Die traditionell in China ausgebildeten Akupunktur- Ärzte Deutschlands haben die Entscheidung über die künftige Erstattung von Akupunktur als «nicht nachvollziehbar» kritisiert. Akupunktur müsste bei wesentlich mehr Beschwerden als erstattungsfähige Behandlung anerkannt werden, forderte Michael Germann, Vorsitzender der Akupunktur- und TCM-Gesellschaft in China
weitergebildeter Ärzte, am Mittwoch in einem dpa-Gespräch. TCM bedeutet Traditionelle chinesische Medizin.
Nur Kassenpatienten mit chronischen Rücken- und Knieschmerzen haben nach einer Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G- BA) von Ärzten und Krankenkassen Anspruch auf eine Akupunkturbehandlung.
«Warum soll eine Akupunkturbehandlung beim Kniegelenk, nicht aber beim Hüftgelenk sinnvoll sein?», fragte Germann. «Es ist zwar förderlich, dass Akupunktur nun überhaupt anerkannt worden ist, aber es kann nur ein erster Schritt sein», sagte der Arzt. Eine Expertenkommission der Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe auf einer «Akupunkturliste» insgesamt 43 Krankheiten berücksichtigt, welche für eine Akupunkturbehandlung indiziert sind.
Der Wiesbadener Arzt kritisierte die Datenlage der G-BA- Entscheidung als fraglich. In einem fünfjährigen Modellversuch waren
mehrere 100 000 Patienten nach den Regeln der Traditionellen chinesischen Medizin behandelt, an bewusst als falsch ausgewählten
Punkten gestochen oder mit schulmedizinischen Standardmethoden therapiert worden. Germann betonte, auch an den als falsch
ausgewählten Punkten sei eine Wirksamkeit durchaus wahrscheinlich. Nach der G-BA-Entscheidung müsse in Deutschland nun zunächst sichergestellt werden, dass die Behandlungen ausreichend bezahlt würden.