ADHS kann immer auftreten, ist nicht situationsspezifisch und ein wesentliches Kriterium ist die Zeitstabilität, erläuterte Huss. Die Betroffenen sind schon im Kindesalter auffällig und die Verhaltensauffälligkeiten setzen sich später in der Schule und im Straßenverkehr fort. Bei Kindern mit ADHS sind die sozialen Fähigkeiten eingeschränkt und das Lernen von Lesen, Schreiben und Rechnen beeinträchtigt.
Kindsein ist heutzutage ein schwerer "Job". Besonders schwer haben es Kinder, die ihre Aufgabe trotz Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) erfüllen sollen. Therapiebausteine wie Aufklärung und Beratung, Psychotherapie, Förderung von Bewegung, Körperkontrolle und Koordination und gegebenenfalls Medikamente können helfen, daß auch diese Kinder ihren Weg finden.
Es ist schwierig, sich als Elternteil vom Erfolgsdruck frei zu machen. Denn bereits am Sandkasten fangen die Vergleiche an und egal ob Mutter oder Vater, man ist stets bemüht damit anzugeben, was das eigene Kind schon alles kann, gestand Michael Huss, Mainz, Vater von vier Kindern, der einst selbst Elternzeit in Anspruch genommen hat und weiß wovon er spricht.
So richten sich Wahrnehmung und Diagnose von ADHS in unserer modernen Leistungsgesellschaft schwerpunktmäßig auf die Belastungen im schulischen Alltag und dabei auf die Kernsymptome Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. ADHS kann immer auftreten, ist nicht situationsspezifisch und ein wesentliches Kriterium ist die Zeitstabilität, erläuterte Huss. Die Betroffenen sind schon im Kindesalter auffällig und die Verhaltensauffälligkeiten setzen sich später in der Schule und im Straßenverkehr fort.
Bei Kindern mit ADHS sind die sozialen Fähigkeiten eingeschränkt und das Lernen von Lesen, Schreiben und Rechnen beeinträchtigt. Kinder mit Impulskontrollstörungen können nicht warten, bis sie dran sind und platzen häufig dazwischen. Das Verhältnis zu Gleichaltrigen sowie zu den Eltern ist wesentlich stärker belastet als bei Kindern ohne ADHS.
Bislang hat man sich auch bei der Therapie von Kindern mit ADHS besonders auf den Erfolg in der Schule konzentriert. Doch Leistung wird dann zum Problem, wenn dem Kind eine Anforderung übergestülpt wird, mahnte Jan-Uwe Rogge, Bargteheide. Zunehmend wird deutlich, daß auch eine Verbesserung der emotionalen Befindlichkeit und der sozialen Integration wichtige Therapieziele sind. "Eltern sollen ihr Kind bei seinen Höhen und Tiefen begleiten und bei Rückschritten nicht frustriert sein. Diese Entwicklungswellen sind natürlich auch bei gesunden Kindern, besonders ausgeprägt aber bei Kindern mit einem Verhaltensdefizit, so Rogge, der hinzufügte: "Man sollte Kinder so annehmen, wie sie sind." Denn wenn man Eltern direkt befragt, was sie sich für ihr Kind wünschen, ist es letztlich, daß es glücklich ist.
Bei ADHS ist es erforderlich, situationsübergreifend zu handeln, fügte Cornelia Busse, Berlin, hinzu. Laut Frau Busse ist "Atomoxetin eine gute Substanz", die sie bei Kindern bisher mit Erfolg einsetzt hat. Huss ergänzte, daß Kinder, die Stimulantien erhielten, entgegen der landläufigen Meinung, dass sie als "Junkies" enden würden, im Erwachsenenalter sogar weniger geraucht und weniger Drogen konsumiert haben. Bei einer Befragung unter "Junkies" stellte sich zudem heraus, daß kein einziger bereit gewesen wäre, auch nur einen Cent für dieses vermeintliche Suchtmittel zu bezahlen, so gering war das Interesse an dieser Substanz als Droge. So gering ist also das Suchtpotential von Atomoxetin. YZ
Quelle: Pressegespräch "Kleine Helden – Mit allen Mitteln zum Erfolg? Erziehung und ADHS-Therapien im Spannungsfeld von Leistungsdruck und Kindsein" am 20. November 2007 im Museum für Kinder in Berlin. Veranstalter: Lilly.
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