Diabetes ist in Deutschland die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter. Obwohl er nicht geheilt werden kann, lässt er sich mittels multidisziplinärer Therapiekonzepte gut behandeln. Vorrangige Therapieziele sind die Vermeidung akuter Komplikationen und Folgeerkrankungen sowie die Vermeidung psychosozialer Folgen der chronischen Erkrankung. Die häufigere Diabetes-Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen ist die des Typ 1, bei der die Bauchspeicheldrüse nicht mehr in der Lage ist, eigenes Insulin zu produzieren. Aber auch der langsam fortschreitende Typ-2-Diabetes wird immer häufiger bereits bei jungen Patienten beobachtet. Bewegungsmangel, Übergewicht und falsche Ernährung sind hier die Hauptursachen.
Typ-1-Diabetes: jährliche Steigung der Häufigkeit um drei bis vier Prozent
Weltweit ist der Diabetes auf dem Vormarsch, sowohl bei Erwachsenen wie auch bei Kindern und Jugendlichen. In Deutschland finden sich in der Altersgruppe bis 19 Jahre etwa 25.000 Typ-1-Diabetiker. Nach neuesten Daten der Universität Tübingen steigt die Inzidenzrate jährlich um drei bis vier Prozent an. Die Ursachen für die zunehmende Häufigkeit des Typ-1-Diabetes sind bisher noch unbekannt. Experten nehmen an, dass neben Vererbungsfaktoren auch die Veränderung von Umweltbedingungen und Lebensstil sowie die geringere Bereitschaft der Mütter zum Stillen eine Rolle spielen.
Typ-2-Diabetes: Massiver Anstieg durch veränderte Lebensbedingungen
Nachdem eine Adipositas (krankhaftes Übergewicht, Fettleibigkeit) immer häufiger bereits im Kindes- und Jugendalter auftritt, ist auch mit einer steigenden Zahl zusätzlich erkrankter Jugendlicher an Typ-2-Diabetes zu rechnen. Man geht davon aus, dass ca. ein bis zwei Prozent der adipösen Jugendlichen unter einem Typ-2-Diabetes und sogar bis zu zehn Prozent unter einer Störung ihres Glukosestoffwechsels leiden. Bereits jetzt wird der Typ-2-Diabetes in Deutschland jährlich bei 200 Menschen unter 20 Jahren neu diagnostiziert. Dies ist durch die Veränderung der Lebensbedingungen – Überernährung bei gleichzeitiger Bewegungsarmut – zu erklären: Experten gehen davon aus, dass die Adipositas auch durch „Fastfood“ begünstigt wird, weil dadurch dem Körper im Übermaß Kalorien zugeführt werden. Ebenfalls nachteilig ist der Bewegungsmangel durch das Sitzen vor Computer und Fernsehgerät.
Wichtig ist, dem Typ-2-Diabetes bereits im Kindes- und Jugendalter entgegen zu wirken. Kindergarten und Schule können einen wichtigen Beitrag leisten, indem dort immer wieder auf die Bedeutung von sportlicher Betätigung und einer ausgewogenen Ernährung hingewiesen wird. Auch das aktuell diskutierte Eckpunktepapier von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) greift die Notwendigkeit einer gesünderen Lebensweise auf. Die Ziele des Plans sind unter anderem eine verstärkte Aufklärung und Vorsorge: Kinder sollen möglichst früh über die Notwendigkeit einer gesunden Ernährung und ausreichend Bewegung informiert werden. Eltern können mit gutem Beispiel vorangehen. In Kindergärten und Schulen sollen Initiativen gestartet werden. Die Bundesregierung möchte mit Ländern, Kommunen und Sportverbänden Konzepte entwickeln, um die Bevölkerung zu mehr Sport und Bewegung im Alltag zu animieren. Daneben soll der Einfluss von Ernährung und Bewegung auf Fettleibigkeit, Zuckerkrankheit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Rückenbeschwerden künftig stärker erforscht werden.
Schulungen: Multidisziplinäre Konzepte für erfolgreiche Therapie
Diabetes ist eine lebenslange Erkrankung. Eine Therapie kann nur dann wirkungsvoll sein, wenn die Betroffenen bereit sind, auch selbstverantwortlich einen Teil dazu beizutragen, ihre Lebensqualität zu erhalten. Grundsätzlich ist eine auf die jeweiligen Bedürfnisse der betroffenen Kinder und Jugendlichen abgestimmte Schulung grundlegender Bestandteil jeder Diabetestherapie. Zusammen mit dem behandelnden Arzt kann herausgefunden werden, welche Angebote am ehesten geeignet sind. Eine umfassende Information der Patienten ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie.
Im Rahmen moderner Diabetesschulungen sollen die Selbstmanagement-Fähigkeiten der betroffenen Kinder und Jugendlichen sowie ihrer Familien gefördert werden. Multidisziplinäre Konzepte schließen die gesamte Familie in den Behandlungsprozess ein. Strukturierte Schulungsprogramme sehen multidisziplinäre Teams vor, die aus Kinderärzten, Diabetesberatern, Psychologen, Kinderkrankenschwestern, Ernährungsfachkräften sowie Sozialarbeitern bestehen. In einer erfolgreichen Schulung werden die Bereitschaft und die Motivation für eine konsequente Eigenbehandlung gefördert. So erhöhen sich Lebensqualität und Flexibilität der Betroffenen.