EU geht gegen Mangel an Organspenden vor - Kritik an TV-Spendershow
Zehn Menschen sterben jeden Tag in Europa, weil sie vergebens auf ein Spenderorgan gewartet haben. Unter dem Eindruck einer heftig umstrittenen, bizarren «Spendershow» im niederländischen Fernsehen hat jetzt die EU-Kommission eigene Pläne gegen den dramatischen Mangel an Organspenden vorgestellt. Gesundheitskommissar Markos Kyprianou kündigte am Mittwoch in Brüssel ein Gesetz für europaweite Mindeststandards für Sicherheit und Qualität an.
Derzeit unterschieden sich die Regeln etwa für Krankenhäuser in den EU-Ländern sehr, ebenso wie die Bereitschaft, zu spenden. Hier müssten Zusammenarbeit und Erfahrungsaustausch verstärkt werden. «Dieses Thema ist ein heißes Eisen, da es um ethische und moralische Fragen und Traditionen geht», sagte Kyprianou. Zwar seien vergangenes Jahr 26 000 Menschen in der EU mit einer Organspende gerettet worden. 56 000 Menschen hätten aber vergebens auf ein Spenderorgan gewartet.
Einer Umfrage des europäischen Statistikamtes Eurostat zufolge befürworten 81 Prozent der Europäer den Organspenderausweis, doch nur 12 Prozent besitzen auch einen. «Da klafft eine Lücke, die wir schließen müssen», mahnte Kyprianou. Dies könne mit einem europäischen Organspenderausweis oder einem Hinweis auf der europäischen Krankenversicherungskarte erreicht werden.
Deutlich über das Ziel hinaus schießt nach Ansicht des Kommissars aber die «Große Spendershow» im niederländischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Dabei sollen an diesem Freitag drei Nierenpatienten um die Organe einer todkranken Frau wetteifern, die am Ende entscheidet, wer den Zuschlag erhält. «Ich bin angesichts dieser Vorstellung schockiert», sagte Kyprianou. «So würde ich das Bewusstsein nicht schärfen.» Selbst ein gutes Beispiel gibt der Zyprer aber derzeit noch nicht ab. Er besitze keinen Spenderpass, räumte er ein, fügte aber hinzu: «Ich wäre bereit, zu spenden.»