Trotz teils kräftig gestiegenen Honorars sehen sich die rund 140 000 niedergelassenen Ärzte in Deutschland weiter mit Finanzproblemen konfrontiert. «Längst nicht alle Ärzte haben dazugewonnen», sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. «Es gibt auch Verlierer dieser Reform.» Köhler will an diesem Montag die erste bundesweite Bilanz der umstrittenen Honorarreform 2009 vorlegen.
«Die absoluten Zahlen sind besser ausgefallen als erwartet», räumte Köhler ein. «Sie dürfen aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es vor Ort noch viele Probleme gibt, die wir lösen müssen.» Die Reform habe auch zu unerwünschten Verwerfungen geführt. «Die finanzielle Unterdeckung in der ambulanten Versorgung von 30 Prozent ist zudem nur teilweise behoben», kritisierte Köhler. Seit Längerem warnen die Ärzte, dass jede dritte ihrer Leistungen faktisch nicht bezahlt werde.
Der Start der neuen Honorarordnung im Januar veranlasste vor allem die Ärzten in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein zu massiven Protesten, Praxisschließungen und Demonstrationen. Die Ärzte hatten gedacht, dass sie mehr Geld bekämen, fürchteten nach den ersten Informationen aber drastische Einbußen. Erst in den vergangenen Tagen wurde bekannt, dass sie auch in Bayern und am Rhein teils weit mehr Geld im ersten Quartal bekamen als im ersten Quartal 2008.
So erhielten die niedergelassenen Ärzte im Rheinland von Januar bis März 2009 rund 9 Prozent mehr. In Bayern betrug das Honorarplus 3,5 Prozent. Auch in Westfalen oder Hessen haben ersten Angaben zufolge mehr Ärzte gewonnen als verloren. Schon vorher war klar, dass ostdeutsche Ärzte profitieren würden. In Baden-Württemberg schätzen Kassenvertreter den Verlust auf 3 Prozent bei Zuwächsen für einzelne Gruppen von bis zu 20 Prozent. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ermahnten die Ärzte, im Licht der Zuwächse sämtliche Proteste einzustellen.
Angesichts Kritik an vermeintlich unsachgemäßen Forderungen der Ärzte betonte Köhler, dass auch die Angebote an die Versicherten von der Frage der Ärztebezahlung abhingen: «Letztlich geht es um die Sicherung der wohnortnahen, qualitativ hochwertigen ambulanten Versorgung für unsere Patienten.» Gegen Kritik am System der Kassenärztlichen Vereinigungen, die für das Honorar mitverantwortlich sind, sagte Köhler: «Es hat sich im Übrigen gezeigt, dass die ärztliche Selbstverwaltung funktioniert.»