Schmerztherapie: Kombination von Oxycodon mit retardiertem Naloxon verhindert Opioid-induzierte Obstipation
„Stark wirksame Schmerzmittel vom Opioidtyp sind der Gold-Standard in der Schmerztherapie für alle Schmerzen, die mit anderen Maßnahmen nicht entsprechend ihrem Entstehungsmechanismus behandelt werden können“, so Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Göppingen. Entsprechend kehre sich das seit 1986 bestehende WHO-Schema für die Schmerztherapie mittlerweile um: die dem Körper pharmakologisch „bekannten“ Opioide verdrängten die mit einem erhöhtem kardiovaskulären Risiko einhergehenden Entzündungshemmer (Diclofenac, Coxibe) als erste Wahl. Allerdings sind alle Opiode mit typischen Nebenwirkungen vergesellschaftet. Während Übelkeit, Erbrechen und Müdigkeit sowie Schwindel nach kurzer Einnahmedauer verschwinden (Toleranzentwicklung), spielt die Obstipation bei 80-90% der Schmerzpatienten dauerhaft eine Rolle. Klinische Studien zeigen, dass die opioidtypischen Symptome sich signifikant reduzieren oder verhindern lassen, wenn das Opioid Oxycodon mit dem Opioidantagonisten Naloxon kombiniert verabreicht wird. Die Zulassung für Targin®, das ab dem 2.Oktober verfügbar ist, wurde im Fast-Track-Verfahren erteilt.
Alle Opioide binden von ihrer Applikationsart unabhängig nicht nur an den Opioidrezeptoren (µ, kappa, delta) des zentralen Nervensystems, sondern auch an die peripheren Opioidrezeptoren. Die analgetische Wirkung im ZNS und unerwünschte Nebenwirkungen werden über identische Rezeptoren vermittelt, sind also untrennbar miteinander verbunden, so PD Dr. Michael Überall, Nürnberg. Im Magen-Darm-Trakt findet sich mit dem Plexus submucosus und Plexus myentericus die größte Ansammlung von Ganglienzellen und Nervenzellen außerhalb des Zentralnervensystems.
Die Opioidbindung an deren Rezeptoren bewirkt eine verstärkte Kontraktion der Ringmuskulatur eine Erschlaffung der Längskontraktion des Darms und damit Spasmen wie auch Obstipation. Gleichzeitig wird die endotheliale Sekrektion reduziert. Das Ergebnis ist eine massive Trägheit des Darms mit Verlangsamung der Darmpassage, inkompletter Stuhlentleerung, Blähungen und Krämpfen, Reflux, sauerem Aufstoßen, Darmgeräuschen und unkontrollierbarer Stuhlentleerung.
Da die Nebenwirkungen auf den Magen-Darm-Trakt ohne Begleittherapie oft zum Abbruch der Therapie führen, ist eine Dauerbegleitmedikation erforderlich, die neben osmotisch wirksamen Substanzen zur Erhöhung des Flüssigkeitsgehalts im Darm auch stimulierende Substanzen wie auch laxierende Substanzen beinhaltet. Diese Begleitmedikation verursacht ihrerseits Nebenwirkungen wie Darmspasmen, Krämpfe, Blähungen und wechselnde Durchfälle.
Klinische Studien (Hopp et al. 2005) haben nun gezeigt, dass die opioidtypischen Symptome sich signifikant reduzieren lassen, wenn das Opioid Oxycodon mit dem Opioidantagonisten Naloxon kombiniert verabreicht wird (Targin®): retardiertes Naloxon blockiert nach oraler Aufnahme die Opioidrezeptoren im Darm und verdrängt dort kompetitiv das Oxycodon; anschließend wird Naloxon fast vollständig in der Leber abgebaut (First-Pass-Effekt) und ist somit nicht mehr systemisch verfügbar. Oxycodon hingegen passiert die Leber und entfaltet seine analgetische Wirkung im zentralen Nervensystem. Gastrointestinalen Nebenwirkungen wird vorgebeugt, eine durch Vormedikation bereits bestehende Obstipation wird deutlich reduziert (siehe Grafik, 1= Orale Einnahme, 2= Blockade der Darmrezeptoren durch Naloxan, 3= Abbau von Naloxon in der Leber, 4= analgetische Wirkung von Oxycodon im ZNS).
Targin® ist ab 2. Oktober als Matrixtablette in zwei Wirkstärken (10mg Oxycodon und 5mg Naloxon sowie 20mg Oxycodon/10mg Naloxon) erhältlich. ab
Quelle: Einführungspressekonferenz “Neuer Meilenstein für Arzt und Patient: Die intelligente Schmerztherapie mit Targin®“, 20.9.2006, Berlin; Mundipharma