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   07.04.2002
Infos für Ärzte    
 

Therapie der Hepatitis C auch bei substituierten Patienten sinnvoll

50 bis 80 % aller i.v.-Drogenabhängigen, die seit mehr als einem Jahr i.v.-Drogen konsumieren, sind von einer Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) betroffen – Hauptursache hierfür ist das sogenannte „Needle-Sharing“. Bis vor einigen Jahren ging man davon aus, dass eine Therapie der HCV-Infektion erst nach Beendigung der Drogenkarriere bzw. nach Beendigung der Substitutionsbehandlung indiziert ist. Heute setzt sich vermehrt die Ansicht durch, dass eine Therapie der Hepatitis C auch bei solchen Patienten sinnvoll ist, die sich in einer stabilen Substitutionsbehandlung unter ärztlicher Aufsicht befinden. Als Substitutionsmittel werden in Deutschland seit über 10 Jahren Methadon und seit Anfang 2000 auch Buprenorphin (subutex®) eingesetzt. Wegen fehlender depressiver Nebenwirkungen scheint für viele Patienten eine Substitutionsbehandlung mit Buprenorphin gegenüber Methadon von Vorteil zu sein.


Mit Buprenorphin können bei der Substitutionsbehandlung Haltequoten bis 80 % erzielt werden, die Patienten haben im Vergleich zu einer Substitution mit Methadon weniger illegalen Beigebrauch und fühlen sich insgesamt aktiver. Besonders geeignet ist eine Substitution mit Buprenorphin für eine Überbrückungsbehandlung, während der Schwangerschaft (geringere Entzugssymptomatik beim Neugeborenen), für Patienten mit kürzerer Suchtanamnese und zur Substitution bei Berufstätigen.

Unter Buprenorphin entwickeln die Patienten außerdem im Vergleich zu Methadon seltener depressive Verstimmungen, was gerade im Hinblick auf die mögliche Nebenwirkung der HCV-Therapie von Bedeutung ist. Ein weiteres gewichtiges Argument für eine Substitutionsbehandlung mit Buprenorphin ist der Sicherheitsaspekt. Aufgrund der partiell-agonistischen Aktivität an den Opiat-Rezeptoren ist die Gefahr einer interventionspflichtigen Atemdepression und sedierender Effekte bei einer Überdosierung nahezu ausgeschlossen. Da Buprenorphin nur nach parenteraler und sublingualer Applikation bioverfügbar ist, ist darüber hinaus das akzidentelle Intoxikationsrisiko besonders bei Kindern vermindert.

Wegen der großen Gefahr einer Reinfektion und der häufig unzureichenden Compliance ist eine HCV-Therapie bei aktiven i.v.-Drogenabhängigen, die sich nicht in einer geregelten, ärztlich überwachten Substitutionsbehandlung befinden, wenig zweckmäßig. Dagegen ist nach Ansicht von Experten die Behandlung der HCV-
Infektion bei Patienten, die sich in einer stabilen Substitutionstherapie befinden und keinen Beigebrauch aufweisen, durchaus sinnvoll. Voraussetzung für den Beginn einer HCV-Therapie ist, dass der Patient auf eine stabile Substitutionsdosis eingestellt ist, da ansonsten viele Patienten die Nebenwirkungen, die unter der HCV-Therapie auftreten können, als Entzugserscheinungen missdeuten.

Therapie der Hepatitis C
Primäres Therapieziel bei der HCV-Behandlung ist der fehlende Nachweis Hepatitis C-spezifischer RNA im Serum sechs Monate nach Ende der Therapie. Langfristiges Ziel ist die Verhinderung von Leberzirrhosen sowie hepatozellulären Karzinomen.

Standardtherapie bei einer HCV-Infektion ist heute die Kombinationstherapie von pegyliertem Interferon alfa 2b (PegIntron®) und Ribavirin (Rebetol®), einem oralen, synthetischen Nukleosidanalogon. Die Therapie ist seit März 2001 für die Indikation der chronischen Hepatitis C zugelassen. Die besten Therapieergebnisse werden dann erzielt, wenn sowohl pegyliertes Interferon alfa-2b als auch Ribavirin körpergewichtsadaptiert gegeben werden.

Das Interferon alfa-2b-Molekül ist mit einem 12000 Dalton schweren Polyethylenglykol-Molekül verbunden und hat so eine längere Halbwertszeit, die es ermöglicht, dass das Interferon nur einmal wöchentlich injiziert werden muss. Dies trägt zu einer verbesserten Compliance besonders bei ehemals Drogenabhängigen bei. Darüber hinaus wird durch die konstanten Wirkspiegel verhindert, dass die Viruslast zwischen den Interferon-Injektionen wieder ansteigt, wie dies bei nicht-modifiziertem Interferon der Fall ist. Unter der Therapie mit pegyliertem Interferon treten nicht mehr Nebenwirkungen auf als unter nicht-modifiziertem Interferon, insbesondere sind nicht mehr psychiatrische Nebenwirkungen zu beobachten.

Quelle: Vorträge von Professor Dr. med. Stefan Zeuzem, Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt und Dr. med. P. Arbter, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, im Rahmen der Veranstaltung „Drogenabhängigkeit und Hepatitis C – neue Optionen zur Substitution und Therapie der HCV-Infektion“, Frankfurt, 5. März 2002

Quelle: ESSEX PHARMA

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Zuletzt geändert am: 07.04.2002