Deutsch-britischer Erfahrungsaustausch zur Rolle des zukünftigen Institutes für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
Obwohl Großbritanniens Gesundheitssystem sich mit seiner Steuerfinanzierung sehr deutlich vom deutschen, beitragsfinanzierten System unterscheidet, können beide Länder von einem engeren Erfahrungsaustausch profitieren. Zu dieser Schlussfolgerung kam ein eintägiges Seminar mit hochrangigen Vertretern aus beiden Ländern zum Thema „Modernisierung im britischen und deutschen Gesundheitssystem – was können wir voneinander lernen?“ am 9.10. im Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS).
Großbritannien lernt von Deutschland laut Simon Stevens, dem obersten sozialpolitischen Berater des Premierministers Tony Blair, insbesondere bei der Umwandlung seiner staatlichen Krankenhäuser in selbstverwaltete Einheiten und bei der Einführung von mehr Wahlfreiheit für Patientinnen und Patienten. Die Einführung von Fallpauschalen zur Vergütung von Krankenhausleistungen im Zeitraum bis 2008 ist ein weiteres Beispiel, wo Großbritannien, so Richard Douglas, der Direktor für Finanzen im britischen National Health Service (NHS), die deutschen Entwicklungen sehr aufmerksam verfolgt.
Umgekehrt kann Deutschland bei Reformen zur Verbesserung der Qualität im Gesundheitswesen von den britischen Erfahrungen profitieren. Starke regionale Unterschiede in der Versorgung und ein Skandal mit großem Medienecho waren dort vor einigen Jahren der Anlass, das National Institute for Clinical Excellence (NICE) zu gründen. NICE untersucht Arzneimittel und medizinische Verfahren auf ihre Wirksamkeit und Kosten. Seine inzwischen fast 70 abgeschlossenen Berichte gelten weltweit als Vorbild. Der Vorsitzende von NICE, Professor Sir Mike Rawlins, machte klar, dass viele der erarbeiteten Bewertungsmethoden und Prozesse, z.B. was die Einbindung von Patientinnen und Patienten betrifft, in andere Länder transferiert werden können.
Vertreter des BMGS, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Krankenkassen stimmten darin überein, dass Deutschland diesbezüglich einen Nachholbedarf habe und das zukünftige Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen sich an der Güte der NICE-Arbeit orientieren müsse, aber die spezifischen deutschen Bedingungen – also die Anbindung an die gemeinsame Selbstverwaltung und nicht den Staat – eine 1:1-Kopie nicht erlauben.
Professor Reinhard Busse, Lehrstuhlinhaber für Management im Gesundheitswesen an der Technischen Universität Berlin, der die wissenschaftliche Leitung übernommen hatte, betonte, dass die internationale Gesundheitsreformdiskussion genau davon lebe, dass ähnliche Lösungsansätze auf ihre Übertragbarkeit in andere Systeme mit anderen Ausgangsbedingungen überprüft würden. Das Seminar erfolgte auf Einladung der Deutsch-Britischen Stiftung anlässlich ihres 30. Gründungsjahres.