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02.06.2003 |
Infos für Ärzte |
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Homocystein als kardiovaskulärer Risikofaktor
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Ein erhöhter Homocysteinspiegel im Blut stellt neben einer Hypercholesterinämie einen ernsthaften und unabhängigen Risikofaktor sowohl für Herzinfarkt und Schlaganfall als auch für neurogenerative Erkrankungen wie Alzheimer dar. Mittlerweile belegen immer mehr Studienergebnisse diesen Zusammenhang, was anlässlich der 3rd Conference on Hyperhomocysteinemia in Saarbrücken von Experten aus der ganzen Welt diskutiert wurde.
Menschen mit einem hohen Risiko für Gefäßkrankheiten haben häufig erhöhte Homocysteinwerte. Die Wissenschaftler sind sich aufgrund der bereits vorliegenden Studien einig, dass ein Zusammenhang zwischen der toxischen Aminosäure und den Erkrankungen besteht. Die Vertreter der neu gegründeten DACH-Liga Homocystein empfehlen die Supplementation mit Folat und B-Vitaminen.
Nach wie vor geht die Hälfte aller Todesfälle auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen bzw. deren Komplikationen zurück. Nachdem die konventionellen Risikofaktoren einen Teil der Fälle nicht erklären können, wird dem “neuen” Risikofaktor Homocystein großes Interesse entgegen gebracht.
Homocystein ist ein schwefelhaltiges Intermediärprodukt im Stoffwechsel der essentiellen Aminosäure Methionin. Defizite an Folsäure, Vitamin B12 und B6 sowie eingeschränkte Enzymaktivitäten führen durch Abbauhemmung zur intrazellulären Konzentrationserhöhung von Homocystein.
Zahlreiche retrospektive und prospektive Studien finden übereinstimmend eine unabhängige Beziehung zwischen bereits leicht erhöhtem Homocystein und kardiovaskulären Erkrankungen sowie der Gesamtmortalität. Eine Risikoerhöhung ist ab einem Homocysteinwert von etwa 9 µmol/L in einer linearen Dosis-Wirkungsbeziehung ohne Schwellenwert darstellbar.
Die Hyperhomocysteinämie als unabhängiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird für etwa 10% des Gesamtrisikos verantwortlich gemacht. Erhöhte Konzentrationen (moderate Hyperhomocysteinämie, > 12 µmol/L) gelten als zelltoxisch und werden bei 5-10% der Allgemeinbevölkerung und bei bis zu 40% der Patienten mit Gefäßerkrankungen gemessen.
Zusätzliche Risikofaktoren (Rauchen, arterieller Hypertonus, Diabetes und Hyperlipidämie) können das Gesamtrisiko additiv oder durch Interaktion mit Homocystein synergistisch und überproportional erhöhen. Bei Hyperhomocysteinämie kommt es neben Veränderungen der Gefäßmorphologie zu einem Verlust der antithrombotischen Endothelfunktion und zur Induktion eines prokoagulatorischen Milieus. Den meisten der bekannten Schädigungen liegen homocysteinvermittelte oxidative Stressbelastungen zugrunde. Zahlreiche Wirkstoffe, Medikamente, Erkrankungen und Lebensstilfaktoren beeinflussen den Homocystein-Stoffwechsel, zumeist als direkte oder indirekte Antagonisten von Kofaktoren und Enzymaktivitäten.
Als häufigste Ursache erhöhter Homocysteinwerte gilt der Folsäuremangel. Dieser Mangel ist in Europa besonders häufig und entsteht durch Mangel an frischem Obst und Gemüse. Folatquellen sind grüne Gemüse, Getreideprodukte, Obst, Hefe und in eingeschränktem Maß auch Leber. Da Folat jedoch hitze-, lagenrungs- und lichtempfindlich ist, gehen bis zu 90% der Folate bei der Verarbeitung der Lebensmittel verloren. Die ausreichende Versorgung mit mindestens 400 µg Folat/Tag ist auch bei ausgewogener Ernährung nicht zu erreichen. In den USA hat man aus diesem Grunde bereits begonnen, Mehl Folat beizumischen. Auch in Deutschland und der Schweiz wird diese Option im Sinne der Prävention von Fachleuten diskutiert.
Aufgrund der bereits vorliegenden Erkenntnisse wird zunehmend die Bestimmung und Behandlung erhöhter Homocysteinkonzentrationen bei Hochrisikogruppen und besonders von Patienten mit manifesten Gefäßerkrankungen gefordert. In beiden Fällen sollte zunächst eine Homocysteinbestimmung durchgeführt werden (Ausgangswert). Außer bei Manifestationen richtet sich das weitere Vorgehen nach dem Befund (Grafik).
In Übereinstimmung mit anderen Arbeits- und Konsensusgruppen ist als Therapieziel ein Homocysteinspiegel <10 µmol/L anzustreben. Durch Senkung erhöhter Homocysteinspiegel könnten, basierend auf verschiedenen Berechnungsgrundlagen, theoretisch bis zu 25% der kardiovaskulären Ereignisse vermieden werden. Auf Grund der billigen, potentiell effektiven und nebenwirkungsfreien Therapiemöglichkeit besteht ein außerordentlich günstiger Kosten-Nutzen-Quotient. Vor einer möglichen Empfehlung für die generelle Bestimmung und Behandlung erhöhter Homocysteinwerte bei Gesunden müssen erst die Ergebnisse derzeit laufender kontrolliert-randomisierter Interventionsstudien bekannt sein.
Die D.A.CH.-Liga-Homocystein e.V. wurde im Jahr 2003 gegründet und im April diesen Jahres, im Rahmen der "3rd Conference on Hyperhomocysteinemia" in Saarbrücken, erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Die ersten Richtlinien und Empfehlungen der D.A.CH.-Liga-Homocystein wurden in Saarbrücken in Form eines Konsensuspapiers präsentiert. Der Verein ist eine interdisziplinäre Vereinigung ausgewiesener Wissenschaftler aus den D.A.CH.-Ländern (Deutschland, Österreich, Schweiz), die sich mit der Forschung auf dem Gebiet von Homocystein, relevanter Vitamine und assoziierter Krankheiten im weiteren Sinne befassen. Der Vereinszweck liegt in der Förderung von Forschung und Information zu Homocystein, besonders im Bereich Diagnostik, Therapie und Prävention.
Mehr unter: www.dach-liga-homocystein.org.
Quelle: 3rd Conference on Hyperhomocysteinemia in Saarbrücken, Mai 2003
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Homocystein>>
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Zuletzt geändert am: 02.06.2003 |
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