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   11.03.2010
Gesundheitspolitik    
 
Aufwändige Verschlüsselung von Diagnosen geplant: Noch mehr Bürokratie für die Arztpraxen

Krankenkassen und Kassenärztliche Selbstverwaltung wollen die Häufigkeit von Krankheiten und damit den bundesweiten Versorgungsbedarf im ambulanten Bereich durch eine neues Verschlüsselungssystem der Diagnosen transparent machen. Was im Kern ein guter Gedanke ist, entpuppt sich bei der Umsetzung jedoch als ein bürokratisches Monstrum, das unter erheblichem Aufwand allein von den niedergelassenen Ärzten geschultert werden soll.


"Wir müssen den Teufelskreis durchbrechen, in dem immer mehr Anforderungen des Gesundheitswesens ohne entsprechende Finanzierung nur auf Kosten der Ärzte geplant werden", betont Dr. Franz Josef Heil vom Berufsverband der niedergelassenen Gastroenterologen (bng). "Es kann nicht sein, dass von Fachärzten erwartet wird, im Rahmen der sowieso schon in vielen Bereichen defizitären Vergütung zusätzlich ein teures, ausgesprochen kompliziertes und personalintensives Kodierungssystem in den Praxen einzuführen."

Eine Verschlüsselung der Diagnosen hätte natürlich klare Vorteile. Die wegen der demografischen Entwicklung steigende Häufigkeit bestimmter Erkrankungen würde dokumentiert und die derzeitige Mangelversorgung träte offensichtlich zu Tage. Aufgrund der politisch gewollten Budgetierung der ärztlichen Leistungen besteht allerdings kein Spielraum, daran etwas zu ändern. Die erst jüngst von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler unterbundene Rationierungsdebatte wäre nicht mehr aufzuhalten.

Die niedergelassenen Gastroenterologen lehnen daher die Verschlüsselung von Diagnosen nicht aus inhaltlichen Gründen ab. "Die dahinter stehende Idee ist an sich sinnvoll", erklärt Dr. Heil, "aber die Umsetzung ist im Praxisalltag wegen des erheblichen zeitlichen, personellen und finanziellen Aufwands nicht durchführbar. Über eine solche Neuregelung kann erst weiter nachgedacht werden, wenn die Vergütung der niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzte wieder überall ein angemessenes Niveau erreicht hat. Wir fordern daher Krankenkassen und Kassenärztliche Bundesvereinigung auf, auf diese Maßnahme zurzeit komplett zu verzichten."

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Zuletzt geändert am: 11.03.2010