Die medikamentöse Therapie der fortgeschrittenen Alzheimer-Demenz mit dem NMDA-Antagonisten Memantine führt zu bedeutenden Kosten- und Pflegezeiteinsparungen. Das zeigen die Ergebnisse der pharmakoökonomischen Untersuchung von Wimo et al., die kürzlich in dem Fachjournal Pharmaco Economics veröffentlicht wurden.
Die Untersuchung war einer US-amerikanischen, multizentrischen Doppelblindstudie zur Wirksamkeit von Memantine bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz angeschlossen. Patienten, die mit Memantine behandelt wurden, benötigten weniger Pflege und Betreuung und konnten länger im häuslichen Umfeld verbleiben. Die mit Memantine behandelten Patienten wurden im klinischen Gesamturteil nach 28 Wochen signifikant besser beurteiltundwaren in ihren kognitiven und Alltagsfähigkeiten den Placebo-Patienten signifikant überlegen, was von Reisberg et al. bereits im Mai 2003 im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde.
Alzheimer-Demenz im fortgeschrittenen Stadium verursacht enormen Leidensdruck bei Patienten und Angehörigen. Der Pflegeaufwand stellt eine hohe psychische, physische, aber auch finanzielle Belastung für alle Beteiligten dar. Laut Wimo entfallen rund 75% aller Alzheimer-assoziierten Kosten auf das späte Stadium der Erkrankung. Davon wiederum entfällt der überwiegende Teil der Kosten auf die Pflege in Heimen.
In der Studie wurde anhand von strukturierten, von der Pflegeperson auszufüllenden Interviewbögen (Resource Utilisation in Dementia – RUD) die Auswirkung von Memantine (Axura®) (20mg/Tag) auf pharmakoökonomische Aspekte, z. B. den durchschnittlichen Ressourceneinsatz, im Vergleich zu Placebo untersucht. Anhand von aufzuwendenden Pflegezeiten und -mitteln wurden die Kosten, die durch die Krankheit entstehen, berechnet. Das Patientenkollektiv mit einem MMSE-(Mini Mental State Examination-) Wert zwischen 3 und 14 wurde über eine Studiendauer von 28 Wochen doppelblind und randomisiert untersucht.
Daraus ergab sich, dass der Pflegeaufwand für diese Alzheimer-Patienten, die mit Memantine behandelt wurden im Vergleich zu Placebo signifikant geringer war. Somit wurden in der Memantine-Gruppe monatlich im Durchschnitt mehr als 50 Stunden an Pflegezeit und $US 824 an gesamten Betreuerkosten eingespart. Die Gesamtkosten für die Gesellschaft reduzierten sich monatlich sogar um $US 1090 pro Patient. In der Memantine-Gruppe mussten auch signifikant weniger Patienten in ein Pflegeheim überwechseln. Während in der Placebo-Gruppe fünf Patienten nicht länger zu Hause versorgt werden konnten, war dies bei den mit Memantine behandelten Patienten nur einmal der Fall. Auch die Einweisung in ein Pflegeheim erfolgte unter der Therapie mit Memantine deutlich später.
Die klinische Relevanz – neben der ökonomischen und die Angehörigen entlastendenden Bedeutung der Therapie mit Memantine – belegen die von Reisberg et al. im New England Journal of Medicine veröffentlichten Ergebnisse. Das klinische Gesamturteil CIBIC-plus fiel unter Memantine signifikant besser aus. Auch eine signifikante Reduktion des für die Krankheit typischen kognitiven und funktionalen Verfalls wurde anhand der Severe Impairment Battery (SIB) und des ADCS-ADLsev* nachgewiesen.
*ADCS-ADLsev = Alzheimer Disease Cooperative Study Group –
Activities of Daily Living modified for severe dementia