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   21.01.2010
Gesundheitspolitik    
 

DGHO kritisiert die Vertagung der Entscheidung über eine Vertragsverlängerung von IQWiG-Chef

Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V. hat die Arbeit des Leiters des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Prof. Peter Sawicki, schon häufig kritisiert. Der Vorstand der Fachgesellschaft ist erstaunt, dass nicht schon heute entschieden worden ist, den Vertrag mit Sawicki nicht zu verlängern.
Die Fachgesellschaft hatte in der Vergangenheit schon zahlreiche Studien und Berichte des IQWiG kritisiert, zuletzt die falschen Aussagen des Instituts zum angeblichen Krebsrisiko eines Diabetesmedikaments. Die fehlerhafte Datenanalyse wird auch in der neuen Ausgabe der Zeitschrift «The Oncologist» massiv gerügt. „Trotzdem hat Sawicki seine Position uneinsichtig über die Medien verbreitet und Patienten sowie Ärzte verunsichert“, so Prof. Gerhard Ehninger, Vorsitzender der DGHO und Direktor am Universitätsklinikum Dresden. Der Versuch des IQWiG-Chefs, sich im Vorfeld der heutigen IQWiG-Vorstandssitzung in einer öffentlichen Kampagne zum „edlen Ritter“ im Kampf gegen die Pharmaindustrie stilisieren zu lassen, sei offensichtlich erfolgreich gewesen. Anscheinend sollte so von aktuellen Nachforschungen über falsche Abrechnungen im Institut abgelenkt werden.

„Wenn eine Kassiererin im Supermarkt wegen eines unterschlagenen Euros entlassen wird, wie viel darf sich dann der Leiter des IQWiG erlauben?“, fragt Ehninger. „Nicht genug, dass seine Vetternwirtschaft vor zwei Jahren mit Auftragserteilungen an seine Gattin bereits gerügt worden ist. Jetzt konnte er zudem unerlaubt zwei Dienstwagen über das Institut bestellen und sich dann auch noch fehlerhafte Tankrechnungen bezahlen lassen", so Ehninger weiter. „Es ist nun dringend an der Zeit, dass dieses wichtige Institut von einem Experten geleitet wird, der ein anerkannter Vertreter der evidenzbasierten Medizin ist und diese Methodik nicht für seine eigene Interessen missbraucht“, sagt der DGHOVorsitzende. Auch die Fachgesellschaft sieht die Notwendigkeit, die Wirksamkeit von Arzneimitteln und Behandlungsmethoden zu bewerten sowie die Preisgestaltung für Arzneimittel in Deutschland kritisch zu betrachten. „So schlagenwir schon lange vor, dass Medikamente drei bis fünf Jahre nach Zulassung von Expertengremien in einer Listung gereiht werden – von hoher Innovation und Erweiterung der therapeutischen Möglichkeiten bis zum Flopp“, erläutert Pressemitteilung der DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V. Ehninger weiter. „Die Kostenerstattung sollte sich dann nach dieser Reihung richten. Ebenso sollten Indikationserweiterungen einen Einfluss auf die Arzneimittelpreise haben.“

Die ungelösten Fragen der Arzneimittelbewertung und Preisgestaltung in Deutschland zeigen aber, dass es mit der Ablösung von Sawicki als Leiter des IQWiG nicht getan wäre. Weiterhin müssen die Methoden des Instituts einer kritischen Prüfung unterzogen werden. Darüber hinaus müssen dringend Mittel bereitgestellt und eine Infrastruktur geschaffen werden für unabhängige klinische Studien, die die dringend notwendige Basis für eine sinnvolle Bewertung von Arzneimitteln darstellen.

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Zuletzt geändert am: 21.01.2010