Deutschlands Kassenpatienten wollen am therapeutischen Fortschritt teilhaben
Die Mehrheit der Deutschen glaubt, dass sich ihre Situation im Gesundheitswesen in den vergangenen Jahren verschlechtert hat und befürchtet weiter steigende Beiträge zur Krankenversicherung. So die Ergebnisse einer Bevölkerungsbefragung. Viele Menschen wären aber auch bereit, höhere Beiträge zu zahlen, wenn bei der Auswahl der Leistungen ihre individuellen Wünsche berücksichtigt würden.
68 Prozent der Bevölkerung konstatierten eine Verschlechterung der Situation der Patienten im Gesundheitswesen und werden in diesem Empfinden von Ärzten bestätigt: Nur 24% der deutschen Mediziner glauben, dass sie unter den gegenwärtigen politischen Rahmenbedingungen alle ihre Patienten nach aktuellem medizinischen Stand behandeln können, so die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung, welche die Ärzte Zeitung im Sommer 2002 veröffentlichte. Kein Wunder also, dass die Verbesserung medizinischer Leistungen und besonders die Teilhabe am medizinischen Fortschritt eines der wichtigsten Anliegen der Bevölkerung ist.
In einer Simulation im Rahmen der Bevölkerungsbefragung wurde überprüft, ob und in welchem Ausmaß flexiblere Krankenversicherungstarife genutzt werden würden. Dabei konnten die Befragten zwischen beitragserhöhenden und -reduzierenden Angeboten wählen, um einen individuellen Leistungsumfang und Kassenbeitrag zu erhalten. Unter den beitragserhöhenden Angeboten wurde die Innovationsgarantie, also die Kostenübernahme für zukünftige medizinische Innovationen, am häufigsten gewählt – von immerhin 60% aller Befragten.
Dass die Teilhabe am medizinischen Fortschritt den Versicherten besonders wichtig ist, zeigt sich im Vergleich mit den anderen Wahlmöglichkeiten. Auch Versicherte, die ansonsten restriktivere Versorgungsformen wählten, legten mehrheitlich Wert auf die Innovationsgarantie: Ganze 66% der Befürworter des Hausarztmodells wählten gleichzeitig die Option „Innovationsgarantie“. So auch 61% der Befragten, die einer Arzneimittelliste zustimmen würden und 59% derer, die sich mit der Reduzierung der freien Arztwahl auf Vertragspartner ihrer Krankenkasse, dem so genannten „Preferred Providers“-Modell, zufrieden geben würden.
Die Botschaft ist deutlich: Der Zugang zu innovativen Therapieformen ist der Bevölkerung sehr wichtig. Es bleibt abzuwarten, wie die Politik auf diese Forderungen eingeht. Derzeit werden Reformvorhaben diskutiert, die eine weitere Bürokratisierung des Systems befürchten lassen, wie beispielsweise das "Deutsche Zentrum für Qualität in der Medizin". Nach Vorstellung der Planer soll dieses Zentrum über das Zulassungsverfahren hinaus, in dem Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit eines jeden Arzneimittels nach strengen Kriterien geprüft werden, Empfehlungen zum Nutzen des Arzneimittels abgeben, bevor Ärzte es ihren Patienten zu Lasten der GKV verordnen können. Diese zusätzlichen Reglementierungen könnten zukünftig therapeutische Innovationen eher verzögern und die Versorgung der Kassenpatienten weiterhin verschlechtern.
Die aktuelle Studie "Der Patient vor der Wahl" führt die im Rahmen der Delphi-Studienreihe zur Zukunft des Gesundheitswesens Befragungen fort. Eine Zusammenfassung der Studie ist im Internet unter www.janssen-cilag.de zu finden.