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   26.04.2006
Gesundheitspolitik    
 
Ärzteschaft kritisiert die Aufnahme von Akupunktur in die gesetzliche Krankenversicherung

Kritisch sieht der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) die beschlossene Einführung von Akupunktur-Behandlungen zur Schmerztherapie in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung.



„Ich kann es nicht nachvollziehen, dass in der heutigen finanziellen Situation des deutschen Gesundheitswesens Leistungen zusätzlich eingeführt werden, deren wissenschaftlicher Nachweis der Wirksamkeit auf ausgesprochen schwachen Füßen steht“, beklagt Dr. Ulrich Thamer, 1. Vorsitzender der KVWL, den Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen. „Erwiesenermaßen hochwirksame Arzneimitteltherapien werden dagegen unter Kostenaspekten viel kritischer beurteilt und im Zweifel aus dem Leistungskatalog ausgeschlossen.“ Ein Ungleichgewicht zugunsten eines zweifelhaften, aber in der Bevölkerung populären Behandlungsverfahrens.

„Solche Behandlungsmethoden mögen ja von vielen Menschen gewünscht werden“, kritisiert der KV-Vorsitzende. „Angesichts der Tatsache, dass wir schon erhebliche Schwierigkeiten haben, überhaupt die Grundleistungen in der ambulanten Versorgung zu finanzieren, können wir uns nicht ein ‚immer mehr’ und schon gar nicht ein Mehr an unwissenschaftlichen Verfahren leisten.“ Mehrere hundert Millionen Euro müssten die Krankenkassen jährlich für zusätzliche Akupunkturleistungen aufbringen - Geld, das an anderen Stellen fehle.

Akupunktur, so Thamer, könne ihren Platz im Behandlungsspektrum haben, dürfe aber nicht durch die gesetzliche Krankenversicherung finanziert werden: „Wer an die medizinische Sinnhaftigkeit von Akupunktur glaubt, sollte diese Leistung privat bezahlen. Die solidarische Krankenversicherung darf nur Leistungen finanzieren, deren Wirksamkeit überzeugendnachgewiesen ist!“

„Man wird skeptisch“, fasst Dr. Thamer die Ansicht viele Ärztinnen und Ärzte zusammen, „wenn die wissenschaftliche Begleitung von Modellversuchen ergeben hat, dass es für die Wirkung offenbar egal ist, an welchen Körperpunkten die Nadeln gesetzt werden.“



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Zuletzt geändert am: 26.04.2006