Millionen Betroffenen in Europa eine der häufigsten Nahrungsmittelunverträglichkeiten überhaupt. Neueste Erkenntnisse zu Diagnose- und Therapiemethoden sowie zur Prävention sind Schwerpunkt der 15. United Gastroenterology Week (UEGW) vom 27. – 31 Oktober 2007 in Paris. Zum größten europäischen Kongress dieser Art werden im Oktober 9.000 Wissenschaftler aus mehr als 75 Ländern im Pariser Palais des Congrès erwartet.
„Die Verbreitung der Zöliakie wurde lange Zeit unterschätzt. Inzwischen zeichnet sich dank verbesserter Untersuchungsmethoden ab, dass wir es hier mit einer echten Volkskrankheit zu tun haben. Mehr Aufklärung in der Bevölkerung, aber auch bei Hausärzten ist notwendig“, erklärt Prof. Chris Mulder vom VU University Medical Center Amsterdam. Zöliakie ist eine chronische Entzündung der Dünndarmschleimhaut. Hervorgerufen wird sie durch eine Überempfindlichkeit gegenüber Gluten. Dieses Gemisch aus Proteinen, Kohlehydraten und Lipiden kommt in vielen Getreidesorten vor, beispielsweise in Roggen, Weizen und Gerste. Als sogenanntes „Klebereiweiß“ sorgt es für die Teigbildung des Mehls. Außerdem dient Gluten als Geschmacksträger, Emulgator und Stabilisator für viele Halbfertig- und Fertigprodukte der Nahrungsmittelindustrie.
Hausärzte sind nicht ausreichend informiert
Die Folgen einer Zöliakie-Erkrankung sind oft gravierend: Die Entzündung führt zu einer Rückbildung der Darmzotten, so dass die Nährstoffe schlecht oder gar nicht verdaut werden. Appetitlosigkeit, chronischer Durchfall, häufiges Erbrechen und Gewichtsverlust sind typische Symptome. Eine nicht behandelte Zöliakie beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität entscheidend, sie kann auch zu Lymphdrüsen- und Darmkrebs führen. Hochrechnungen zufolge leiden allein in der EU mindestens 2,5 Millionen Menschen an Zöliakie, die damit zu den häufigsten Lebensmittelunverträglichkeiten überhaupt zählt. Man muss dabei von einer beträchtlichen Dunkelziffer ausgehen. „Wir haben hier lange nur die Spitze des Eisbergs gesehen. Neuere Bevölkerungs-Screenings in Europa und den USA lassen jetzt vermuten, dass auf schätzungsweise 150 Einwohner ein Zöliakie-Betroffener kommt“, so Prof. Mulder. Zöliakie ist in breiteren Bevölkerungskreisen noch wenig bekannt, auch viele Hausärzte sind über diese Krankheit bislang nicht ausreichend informiert. Dass die Zahl der bekannten Zöliakiefälle wächst, liegt an verbesserten Diagnosemöglichkeiten.
Dazu gehört vor allem der Nachweis von Antikörpern im Serum, der allerdings nicht immer zuverlässig ist. Sicher bestätigen lässt sich der Verdacht auf Zöliakie durch eine Gewebeprobe, die mit Hilfe einer Darmspiegelung entnommen wird.
Zahlreiche weitere Kongress-Highlights
Neben der Zöliakie zählen vor allem Magen-, Darm- und Lebererkrankungen zu den thematischen Schwerpunkten des Kongresses. Weitere Highlights: Aktuelle Forschungsergebnisse zu Übergewicht und Fehlernährung, neue Endoskopietechniken, die den Patienten weniger belasten und die Folgen von Alkholmissbrauch für den Magen-Darm-Trakt. Themen des Kongresses, die Millionen von Menschen betreffen, sind u.a. Sodbrennen (gastroesophageal reflux disease (GERD) oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen (inflammatory bowel disease (IBD))
Weitere Kongressinformationen sowie das vollständige Tagungsprogramm finden unter: www.uegw2007.de