Die zerebrale Amyloidangiopathie, die nach Medienberichten beim israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon festgestellt worden sein soll, bezeichnet ein Gefäßleiden (Angiopathie) im Gehirn, bei dem die kleinen Arterien durch Eiweißablagerungen (Amyloide) enger und brüchig werden. Die Erkrankung, die vor allem im Alter auftritt, führt oft zu kleinen Gehirnblutungen, die lange symptomlos und daher unentdeckt bleiben können. «Eine Therapie ist nicht bekannt», erläuterte der Chefarzt der Neurologie im Städtischen Klinikum Lüneburg, Prof. Henning Henningsen.
Eine Blutverdünnung, die bei Schlaganfallpatienten wie Scharon zu den Routinemaßnahmen gehört, darf nach Worten des Neurologen bei einer Amyloidangiopathie nicht stattfinden, weil sie Blutungen fördern kann. Allerdings ist das Gefäßleiden in der Routineuntersuchung mit dem Computertomographen meist nicht zu sehen.
Ein Kernspintomogramm verrät dagegen auch noch Monate alte Blutungen. Daher werden in großen deutschen Kliniken Schlaganfallpatienten nach der akuten Phase nicht nur mit dem Computer-, sondern auch mit dem Kernspintomographen untersucht, um eine Amyloidangiopathie auszuschließen.
Zur Häufigkeit der zerebrale Amyloidangiopathie gibt es Henningsen zufolge keine verlässlichen Daten. Die Amyloid-Ablagerungen können ganz unterschiedliche Zusammensetzungen haben, was zu verschiedenen
Krankheitsbildern führt. Die Eiweißablagerungen unterscheiden sich jedoch deutlich von den so genannten Amyloid-Plaques im Hirn, die mit der Alzheimerkrankheit in Verbindung gebracht werden.