HPV-Test bewährt sich als Risikomarker bei der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs
Der Test auf humane Papillomaviren der Hochrisiko-Gruppe (Hochrisiko-HPV) kann sinnvoll und effektiv in die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs integriert werden. Dies zeigen neue Daten aus dem deutschen Vorsorge-Pilotprojekt in Wolfsburg und einer Studie aus den Niederlanden, die heute während eines Symposiums anlässlich der Tagung der Arbeitsgemeinschaft für Kolposkopie und Zervixpathologie in Stralsund vorgestellt wurden.
Sichere Risikoabschätzung durch den HPV-Test bei der Früherkennung
Beispielhaft für den effektiven Einsatz des HPV-Tests bei der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs für Frauen ab 30 Jahren ist das so genannte Wolfsburger Modell, ein Pilotprojekt bei dem alle Teilnehmerinnen neben dem konventionellen Pap-Abstrich zusätzlich auch einen HPV-Test erhalten. Professor Karl Ulrich Petry, Chefarzt der Frauenklinik im Klinikum der Stadt Wolfsburg, stellte die neuesten Daten vor: Bei 95 Prozent der 12.722 Frauen ab 30 Jahren, die bisher teilgenommen haben, ergab sich ein doppelt negatives Testergebnis. Das heißt, das Risiko für eine Krebserkrankung am Gebärmutterhals kann für diese Frauen für mindestens drei bis fünf Jahre mit nahezu 100prozentiger Sicherheit ausgeschlossen werden.
Diese Frauen gehen weiterhin jährlich zur gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung, u. a. zur Brustkrebsfrüherkennung. Die Abstriche zur Gebärmutterhalskrebsfrüherkennung werden jedoch erst nach fünf Jahren wiederholt.
Identifikation von Frauen mit erhöhtem Risiko
Der HPV-Test trägt andererseits auch zur Erkennung von gefährdeten Frauen bei: 127 Frauen wurden auf Basis der ersten Testergebnisse aus Pap-Abstrich und HPV-Test zur Kolposkopie (Spiegelung des Gebärmutterhalses) an die Dysplasiesprechstunde der Wolfsburger Frauenklinik überwiesen. In 41 Fällen wurde eine behandlungsbedürftige, hochgradige Krebsvorstufe festgestellt. Bei zwei Frauen musste die Diagnose eines invasiven Gebärmutterhalskrebses gestellt und eine Therapie eingeleitet werden. Die Erkrankungsrate lag mit 48 Prozent in der Gruppe der Frauen mit positivem HPV-Test und auffälligem Pap-Abstrich am höchsten, verglichen mit 0,0 Prozent bei negativem HPV-Test und negativem Pap-Abstrich. Der Einsatz des Tests auf Hochrisiko-HPV eröffnet damit für mehr Frauen die Chance einer frühzeitigen Diagnose und Behandlung von Zellveränderungen und Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs.
Die Teilnahmerate im Stadtgebiet Wolfsburg lag nach 16 Monaten mit 60,1 Prozent über den Bundesdurchschnitt bei der konventionellen Vorsorge (rund 48 Prozent). Dennoch prüfen die Projektinitiatoren weitere Maßnahmen, um noch mehr Frauen für die Teilnahme zu gewinnen.
Niederländische Studie prüft Selbsttest auf Hochrisiko-HPV zur Verbesserung der Teilnahmerate
In den Niederlanden gibt es ein Einladungsprogramm zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs, bei dem jährlich 750.000 Frauen im Alter zwischen 30 und 60 Jahren im 5-Jahresabstand zur Durchführung eines Pap-Abstrichs eingeladen werden. Zu den derzeitigen Nachteilen zählt, dass zirka 25 Prozent der eingeladenen Frauen das Vorsorgeangebot nicht nutzen und die Hälfte der diagnostizierten Fälle von Gebärmutterhalskrebs Frauen betrifft, die bislang an keiner Früherkennungsuntersuchung teilgenommen hatten. Professor Peter Snijders vom Medizinischen Zentrum der Freien Universität Amsterdam stellte während des Stralsunder Symposiums Ergebnisse einer Studie vor, die überprüft, ob Frauen durch das Angebot von Selbsttests für die Teilnahme an der Vorsorgeuntersuchung gewonnen werden können.
2.546 Frauen, die nicht an den Früherkennungsuntersuchungen teilgenommen hatten, erhielten das Angebot, die Vaginalabstriche zu Hause selbst vorzunehmen und zur Durchführung des Hochrisiko-HPV-Tests an ein Labor zu senden. Weitere 284 Frauen, wurden stattdessen erneut zu einer Untersuchung mit dem Pap- Abstrich eingeladen.1 Bei den Frauen, denen ein Selbstabstrich angeboten wurde, war die Resonanz mit 34,2 Prozent größer als in der Gruppe, die erneut zu einer Untersuchung eingeladen wurden (17,6 Prozent). Alle Frauen, bei denen der Test auf Hochrisiko-HPV positiv ausfiel, wurden zu einer Folgeuntersuchung mit Pap-Abstrich und Kolposkopie einbestellt. In den begleitenden Gesprächen wurde auch ermittelt, ob und wie häufig diese Frauen in der Vergangenheit an Früherkennungsuntersuchungen teilgenommen hatten. Es zeigte sich, dass diese Gruppe der Frauen die Untersuchungen seltener oder gar nicht in Anspruch genommen hatten.
Die weitere Auswertung ergab, dass bei diesen Frauen die Zahl der Fälle von mittleren Zellveränderungen und Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs höher war als bei den Teilnehmerinnen an den regulären Früherkennungsuntersuchungen. Fazit der Studienautoren: Das Selbstabstrich-Angebot zur Durchführung von Hochrisiko-HPV-Tests ist eine gute Maßnahme, um auch die Frauen zu erreichen, die bisher nicht an der Früherkennungsuntersuchung teilnehmen. Auf der Grundlage der bisher erhobenen Daten ist es wahrscheinlich, dass innerhalb der kommenden Jahre der Test auf Hochrisiko-HPV als Bestandteil von organisierten Programmen zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs in den Niederlanden eingeführt wird.
Literatur:
1 Bais AG et al., “HPV testing on self-sampled vaginal specimens: an effective alternative for non-responders
of the cervical screening programme”, International Journal of Cancer 2007; 120: 1505-1510