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   18.07.2006
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Kompetenznetz Herzinsuffizienz: Einsatz von Betablockern bei älteren Patienten

Das Kompetenznetz Herzinsuffizienz hat die CIBIS-ELD-Studie initiiert, um neue Erkenntnisse über die Therapie mit Betablockern bei älteren Menschen zu gewinnen. In der täglichen Praxis erhalten leider nicht alle betagten Patienten eine wirkungsvolle Therapie – zum Teil aus Furcht, dass die oft multimorbiden Patienten eine intensive medikamentöse Behandlung nicht tolerieren können. Mit CIBIS-ELD will man nun die Wirksamkeit und Verträglichkeit der beiden Betablocker Bisoprolol und Carvedilol bei älteren Herzinsuffizienzpatienten direkt vergleichen. In den bisherigen Studien zur Betablockertherapie waren Patienten im Alter von über 65 Jahren meist unterrepräsentiert, so dass zum Teil immer noch unklar ist, ob Wirkstoffe und Dosierungen in allen Altersstufen gleichermaßen vertragen werden.



Bis zum Juni 2007 sollen für die Multicenterstudie 1.040 Patienten mit Herzinsuffizienz ab einem Alter von 65 Jahren rekrutiert werden. Studienleiter Dr. med. Hans-Dirk Düngen vom Studienzentrum an der Charité Berlin sucht noch weitere Prüfzentren für das Teilprojekt Nr. 12 des Kompetenznetzes: „Ein Amendment des Studienprotokolls hat die Durchführung der Untersuchung deutlich erleichtert. Die Studien- und Therapiedauer beträgt jetzt maximal 12 Wochen. Jede kardiologische Praxis kann an CIBIS-ELD als Prüfzentrum teilnehmen, wenn sie über ein 12-Kanal-Ruhe-EKG, ein Spirometer, den Raum für einen Gehtest und ein Echokardiographie-Gerät verfügt. Wir suchen außerdem Patienten, die sich über interessierte Zuweiser direkt an uns wenden können. Ihnen vermitteln wir eine teilnehmende Klinik oder Praxis in ihrer Nähe.“

Im Verlauf der Muliticenter-Studie soll während der 12-wöchigen Titrationsphase ermittelt werden, wo bei den Patienten die individuell höchste verträgliche Dosis des jeweiligen Betablockers liegt. „Wir stellen die Patienten also unter sehr gut kontrollierten Bedin¬gungen auf ihre ideale Betablocker-Dosis ein. Bisoprolol und Carvedilol sind zwei sehr verschiedene Substanzen: Carvedilol verfügt zusätzlich über eine gefäßerweiternde Wirkung, während Bisoprolol im Gegensatz dazu eine stärkere ß-1-Selektivität aufweist und deswegen keine lungenbezogenen Nebenwirkungen auslöst. Ein direkter Vergleich der beiden Substanzen in Sachen Wirksamkeit und Verträglichkeit ist bisher noch nicht durchgeführt worden.“ erläutert Dr. Düngen.


Das Studiendesign

CIBIS-ELD (Cardiac Insufficiency Bisoprolol Study) ist eine prospektive, randomisierte, doppelblinde Untersuchung mit Double-dummy-Technik und zwei Parallelgruppen. Die Einschlusskriterien der Patienten für die Phase IV-Studie sind unter anderem ein Alter von ? 65 Jahren sowie eine für mindestens zwei Wochen stabile chronische Herzinsuffizienz mit NYHA-Stadium II – IV oder einer Ejektionsfraktion (EF) ? 45 %. Die Patien¬ten sollten entweder Betablocker-naiv sein oder bisher nur eine geringe Tagesdosis von maximal einem Viertel der empfohlenen Tageshöchstdosis des jeweiligen Betablockers erhalten haben. Nach der Befunderhebung beginnt die Titrationsphase, bei der die Tagesdosis alle zwei Wochen verdoppelt wird bis die Zieldosis (für Bisoprolol 1 x 10 mg/d oder Carvedilol 2 x 25 bzw. 2 x 50 mg) erreicht ist bzw. eine weitere Erhöhung nicht mehr vertragen wird. Neben dem primären Endpunkt der Studie – die Verträglichkeit der leitliniengerechten Maximaldosis der Studienmedikation – werden weitere sekundäre Endpunkte erhoben, wie z. B. die Zeit bis zur Verletzung des Titrationsplanes, die maximale Dosisstufe, die Zahl der unerwünschten Ereignisse, die Lungenfunktion, Laborparameter sowie die Änderung der NYHA-Klasse, der Gehstrecke, der Linksventrikulären Funktion und der Herzfrequenz. Ein weiteres wichtiges Untersuchungsziel ist die Lebensqualität der Patienten.


Bewährte Betablocker

Bisoprolol war der erste Betablocker, für den in großen randomisierten Studien eindeutig belegt werden konnte, dass er die Mortalitätsrate bei Herzinsuffizienz verringert und infolgedessen eine spezifische Indikation für die Behandlung der Herzinsuffizienz erhielt. Bisoprolol und Carvedilol haben in mehreren großen Mortalitätsstudien ihre Wirksamkeit bei Herzinsuffizienz unter Beweis gestellt: Die Cardic Insufficiency Bisoprolol Study II (CIBIS II)1,2 und die Carvedilol Prospective Randomized Cumulative Survival Trial (COPERNICUS)3 belegen, dass der Einsatz von Betablockern in der Therapie der Herzinsuffizienz Menschenleben retten kann. Seitdem haben sich die beiden Betablocker Bisoprolol und Carvedilol als fester Bestandteil der Basistherapie bei Herzinsuffizienz neben den Diuretika und den ACE-Hemmern (Angiotensin Converting Enzyme) etabliert.

Die Ergebnisse der im vergangenen Jahr veröffentlichten CIBIS III4 belegen, dass der Einstieg in die Herzinsuffizienztherapie mit Bisoprolol äquivalent zu dem Beginn mit einem ACE-Hemmer ist. Vor allem Patienten in der frühen Krankheitsphase können von dem Betablocker profitieren. Nun gilt es die Vorzüge einer initialen Betablocker-Therapie in die klinische Praxis umzusetzen und darüber hinaus weitere Erkenntnisse über die Möglichkeiten einer Optimierung der Herzinsuffizienztherapie zu sammeln. Das Ziel ist es, die Herzinsuffizienztherapie besser an den individuellen Bedürfnissen der Patienten auszurichten.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Kompetenznetz Herzinsuffizienz widmet sich seit seiner Gründung im Jahr 2003 der klinischen Forschung rund um dieses Thema, mit dem Ziel die Therapiestrategien und somit die Überlebenschancen von Herzinsuffizienzpatienten zu verbessern. Das Kompetenznetz bündelt das Know-how von über 200 Ärzten und Wissenschaftlern aus knapp 60 Kliniken und Forschungsinstituten sowie weiteren Arztpraxen, Reha-Einrichtungen und Verbänden. Die Einbindung von allgemeinmedizinischen Instituten und Einrichtungen der Grund- und Regelversorgung soll dazu beitragen, vor allem den Transfer von Forschungsergebnissen in die Patientenversorgung zu beschleunigen. Dies ist vor dem Hintergrund der stetig steigenden Häufigkeit der Herzinsuffizienz ein dringendes Anliegen.


Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie
Kompetenznetz Herzinsuffizienz
Studienleiter:Dr. Hans-Dirk Düngen
Tel.: 030 / 450 676 818
Email: hans-dirk.duengen@charite.de />
Literatur:

1. CIBIS II Investigators and Committees. The Cardiac Insufficiency Bisoprolol Study II (CIBIS II): a randomised trial. Lancet 1999;353:9-13
2. Erdmann E, Lechat P, Verkenne P, Wiemann H. Results from post-hoc analyses of the CIBIS II trial: effect of bisoprolol in high-risk patient groups with chronic heart failure. Eur J Heart Fail 2001;3:469-79
3. Packer M, Coats AJ, Fowler MB et al. Effect of carvedilol on survival in severe chronic heart failure. N Engl J Med 2001;344:1651-8
4. Willenheimer, R et al. Effect on Survival and Hospitalization of Initiating Treatment for Chronic Heart Failure with Bisoprolol Followed by Enalapril, as Compared with the Opposite Sequence. Results of the Randomized Cardiac Insufficiency Bisoprolol Study (CIBIS) III. Circulation 2005;112(16):2426-35

Quelle: Merck

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Zuletzt geändert am: 18.07.2006