COPD-Therapie im Fokus: Frühe Diagnose und adäquate Basistherapie sichern Perspektiven
„Der Behandlungserfolg bei COPD ist leider von vornherein limitiert, da noch immer die Mehrzahl aller Patienten erst mit fortgeschrittenem Erkrankungsgrad diagnostiziert wird“, so Professor Adrian Gillissen, Leipzig, anlässlich eines Symposiums von Boehringer Ingelheim und Pfizer im Rahmen des 44. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie. Experten und Fachgesellschaften wie die Deutsche Atemwegsliga sind sich darin einig, dass die frühe Diagnose ein wichtiger Meilenstein in der COPD-Behandlung sein muss.
In Zukunft sollte der Einsatz des Spirometers dem Arzt ebenso selbstverständlich werden wie die Verwendung des Blutdruckmessgerätes. „Bei allen Patienten, die älter als 40 Jahre sind und seit längerem rauchen, sollten Ärzte spirometrisch untersuchen, auch wenn ein Patient nicht über Atemnot klagt“, erklärte Gillissen. Ebenso rät er, bei länger anhaltendem Husten ohne klare Ursache auf COPD zu untersuchen. Neben dem Rauchen muss die Exazerbation der Lungenerkrankung per se als Risikofaktor eingeschätzt werden. Gillissen: „Wer einmal wegen einer Exazerbation hospitalisiert werden musste, erlebt dies in der Regel immer wieder.“
COPD ist durch eine Behinderung bei der Ausatmung und durch ein erhöhtes Restluftvolumen gekennzeichnet. Es kommt zu einer chronischen Überblähung der Lunge. „Eines der Hauptziele bei der Behandlung von COPD besteht daher in der Verringerung der Überblähung, um so die Fähigkeit des Patienten zur aktiven Teilnahme am Alltagsleben zu erhöhen“, betonte Professor Helgo Magnussen, Großhansdorf. Das lang wirksame Anticholinergikum Tiotropium (Spiriva®) besitzt die Fähigkeit, die Überblähung und damit das Volumen der Lunge signifikant zu reduzieren, wie sich in einer randomisierten, Placebo-kontrollierten, internationalen Studie zeigte. In Folge verminderte Tiotropium auch die Dyspnoe bei körperlicher Belastung und täglichen Aktivitäten. „Besonders bemerkenswert ist, dass die Patienten durch Tiotropium sogar noch unter Belastung eine Zunahme der Ausdauerleistung zeigten“, erläuterte Magnussen.
Tiotropium bei allen Schweregraden der COPD geeignet
Mittlerweile gibt es zwar Hinweise, dass Steroide bei 10 bis 15% der Patienten einen positiven Einfluss auf die Symptome der COPD ausüben, allerdings nur bei Verabreichung hoher Dosen. Eine Untersuchung von Hodder et al. (Am J Respir Crit Care Med 2002) weist hingegen nach, dass die beste Lungenfunktionsänderung nicht durch ein inhalatives Steroid allein, sondern nur in Kombination mit Tiotropium erreicht werden kann. Aufgrund der vorliegenden Datenlage empfehlen die Pneumologen inhalative Steroide daher erst, wenn alle Möglichkeiten mit einem Bronchodilatator ausgeschöpft sind, das heißt bei schwerer COPD. Aufgrund seines pharmakologischen und klinischen Profils stellt sich Tiotropium dagegen als Dauertherapie der ersten Wahl bei allen Schweregraden der COPD dar. Dies entspricht auch den neuen nationalen Leitlinien zur Behandlung der COPD.
UPLIFT-Studie soll Langzeiteffekt klären
Die einzige Möglichkeit, die zunehmende Verschlechterung der Lungenfunktion bei COPD aufzuhalten, besteht bisher in der Aufgabe des Rauchens. Tiotropium zeigte in Einjahresstudien ebenfalls einen positiven Einfluss, indem die Lungenfunktion langsamer abnahm als bei Patienten, die mit Placebo behandelt waren. Ob diese Effekte auch über einen längeren Zeitraum anhalten, soll die weltweit bisher größte COPD-Untersuchung, die UPLIFT (Understanding Potential Long-Term Impacts on Function with Tiotropium) Studie klären. Im Rahmen dieser auf vier Jahre angelegten Untersuchung werden momentan über 6.000 COPD-Patienten aus 37 Ländern rekrutiert. Einmal täglich werden zukünftig in der Verum-Gruppe 18 mg Tiotropium inhaliert. Erste Ergebnisse werden 2007 erwartet. Professor Dr. Marc Decramer, Leuven, sagte abschließend: „Nachdem Tiotropium sich bisher schon als sehr effektive Substanz gezeigt hat, um die Lungenfunktionswerte und die Lebensqualität zu erhöhen, sind wir sehr gespannt, welche potenziellen Effekte Tiotropium im Langzeitgebrauch zeigt.“