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   23.04.2009
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DGIM: Frauen in der Arzneimittelentwicklung stärker berücksichtigen

Arzneimittel wirken bei Frauen und Männern unterschiedlich. Auch Nebenwirkungen treffen die Geschlechter nicht in der gleichen Form. Sie treten zudem bei Frauen 1,5 mal häufiger auf als bei Männern. Die Entwicklung von Medikamenten berücksichtigt Unterschiede von weiblichem und männlichem Organismus und Stoffwechsel jedoch oft nicht. Weshalb Frauen später als Männer von Infarkten betroffen sind und wie Ärzte bei der medikamentösen Therapie das Geschlecht der Patienten berücksichtigen sollten, war eines der Themen auf dem 115. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) vom 18. bis 22. April 2009 in Wiesbaden.


Frauen und Männer leiden unterschiedlich häufig an bestimmten Krankheiten. Auch auf Arzneimittel sprechen sie verschieden an. Zum Beispiel führt der für Männer hilfreiche Wirkstoff Digitalis zur Behandlung chronischer Herzschwäche bei Frauen sogar zu einer erhöhten Sterblichkeit. Ebenso scheinen Frauen auf Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen stärker zu reagieren und vermehrt unter Nebenwirkungen zu leiden.

Bereits die Entwicklung von Arzneimitteln berücksichtigt die weibliche Biologie und deren Stoffwechsel kaum: "Klinische Studien werden immer noch meist an jungen Männern durchgeführt und die Labortests nehmen Forscher an jungen männlichen Mäusen vor", so die Direktorin des Instituts für Geschlechterforschung an der Charité Berlin, Professor Dr. med. Vera Regitz-Zagrosek im Vorfeld des 115. Internistenkongresses.

Dass die Entwicklung von Substanzen vor allem am männlichen Organismus erfolgt, habe unerwünschte Folgen: "Zum einen wissen wir nicht, wie die Stoffe den Krankheitsverlauf bei Frauen beeinflussen und welche Nebenwirkungen bei ihnen auftreten können. Zum anderen können wir nicht sagen, welche Intervention zu einer Verbesserung der Erkrankung bei den Weibchen geführt hätte."

Großes Potenzial für die Entwicklung besserer Substanzen bliebe weitgehend ungenutzt, so die Kardiologin Regitz-Zagrosek. Denn Frauen leben im Schnitt fünf Jahre länger. Tierexperimente an weiblichen und männlichen Mäusen konnten zudem zeigen, dass bei weiblichen Tieren ein Herzinfarkt weniger bleibende Schäden am Herzen hinterlässt als bei Männchen. "Frauen scheinen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen biologische Vorteile zu haben. Welche das sind und wie wir diese Erkenntnisse auch für Männer nutzen können, ist ein vielversprechender Ansatz für die Arzneimittelentwicklung", betont die Expertin. Neue Erkenntnisse der geschlechterspezifischen Forschung und Therapie diskutieren Experten auf einer Pressekonferenz im Rahmen des 115. Internistenkongresses der DGIM am Dienstag, den 21. April 2009 in Wiesbaden.

Terminhinweise
Mittwoch, 22. April 2009, 7.00 bis 8.00 Uhr
Tutorial: "Schlagen Frauenherzen anders?"
Halle 4/1 in den Rhein-Main-Hallen Wiesbaden
Referentin: Professor Dr. med. Vera Regitz-Zagrosek

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V.

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Zuletzt geändert am: 23.04.2009