Pneumologie: Therapie der COPD heute und in 5 Jahren
Erstes Ziel in der Therapie der COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) ist eine Raucherentwöhnung – kein Medikament hat einen so guten Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung und die Verbesserung der Lungenfunktion, so Prof. Helgo Magnussen, Großhansdorf. Die Pharmakotherapie beruht auf dem Einsatz der Inhalation von Betasympathikomimetika und/oder Antichonlinergika. Die Studien zur Wirksamkeit der Bronchodilatoren wurden hauptsächlich bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer COPD (GOLD-Stadium 2 und 3) durchgeführt, in der Praxis werden diese aber auch in frühen Stadien eingesetzt und zeigen hier eine Verbesserung der Symptomatik, Lungenfunktion und Belastbarkeit.
Da die zelluläre Entstehung der COPD noch weitgehend unbekannt ist, gibt es hierzu keine spezifischen Medikamente, allerdings weiß man mittlerweile, dass die neutrophilen Granulozyten eine Rolle im Krankheitsgeschehen spielen. In jüngster Zeit wurden Rezeptor-Antagonisten entwickelt, die Funktion und Rekrutierung der neutrophilen Granulozyten modulieren können.
Indacaterol – ein 24h wirkender Bronchodilator
Durch mehrere am Phenolring anhängende Äthylgruppen hat das Indacaterolmolekül eine hohe Lipophilie und wirkt deshalb innerhalb von Minuten und über eine Dauer von 24h, dies konnten Versuche an isolierten Meerschweinchen-Tracheen belegen (1). Neuere klinische Studien konnten zeigen, dass Indacaterol über eine der von Formoterol entsprechende Wirkung verfügt und die Lungenfunktion bereits innerhalb der ersten Stunde verbessert und 24h lang bronchodilativ wirkt (2). Außerdem geht aus einer kürzlich publizierten Studie (3) hervor, dass Indacaterol dosisabhängig wirkt, die beste Dosierung liegt demnach bei 400 µg/Tag. Im Vergleich zur Pacebo-Gruppe steigt schon Minuten nach der Inhalation der FEV1-Wert (Forced Expiratory Volume in 1 second) signifikant (p < 0,0001) an. Im Rahmen einer Sicherheitsstudie zu Indacaterol (4), an der 135 COPD-Patienten teilnahmen, stellte sich als Nebenwirkung ein Hustenreiz unmittelbar nach der Einnahme heraus, die Abbrechrate gegenüber der Placebo-Gruppe stiegt aber nicht an. Die Markteinführung von Indacaterol in einem Trockenpulverinhalator ist für 2010 projektiert.
COPD-Therapien der Zukunft
Klinische Ergebnisse zur Kombination von Indacaterol und einem neuen Anticholinergikum (NVA237 ) sind noch dieses Jahr zu erwarten (5). Auch Kombinationstherapien anderer langwirksamer Bronchodilatoren befinden sich in der klinischen Entwicklung.
In präklinischen oder frühen Phasen der klinischen Entwicklung befinden sich antagonistische Wirkprinzipien, die sich gegen die pro-entzündlichen Zytokine Interleukin (IL-1β, IL-6, IL-7) und Chemokin-Rezeptoren richten und deren prinzipieller Wirkmechanismus schon bei anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen ( z.B. rheumatoide Arthritis) bewiesen ist.
Eine weitere Möglichkeit in die COPD-Parhogenese einzugreifen, ist die Inhibition des Enzyms Phosphodiesterase 4 (PDE4), welches von neutrophilen Granulozyten, Lymphozyten und Makrophagen exprimiert wird (6). Die Ergebnisse mehrerer klinischer Prüfungen deuten auf einen günstigen Effekt auf pulmonale Funktion, Symptome und Lebensqualität hin (7, 8).
In Zukunft lässt sich vielleicht ein besseres Verständnis der entzündlichen und destruktiven pathologischen Wirkprinzipien der COPD erwarten, jedoch werden kurz- und mittelfristig Bronchodilatoren sowie inhalative Kortikoide mittel der Wahl zur Therapie der COPD bleiben.
vk
Referenzen:
1. Battram et al., J. Pharmacol. Exp. Th. 317: 762-770, 2006
2. Bauwens et al., Curr. Med. Res. Opin. 25: 463-470, 2009
3. Rennard et al., Rest. Med. 102(7): 1033-1044, 2009
4. Beier et al., Pulm. Pharmacol. 58, Suppl. 5: 205-222,2007
5. van Noord JA et al., QVA149, A novel combination of indacaterol and glycopyrronium, demonstrates superior bronchodilation compared with indacaterol or placebo in patients with COPD. European REspiratory Society, Wien 2009-04-02
6. Spina D. PDE4 inhibitors: currents status. Br. J Pharmacol 2008; 155: 308-315
7. Calverley PM, Sanchez-Toril F et al. Effekt of 1-year treatment with roflumilast in severe chronic obstructive pulmonary desease. Am Respir Crit Care Med 2007; 176: 154-161
8. Rabe KF et al. Roflumilast – an oral anti-inflammatory treatment for chronic obstructive pulmonary disease: a randomized controlles trial Lancet 2005; 366; 563-571
Quelle: Novartis-Satelliten-Symposium: Therapie der COPD heute und in 5 Jahren. 50. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V., 18-21 März 2009, CC Rosengarten Mannheim