Sportmedizin: Kreuzbandriss nicht gleich operieren
Wenn junge Fußballer nach einer Operation am vorderen Kreuzband innerhalb weniger Monate wieder auf dem Platz stehen, erhöht sich dadurch langfristig das Risiko einer Osteoarthritis im Knie, so Richard Frobell, Lund University Schweden. Wenn der Patient operiert wird, muss er sein Knie deswegen möglicherweise länger schonen, als ohne eine OP nötig gewesen wäre.
Richard Frobell untersuchte Kreuzbandverletzungen mit einer Magnetresonanzkamera. Die Bilder zeigten, dass die Bänderverletzung nur ein Teil des Problems ausmachte, die meisten Patienten hatten neben Meniskusverletzungen auch Brüche und Knochenmarkläsionen, dass heißt eine Schädigung porösen Knochens und Einblutungen ins Knochenmark.
„Dies ist eine neue Erkenntnis, die landläufige Meinung ist die, dass man sich bei diesen Verletzungen nur um das Kreuzband kümmert, dieses durch eine Muskelsehne ersetzt, und es dem Patienten damit wieder gut geht.“ Stattdessen kann die OP die Situation im Knie verschlechtern. Die Magnetresonanzstudie zeigt, dass operierte Knie ein Jahr danach öfter weiterhin geschwollen waren, eine Knochenmarkschädigung und Knorpelschäden aufwiesen als Knie, die nicht operiert worden waren.
Der Zusammenhang zwischen Knieverletzungen und Arthritis ist Forschern lange bekannt, dies konnte sich jedoch bislang in der Sportmedizin aufgrund des Leistungsdruckes nicht durchsetzen. Frobell rät dazu, Verletzungen am vorderen Kreuzband in frühen Stadien nicht zu operieren und erst einmal auf die strukturelle Rehabilitation zu vertrauen.
Dissertation titled „Treatment and Outcome of Anterior Cruciate Ligament Injury: Truth or Consequences.“
e-mail: richard.frobell@med.lu.se.