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   03.07.2006
Infos für Ärzte    
 
Magnesiumsupplementation bei ADHS/ Neurotransmittersysteme gestört durch fehlende Nährstoffe?

Immer mehr Kinder fallen bereits im Vorschulalter durch ihre Hyperaktivität auf. Entsprechende Untersuchungen führen dann häufig zur Diagnose eines Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndroms (ADHS). Eine frühzeitige Behandlung dieser Erkrankung ist wichtig, um Schwierigkeiten in der Schule oder später am Arbeitsplatz zu vermeiden und möglichen Folgeerkrankungen wie Depressionen vorzubeugen. Psychostimulanzien – normalerweise Mittel der Wahl – sind jedoch erst ab einem Alter von 6 Jahren zugelassen, mit einem erheblichen Nebenwirkungspotential verbunden und zudem in 10-15% der Fälle unwirksam.


Auch für kleine Kinder völlig unbedenklich ist dagegen eine Supplementation mit Magnesium (z.B. Magnesiocard® 5mmol, das bereits für Kinder ab 4 Jahren zugelassen ist). Die guten Ergebnisse einer früheren Doppelblind-Studie mit Magnesium konnten in einer aktuellen Studie mit 52 ADHS-Kindern (Alter < 15 Jahre) bestätigt werden [1]. Im Verlauf der bis zu 6 Monate dauernden Magnesiumtherapie nahmen bei allen Kindern die Symptome der Hyperaktivität, Aggressivität, Stimmungsschwankungen und Aufmerksamkeitsdefizite ab und das Erythrozyten-Magnesium normalisierte sich.

Ein in der Studie zitierter Fallbericht gibt einen typischen Verlauf der Behandlung wieder: Bei Lud, einem 1997 geborenen Jungen, traten im 1. Lebensjahr Atemstillstände auf. Mit 3 Jahren war er hyperaktiv und mit 5 Jahren litt er an Schlafstörungen. Bei Aufnahme in die Studie am Ende der Vorschulzeit mit 6 Jahren zeigte die klinische Anamnese Aggressivität, Angst, schulische Unaufmerksamkeit und mangelnde Selbstkontrolle. Das Erythrozyten-Magnesium lag bei 1,86mmol/L. Der Junge wurde 6 Monate mit Magnesium behandelt. Daraufhin konnte er wieder normal schlafen, war konzentrierter und ruhiger und nicht mehr aggressiv. Das Erythrozyten-Magnesium normalisierte sich auf 2,37mmol/L. Es wurde kein Methylphenidat benötigt.

Die Magnesium-Therapie kann sowohl parallel zu einer Psychostimulanzien-Behandlung, als auch als alternativer Ersatz eingesetzt werden. Wichtig ist, dass Magnesium in einer Verbindung verabreicht wird, die gut resorbierbar ist. Besonders geeignet ist dabei Magnesium-Aspartat-Hydrochlorid, eine Verbindung, die bereits in einer Studie aus dem Jahre 1997 bei 230 Kindern von 4 bis 12 Jahren gute therapeutische Erfolge zeigte [2].

Referenzen:

1. Mousain-Bosc, M. et al. (2004) J. Am. College of Nutrition 23 (5): 545S-548S
2. Schimatschek, HF. et al. (1997) der Kinderarzt 28:196-203

Quelle: Verla-Pharm
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Anmerkung der Redaktion:

Erklärungsansatz ADHS: Neurotransmittersysteme gestört durch fehlende Nährstoffe

Eine vielbeachtete Studie des Mc Lean Hospital in Belmont/Massachusetts (2003 in "Alternative Medicine Review" veröffentlicht) verglich eine Methylphenidattherapie mit einer breitgefächerten Nahrungsergänzung bei ADHS-Kindern. 10 der ADHS-Kinder erhielt Methylphenidat, weitere 10 Kinder bekamen ein Nahrungsergänzungsmittel bestehend aus Vitaminen, Mineralstoffen, Aminosäuren, essentiellen Fettsäuren, Phospholipiden und Probiotika. Nach Auswertung der neuro-physiologischen und psychologischen Tests erwies sich das Nahrungsergänzungsmittel als genauso effektiv in der Behandlung der ADHS-Symptome wie Methylphenidat.

Der Neurotransmitterstoffwechsel hängt in hohem Maße von der Verfügbarkeit einzelner Aminosäuren ab, das Fettsäuremuster der Nahrung wirkt sich nach einigen Wochen auf die Zusammensetzung der Nervenzellmembranen aus. Vitamin B6 beispielsweise spielt eine herausragende Rolle für die Bildung der Neurotransmitter Serotonin, Dopamin, GABA und Glutamat.

Auch Spurenelemente wie Magnesium, Eisen und Zink sind für den Serotoninspiegel und die Bildung von Neurotransmittern notwenig:

Magnesium, Eisen, Zink

Eine polnische Arbeitsgruppe konnte bei 116 ADHS-Kindern in 59% der Fälle verminderte Magnesiumkonzentrationen in den roten Blutkörperchen nachweisen, in 33,6% der Fälle waren die Serum-Magnesium-Spiegel vermindert. In der Gruppe der Kinder, die 6 Monate lang Magnesium-Supplemente erhielten, kam es zu einer deutlichen Verminderung der Hyperaktivität. In einer unkontrollierten israelischen Studie an 14 ADHS-Jungen zeigte eine Eisensupplementierung eine Verbesserung der ADHS-Symptomatik. Eisen spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung der Neurotransmitter Dopamin und Serotonin und wird auch für die Synthese der Nervenscheiden benötigt. In mehreren Untersuchungen wurden verminderte Zinkkonzentrationen bei ADHS-Patienten gefunden. Zink ist an der Glutamat- und GABA-vermittelten Signalübertragung im Gehirn beteiligt und ein wichtiger Cofaktor im Stoffwechsel der Fettsäuren und Prostaglandine.

Aminosäuren

Aminosäuren sind die Ausgangssubstanzen für die Bildung wichtiger Neurotransmitter, z.B. Dopamin, Serotonin, Adrenalin, Noradrenalin, oder sie haben im zentralen Nervensystem selbst Neurotransmitterfunktion, z.B. Glutaminsäure und Glycin. Die Konzentrationen der Aminosäuren im Blutserum und ihr Verhältnis zueinander haben einen wichtigen Einfluss darauf, wieviele der erforderlichen Aminosäuren durch die Blut-Hirn-Schranke kommen. Eine tryptophanfreie Mahlzeit reicht schon aus, die Serotoninkonzentration im Gehirn zu vermindern und eine entsprechende Stimmungsverschlechterung herbeizuführen. 2001 fand eine Arbeitsgruppe aus Venzuela heraus, dass ADHS-Patienten im Vergleich zur Kontrollgruppe niedrigere Phenylalanin- und Glutamin-Konzentrationen fhatten, wobei die Glycin-Konzentrationen erhöht waren.
Im Jahr 2003 wurde eine randomisierte Doppelblindstudie aus den Niederlanden veröffentlicht, in der die Supplementierung von Carnitin zu einer signifikanten Verbesserung der ADHS-Symptomatik bei Schülern führte.


Essentielle Fettsäuren

Bei vielen ADHS-Kindern wurde ein vermehrtes Durstgefühl und eine trockene Haut beobachtet. Diese Symptome sind charakteristisch für einen Mangel an essentiellen Fettsäuren. In den letzten Jahren wurden mehrfach erniedrigte Konzentrationen von Omega-3-Fettsäuren bei ADHS-Kindern nachgewiesen. Allerdings waren die gemessenen Konzentrationen nicht so niedrig, dass von klinischen Mangelzuständen auszugehen war. Inwieweit eine suboptimale Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren mit der ADHS-Symptomatik zusammenhängt, ist noch nicht eindeutig geklärt. Sicher ist, dass DHA und EPA eine wichtige Rolle bei der Hirnentwickung spielen. Die Ergebnisse einer Supplementierung bei ADHS-Kindern sind nicht einheitlich. In einer amerikanischen Studie, die 2001 publiziert wurde, konnte durch eine viermonatige Supplementierung von DHA keine Verbesserung der ADHS-Symptomatik erreicht werden. In einer britischen Studie aus dem Jahr 2002 zeigte sich dagegen durch die Supplementierung von DHA, EPA und GLA eine signifikante Verbesserung der ADHS-Symptomatik.

Man kann bei ADHS nicht von einem krankheitsspezifischen Muster ausgehen, was ein Mikronährstoffdefizit angeht, dazu ist die Datenlage zu gering und auch teilweise zu widersprüchlich. Allerdings kann die Labordiagnostik bei dem einzelnen Betroffenen klären, welche Mikronährstoffe fehlen, diese können dann gezielt supplementiert werden und möglicherweise zu einer Verbesserung der ADHS-Symptomatik beitragen.

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Zuletzt geändert am: 03.07.2006