Verein: Gluten-Unverträglichkeit noch immer zu wenig bekannt
Die chronische Darmerkrankung Zöliakie bleibt nach Einschätzung von Experten oft zu lange unentdeckt. In Deutschland litten schätzungsweise 400 000 Menschen an dieser Unverträglichkeit des Klebereiweißes Gluten, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG), Dan Kühnau, am Samstag anlässlich eines Aktionstages in Magdeburg in einem Gespräch der dpa. «Maximal jeder Vierte der Betroffenen weiß, dass er diese Krankheit hat.»
Im Körper der Zöliakie-Kranken führe das Eiweiß Gluten, das in Getreide wie Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste vorkomme, zu einer Entzündung der Dünndarmschleimhaut. In der Folge fehlten dem Körper Nährstoffe, Mangelerscheinungen seien möglich. Über die Krankheit informierte die Gesellschaft im Rahmen des Welt-Zöliakie-Tages in Magdeburg. Ziel des Aktionstages der DZG war es auch, über Möglichkeiten einer glutenfreien Ernährung zu informieren. In dem Verein sind den Angaben zufolge 32 000 Menschen organisiert.
Drei Viertel der Zöliakie-Betroffenen, die Symptome wie Durchfall und Brechreiz hätten, würden von Ärzten in andere «Schubladen» gesteckt, sagte Kühnau. «Viele Hausärzte wissen nicht ausreichend Bescheid, Zöliakie kommt im Tagesgeschäft nicht häufig vor.» Zudem sei die Diagnose der chronischen Erkrankung nicht einfach. Die Symptome - in manchen Fällen können es auch Kopfschmerzen oder Übelkeit sein - seien auch vielen anderen Krankheiten zuzuordnen. Eine verlässliche Diagnose ist laut Kühnau nur über einen speziellen Bluttest möglich und über eine Untersuchung des Dünndarms.
Zöliakie ist nicht heilbar. «Es bleibt nur, auf glutenfreie Lebensmittel umzusteigen», sagte Kühnau. «Standardprodukte wie normales Brot, Kuchen, Pizza und Bier und Kuchen fallen weg.» Glutenfreie Lebensmittel seien zumeist um 30 bis 50 Prozent teurer und in der Regel nur im Reformhaus erhältlich. Deshalb werde Hartz-IV-Empfängern, die nachweislich an Zöliakie erkrankt seien, ein Zuschuss von 66 Euro monatlich gewährt.