zur Startseite

 
  Fr, 24.05.13 - 11:11
 Aktuelle Infos für Ärzte
 Gesundheitspolitik
 Schwerpunktthema
 Online CME
 Videofortbildung
 Praxismanagement
 Kongresskalender
 Archiv
 

Artikelselektion nach:
 Erweiterte Suche
 
 
 Praxis-Service
 Nützliche Links
 Newsletter-Abo
 Kontakt
 Download
 Datenschutz
 Impressum
 Home
   14.10.2009
Infos für Ärzte    
 

Intravenöse Eisentherapie als mögliche Behandlungsoption bei RLS

In einer aktuellen Studie von Grote et al. konnte nun erstmals in einer relevanten Population nachgewiesen werden, dass die Korrektur eines Eisenmangels bei einem Restless-Legs-Syndrom (RLS) durch eine intravenöse (i.v.) Eisengabe effektiv und verträglich ist.1 Damit konnte gezeigt werden, dass Eisen, neben seiner bedeutenden Rolle in der Erythropoese, auch einen großen Einfluss auf neuronale Prozesse hat: Unter anderem ist das Spurenelement für die Neurotransmitter-Synthese essenziell. Als Zentralatom der Tyrosinhydroxylase ist Eisen maßgeblich für die Dopamin-Synthese verantwortlich. Es liegt daher nahe, dass Dopamin-assoziierte psychiatrische oder neurologische Erkrankungen, wie z.B. RLS, mit einem Eisenmangel einhergehen. Die Symptomausprägung scheint mit der Höhe des Eisendefizites zu korrelieren. Bisher konnte die Wirksamkeit einer Eisenkorrektur nur in kleineren Studien nachgewiesen werden, mit durchaus positiven Tendenzen. Dies hat dazu geführt, dass die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) bei RLS bereits eine Eisengabe bei Serum-Ferritin-Werten unterhalb von 50 μg/l empfehlen.


Ein Eisenmangel kann zu erheblichen Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit oder zu neuronalen Komplikationen führen. Die Ursache ist unter anderem die verminderte Sauerstoffversorgung des zerebralen Gewebes aufgrund einer Anämie. Viel wichtiger ist jedoch der Umstand, dass es schon zu kognitiven Einschränkungen kommt, bevor die Erythropoese überhaupt eisendefizitär wird. Dies bedeutet, dass bereits entleerte Eisenspeicher die neuronalen Prozesse beeinflussen können. (2,3) Als Zentralatom der Tyrosinhydroxylase ist Eisen beispielsweise an der Biosynthese von Dopamin beteiligt und zeigt im Gehirn die gleiche Verteilung wie der Neurotransmitter. Psychiatrische und neurologische Erkrankungen wie z. B. RLS sind mit einem Dopamin-Ungleichgewicht assoziiert. Es liegt daher nahe, dass ein hoher Anteil der entsprechenden Patienten einen Eisenmangel aufweist. (4,5)

Das RLS zählt mit einer altersabhängigen Prävalenz von 3–10% zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen und führt zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität. In etwa der Hälfte der Fälle wird sie familiär vererbt (= idiopathische Form). (6 ) Andere Patienten, die die gleiche Veranlagung besitzen, erkranken trotzdem erst dann, wenn zusätzliche Faktoren hinzukommen (= symptomatische Form). Beispielsweise zeigen über 40% der Patienten mit einem Eisenmangel eine RLS-Symptomatik. Es ist auch bekannt, dass Blutspender, Frauen am Ende der Schwangerschaft und Patienten im Endstadium einer Niereninsuffizienz häufiger unter RLS leiden. Alle diese Patienten haben auch ein erhöhtes Risiko für einen Eisenmangel. Eisen scheint daher einen Einfluss auf die RLS-Symptomatik zu haben. Bei Untersuchungen an kleinen Patientengruppen konnte gezeigt werden, dass die Menge an Eisen im Gehirn von RLS-Patienten erniedrigt ist. (7)

Eine Untersuchung des Eisenspeichers ist daher bei RLS-Patienten dringend zu empfehlen, da ein Eisenmangel als möglicher Auslöser der Symptomatik leicht zu behandeln ist. Das Serum-Ferritin sollte laut den Leitlinien der DGN mindestens 50 ng/ml betragen, mehr als in den meisten Labors als unterer Normwert angegeben wird.8 Sinkt der Eisenspeicher unter diesen Wert, wird eine Eisensubstitution empfohlen.


Klinische Daten zur Korrektur der RLS-Symptomatik mit i.v. Eisen

Durch eine intravenöse Eisensubstitution können die RLS-Symptome signifikant verringert werden. In der Studie von Sun et al. zeigten 26 von 27 RLS-Patienten einen erniedrigten Serrum-Ferritin-Spiegel. (9) Die Ausprägung der RLS-Symptomatik korrelierte dabei mit dem Grad der Speicherentleerung. Sogar bei einem normalen Eisenspiegel kann eine Substitution einen therapeutischen Effekt hervorrufen. Leissner et al. konnten in einer randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Multicenter-Studie zeigen, dass eine intravenöse Eisengabe zu positiven Langzeiteffekten führen kann.10 Unter Behandlung mit Eisensucrose (Venofer®) fiel der IRLS-Score (International RLS Severity Scale Score) innerhalb von sieben Wochen durchschnittlich von 24 (Baseline) auf 12 Punkte (Placebo von 26 auf 20 Punkte). Die Eisensubstitution wurde gut von den Patienten toleriert. Diese Ergebnisse bestätigten sich, als die Studie wie geplant abgeschlossen wurde. (1) Im Rahmen einer doppelblinden, randomisierten, Multicenter-Studie wurden 60 RLS-Patienten mit moderatem Eisenmangel mit 1000 mg Eisensucrose (n = 29) oder Placebo (n = 31) behandelt. Der durchschnittliche IRLS-Score sank in der Eisensucrose-Gruppe nach elf Wochen von 24 auf 7 Punkte und in der Placebo-Gruppe von 26 auf 17 Punkte. Zusätzlich wurde beobachtet, dass die RLS-Symptomatik durch die Eisengabe sowohl in der akuten Phase (7 Wochen) als auch während des Follow-up (12 Monate) signifikant besser reduziert wurde, als unter Placebo. Die Eisensucrose wurde von den Patienten gut toleriert.


Sicherheit und Wirksamkeit von Ferinject®

Die Ergebnisse der genannten Studien deuten daraufhin, dass die intravenöse Eisengabe eine gut verträgliche Behandlungsoption für RLS-Patienten darstellen kann. Diese Aussage muss jedoch noch durch größere Patientenkollektive und entsprechende Studiendesigns weiter untermauert werden. Mit Ferinject® steht eine parenterale Eisentherapie für Patienten zur Verfügung, die aufgrund des dextranfreien und hochstabilen Kohlenhydrat-Eisen-Komplexes ohne vorherige Testdosis als Infusion von bis zu 1000 mg über mindestens 15 Minuten (maximal 1000 mg/Woche) infundiert oder 200 mg per Bolusinjektion pro Tag appliziert (maximal 3 x 200 mg/Woche) werden kann. In einer Meta-Analyse der Zulassungsstudien, in denen über 2000 Patienten mit Ferinject® und über 800 Patienten mit oralem Eisensulfat behandelt wurden, konnte gezeigt werden, dass das Nebenwirkungsprofil von Ferinject® weitgehend vergleichbar mit demjenigen von oralem Eisensulfat war11. 88% der Ferinject®-Patienten erhielten mehr als 1000 mg Eisen als Kurzinfusion.

Unter www.eisen-netzwerk.de finden Patienten und Ärzte in getrennten Bereichen umfangreiche Informationen zum Thema Eisen und Eisenmangel.

1 Grote et al., Mov Disord, 2009;24(10):1445-52
2 Cortese et al., Med Hypotheses. 2008;70(6):1128-32. Epub 2007 Dec 27.
3 Agarwal, American Journal of Nephrology; 2007, 27, 565-571
4 Earley et al., Neurosci Res 2000;62:623–8.
5 Allen, Sleep Med, 2004;5(4): 385-91
6 Bornstein, Psychiat Neurol 1961;141:165–201.
7 Allen et al., Mov Disord, 2007; Vol. 22, Suppl. 18:S440–S448
8 Kotagal et al., Ann Neurol 2004; 56: 803–807
9 Sun et al, Sleep, 1998 ;21(4):371-7.
10 Leissner et al., Poster, 12th ECCN Congress, Stockholm 2005
11 Qunibi et al., Poster EDTA 2008 (MP383)

Quelle: Vifor Pharma

Beitrag bewerten (nach Schulnoten):
1 2 3 4 5 6
1 = sehr gut ... 6 = ungenügend
Stichwortsuche:
   RLS Anämie>>
Weitere Artikel zu diesem Thema:
   Phase IIa-Studie mit Anti-Hepcidin Spiegelmer NOX-H94 zur Anämie der chronischen Erkrankung (07.12.2012)
   Restless Legs Syndrom – häufige Folge eines Eisenmangels (07.08.2012)
   Aktuelle Praxisstudie zu Rotigotin bei Restless-Legs-Syndrom (18.07.2012)
   Tumoranämie-Register: antianämische Therapiestrategien bei Krebspatienten (15.05.2012)
   Restless-Legs-Syndrom: Ein besseres Leben ist möglich (04.10.2011)
   Mit Darbepoetin alfa werden optimale Hb-Zielwerte dauerhaft stabil erreicht (01/07)
   Renale Anämie: Lebenserwartung steigt mit Hb-Wert (04/06)

Zuletzt geändert am: 14.10.2009