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   01.10.2009
Gesundheitspolitik    
 

Wirtschaftskrise bedroht Europas Gesundheitssysteme

Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise gefährdet das europäische Gesundheitswesen in seiner Qualität und Funktion. Ohne schnelle und konsequente Gegenmaßnahmen seien negativen Folgen für die Bevölkerung vorprogrammiert. Das betonen Experten heute, Mittwoch, bei der Eröffnungskonferenz des 12. European Health Forum Gastein (EHFG) , dem wichtigsten Kongress für Gesundheitspolitik für Entscheidungsträger und Experten in Europa.


Dass die Krise die Krankenkassen und ihre Einnahmen in Mitleidenschaft zieht, geht laut Günther Leiner, Präsident des EHFG, auf die Finanzprobleme der Staaten und die steigende Arbeitslosigkeit zurück. Führe dies zum Sinken der Gesundheitsstandards, trage außer der Gesundheit der Bevölkerung auch die gesamte Wirtschaft den Schaden. "Mittelfristig würde das zu mehr Krankenständen, zu krankheitsbedingten Frühpensionen und zu schlechterer Arbeitsleistung führen. Eine exzellente öffentliche Gesundheitsversorgung für alle ist daher nicht nur ethisch unverzichtbar, sondern auch eine Investition in den Wirtschaftsstandort", so der Forumspräsident. Kürzungen der Leistungen könne man allerdings nur durch Reformen, Einsparungen und Effizienzsteigerungen des Gesundheitssystems verhindern, die ohnehin längst überfällig seien.

Die Auswirkungen der Krise gehen jedoch weit über die Finanzprobleme der Krankenkassen hinaus. Experten zufolge wird gesundheitsschädliches Verhalten wie Rauchen, Alkoholmissbrauch und ungesunde Ernährung weiter ansteigen. Weiters könnten stressbedingte Krankheiten und Depressionen zunehmen, da viele Haushalte schwierige wirtschaftliche Situationen durchlaufen und die Arbeitslosigkeit steigt. Gefährdet sind von der Krise vor allem Einkommensschwache und Verletzliche. "16 Prozent der EU-Bevölkerung sind bereits armutsgefährdet", so Nata Menabde vom WHO-Regionalbüro für Europa. Es gelte, die 2008 in Tallin vereinbarte Charta umzusetzen, die neben Solidarität, Fairness und Teilhabe den Schutz für besonders Gefährdete, eine Konzentration auf wirksame Maßnahmen und die Umsetzung der Wirtschaftlichkeit bei Investitionen, Ausgaben und Beschäftigung betont.

Robert Madelin, der EU-Generaldirektor für Gesundheit und Verbraucher, hält angesichts dieser Herausforderungen die stärkere europäische und internationale Zusammenarbeit für notwendig. "Wir müssen in Gesundheit investieren, uns mehr auf Prävention konzentrieren, gesunden Lebensstil fördern und dynamische und nachhaltige Gesundheitssysteme schaffen. Und wir müssen alles in unserer Macht stehende tun, um Ungleichheiten zu reduzieren und zu unseren fundamentalen Werten stehen". Diese seien die Solidarität, die Menschenrechte und der Schutz der am stärksten Gefährdeten, so Madelin. (pte)


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Zuletzt geändert am: 01.10.2009