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Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa waren bis vor wenigen Jahren in Südeuropa beinahe unbekannt. Doch jetzt erkranken immer häufiger Frauen und Männer aus Spanien, Portugal, Italien oder Griechenland an dem schmerzhaften Leiden, erklärten Experten bei der 14. United European Gastroenterology Week (UEGW), die an diesem Wochenende im Berliner ICC eröffnet wurde. Die Magen- und Darmspezialisten vermuten, dass der wachsende Hygiene-Standard sowie der gestiegene Antibiotika-Verbrauch hierfür verantwortlich sind.
Inzwischen sind mehr als 1,5 Millionen Menschen in Europa von dem Darmleiden, das zu heftigen Durchfällen und krampfartigen Bauchschmerzen führt und langfristig schwere Erkrankungen im ganzen Körper hervorrufen kann, betroffen. Besonders oft erkranken Jugendliche und junge Erwachsene neu. Überraschend ist, dass immer mehr Menschen in Südeuropa betroffen sind. „Bislang hatten wir ein deutliches Nord-Süd-Gefälle zuungunsten des Nordens.
In den skandinavischen Ländern war die Erkrankungshäufigkeit zum Teil 10 bis 20 Mal so hoch wie etwa in Griechenland. Doch in den vergangenen Jahren holen die südlichen Länder immer weiter auf“, erklärt Prof. Eduard Stange aus Stuttgart. Die Gründe dafür könnten in den verbesserten hygienischen Bedingungen in Südeuropa liegen. Untersuchungen haben ergeben, dass die Zahl der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zunimmt, je sauberer und keimfreier die Umgebung ist. Das Immunsystem ist in solchen Fällen nicht mehr genügend gefordert und richtet sich deshalb gegen körpereigene Strukturen. Auch der in südlichen Ländern stark gestiegene Antibiotika-Verbrauch im Kindesalter, der die Darmflora nachhaltig schädigt und damit auch das Immunsystem beeinträchtigt, könnte ein Grund sein.
Neue Behandlungsleitlinien gelten für ganz Europa
Diagnose und Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sind häufig sehr schwierig, da sich die Symptome bei jedem Patienten anders gestalten und jeder anders auf die entzündungshemmenden oder immunregulierenden Medikamente anspricht. Die neuen „Biologicals“ etwa – Medikamente, die ganz gezielt in die Zellkommunikation eingreifen – führen nur bei rund 40 Prozent der Patienten zur Beschwerdefreiheit; bei ebenso vielen hingegen bleiben sie wirkungslos. Licht ins Dunkel sollen neue, internationale Leitlinien bringen, die erstmals bei dem größten europäischen Kongress dieser Art, an dem ca. 9.000 Wissenschaftler aus über 75 Ländern teilnehmen, vorgestellt werden. „Die neuen Leitlinien sind Empfehlungen für praktizierende Ärzte in ganz Europa; sie entsprechen dem aktuellen Stand des medizinischen Fortschritts und sollen helfen, Diagnose und Therapie zu vereinheitlichen und zu verbessern“, erklärte Prof. Stange, Vorsitzender der europäischen Konsensus-Konferenz.
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