im Normalfall harmlosen Substanzen neurovegetative, hormonelle und immunologische Reaktionen aus, die sehr unterschiedliche, meist therapieresistente Symptome, Syndrome und Krankheiten auslösen können. Die Befindlichkeitsstörungen fallen durch ihre Massivität auf, wobei Erschöpfung, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, kognitive Hirnleistungsstörungen, Störungen der Lungenfunktion, der Herzfunktion, der Verdauung, des Blasensystems, der Haut und schließlich der Psyche kennzeichnend sind. Pathophysiologisch ist ein hoher Anstieg der Freien Radikale anzunehmen, was therapeutisch genutzt wird; hierbei spielen intravenös verabreichtes Vitamin C, orales Vitamin E, Zink und Selen sowie sekundäre Pflanzenheilstoffe eine große Rolle.

Wie bei den „alten“ Umweltkrankheitsverursachern Holzschutzmittel, Amalgam, Pilzbelastungen und PCB kann man altersgemäße Charakteristika ausmachen. Bei Babys und Kleinkindern dominieren Unruhe im Schlaf, Schlafstörungen und Verhaltensauffälligkeiten, meist Hyperaktivität oder Konzentrationsstörungen. Dabei lässt sich oft die Wechselstromleitung im Schlafzimmer direkt neben dem Kinderbett ausmachen. Eine Sparlampe, ein elektrisches Gerät mit Stand-by-Funktion oder ein Babywächter können ebenso Ursache sein wie ein DECT Telefon, ein Kühlschrank auf der anderen Wandseite oder eventuell ein Sendemast auf dem Nachbarhaus. Ältere Kinder und Jugendliche fallen mit Schulschwierigkeiten, Schlafstörungen, Unruhe, kognitiven Hirnleistungsstörungen und ADHS auf. Die Quellen sind ähnlich wie bei der jüngeren Gruppe, aber meist kommen jetzt weitere elektronische Geräte wie ältere Monitore, zahlreiche Transformatoren, Kassettenrekorder, Fernseher oder Radiowecker hinzu. Um diese Erkrankungen von anderen Krankheiten besser unterscheiden zu können, stehen uns nur wenige objektive diagnostische Möglichkeiten zur Verfügung. Neurophysiologische Untersuchungen wie die Herzratenvarianz als auch altbewährte kognitive Hirnleistungstest können nach Ausschluss anderer Erkrankungen die Diagnose erhärten. Ansonsten gehört dieser Symptomkomplex zunächst noch zu den Krankheiten, die durch eine genaue Anamnese erarbeitet werden muss. Wir werden in Zukunft sicherlich durch verfeinerte Messtechniken in der Lage sein, Einflüsse elektromagnetischer Felder auf Personen direkt einordnen zu können. Aktuell ist es z.B. noch nicht möglich, durch UMTS verursachte Belastungen physikalisch sauber zu messen. Das bedeutet, dass erst nach 2-3 Jahren nach Einführung dieser neuen Technologie die Wissenschaft in der Lage ist, die Belastungen vor Ort messen und beurteilen zu können. Die Einschätzung der gesundheitlichen Auswirkungen wird deshalb noch länger dauern, was für die große Gruppe der Elektrosensiblen selbst eine große Belastung darstellt, denn ihre Krankheit wird von der praktischen Medizin nur eingeschränkt akzeptiert. Therapeutisch gilt die manchmal sehr lapidar wirkende Empfehlung: Fernbleiben von Belastungen.

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Dr. Peter Germann
Köhlerstr. 14
67549 Worms
dr.peter.germann@t-online.de

Weiteres zu diesem Artikel::

 

Beim Erwachsenen zeigen sich besonders folgende Krankheiten und Symptome:

- Schlafstörungen
- Tinnitus
- Herzrhyhtmusstörungen
- Brennende Schmerzen
- Lichtempfindlichkeit
- Elektrosensibilität
- starke Verzweiflung bis hin zu paranoiden Reaktionen
- fehlende Zeichen anderer toxisch bedingter Störungen


Selbsthilfeverein für Elektrosensible e.V., Fr. Dr. Stöcker, Herzog-Arnulf-Str.43, 85604 Zorneding/München

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Zuletzt geändert am: 13.12.2003