Offensive gegen Brustkrebs - Reihenuntersuchung soll Leben retten
Im Kampf gegen den Brustkrebs soll eine neu gestartete Früherkennungs-Offensive künftig zahlreiche Todesfälle vermeiden. Jedes Jahr sterben etwa 18 000 Frauen in Deutschland an dem Tumorleiden, insgesamt 48 000 Fälle werden neu diagnostiziert.
Damit ist Brustkrebs die häufigste bösartige Tumorerkrankung bei Frauen. Die Reihen-Röntgenuntersuchung der Brust bei allen Frauen zwischen 50 und 69 Jahren soll den Krebs künftig deutlich früher entdecken. Nach Jahren der Vorbereitung ist das so genannte Mammographie-Screening nun offiziell angelaufen.
«Wir wollen die Sterblichkeit bei Brustkrebs in unserer Zielgruppe um 30 Prozent senken», betont Maria Mester von der
Kooperationsgemeinschaft Mammographie (KGM) in Köln, die die zur Untersuchung neu eingerichteten Screening-Einheiten zertifiziert. Bei dem millionenschweren Projekt sitzen die Spitzenverbände der Krankenkassen, niedergelassene Ärzte und Kassenärztliche Vereinigungen mit im Boot.
Die Mammographie gilt als beste Methode zur Früherkennung, da sich noch nicht tastbare Tumore frühzeitig aufspüren lassen. In den Niederlanden, Finnland, Schweden oder auch in Großbritannien konnte die Sterblichkeit bei Brustkrebs bei 50- bis 69-Jährigen um 20 bis 30 Prozent gesenkt werden, betonen alle Beteiligten des Projekts, das in Deutschland gestaffelt nach Regionen startet. Bis Mitte 2007 soll eine flächendeckende Versorgung möglich sein.
Bisher werden zwei Drittel der Brusttumore hier zu Lande erst entdeckt, wenn sie bereits größer als zwei Zentimeter sind. Die Folge sind häufig radikale Operationen, belastende Therapien und geringere Heilungschancen. Das neue Programm zur Früherkennung soll eine schonendere und effektivere Therapie ermöglichen und zugleich unnötige Operationen vermeiden.
Die ersten Referenzzentren als Dach des Projekts haben in Münster, Bremen und Wiesbaden ihre Arbeit aufgenommen. Zur Untersuchung der Frauen gingen auch bereits die ersten Screening-Einheiten (SE) an den Start. Der Anstoß und Auftrag dazu kam 2002 vom Gesetzgeber. «Wir werden mehr als zehn Millionen anspruchsberechtigte Frauen zwischen 50 und 69 Jahren zu einem Mammographie-Screening einladen. Die Kosten für die Untersuchungen übernehmen die Kassen», sagt der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands der Innungskrankenkassen (IKK), Rolf Stuppard.
Bei einer angestrebten Teilnehmerrate von 70 Prozent werden die Untersuchungen laut IKK-Bundesverband geschätzt rund 260 Millionen Euro pro Jahr kosten. Hinzu kommen Millionenkosten für das Anschreiben der Frauen und für die Referenzzentren. Mit Hilfe der Einwohnermeldeämter sollen alle Frauen der Zielgruppe angeschrieben werden, wie Mester erklärt. Damit die Daten aber überhaupt herausgegeben werden dürfen, müssten einige Bundesländer ihre Meldeverordnungen ändern. Alle Daten würden verschlüsselt.
Mit dem Programm sind hohe Erwartungen verbunden - und an alle Teilnehmer werden hohe Anforderungen gestellt. «Das Kernstück zur Qualitätssicherung ist die Teamarbeit und eine multi-disziplinäre Konferenz aus allen Fachbereichen», erklärt Expertin Margrit Reichel. Als Radiologin leitet sie das Referenzzentrum in Wiesbaden und zugleich die dortige Screening Einheit, die vor vier Jahren zunächst als Modellprojekt gestartet war. «Die Screening-Einheit arbeitet streng nach EU-Leitlinien und sehr gut. Es ist wirklich machbar in der angestrebten hohen Qualität, und die Frauen nehmen das Angebot gerne an.»
Geballtes Fachwissen, geschultes Personal und hohe technische Qualität sind die Programmsäulen. Je zwei besonders fortgebildete Ärzte erstellen ihre Diagnose unabhängig voneinander, jeder muss für eine hohe Treffsicherheit mindestens 5000 Mammographie-Bilder pro Jahr beurteilen, wie Medizinerin Reichel erläutert. «Bei einem Verdacht wird zudem der programmverantwortliche Arzt der Screening-Einheit hinzugezogen.» Bevor es zu einer Operation komme, berate eine Konferenz unter Beteiligung von Gynäkologen, Pathologen und Radiologen und gebe eine Behandlungsempfehlung. Bei allen Schritten werde aufs Tempo gedrückt: Von der ersten Mammographie bis zur Konferenz-Empfehlung soll nicht mehr als eine Woche vergehen.