Cinacalcet scheint Koronarkalkbildung bei Dialysepatienten mit chronischer Nierenkrankheit und sekundärem Hyperparathyreodismus zu verlangsamen
Unter dem Calcimimetikum Cinacalcet kombiniert mit Vitamin D zeichnete sich eine Verlangsamung der vaskulären Kalzifizierung bei Patienten mit dialysepflichtiger, chronischer Nierenkrankheit und sekundärem Hyperparathyreoidismus ab im Vergleich zur alleinigen Vitamin-D-Therapie. Dies ist das Ergebnis der Studie ADVANCE (A randomizeD VAscular calcificatioN study to evaluate the effects of CinacalcEt), die auf dem diesjährigen Jahreskongress der ERA-EDTA in München präsentiert wurde.
In die ADVANCE-Studie waren 360 Patienten mit dialysepflichtiger, chronischer Nierenkrankheit und sekundärem Hyperparathyreodismus (sHPT) eingeschlossen, welche randomisiert entweder Cinacalcet plus niedrig dosiertes Vitamin D oder eine flexible Vitamin D-Therapie erhielten (1). Zu Beginn der Studie war bei allen Patienten Koronarkalk (coronary artery calcification = CAC) nachgewiesen worden (CAC-Score ≥ 30).
Primärer Endpunkt der Studie war die prozentuale Veränderung im CAC-Agatston-Score, mit dem die Kalzifikation der Koronararterien quantifiziert wurde. Gemessen wurde die Kalzifikation mittels Elektronenstrahltomographie.
Bis zur 52. Untersuchungswoche stieg der CAC-Score in der Cinacalcet-Gruppe um 24% und in der Vitamin D-Gruppe um 31% (p=0,073).
Eine zusätzliche Analyse untersuchte den Koronarkalk mittels Mehrschich-CT-Verfahren und die koronare Verkalkungen wurden mittels Volumen-Scores quantifiziert. Hier konnte gezeigt werden, dass Cinacalcet plus niedrig dosiertem Vitamin D die Progression der Verkalkung signifikant besser verlangsamt als Vitamin D alleine (22% vs. 30%; p=0,009).
„Auch wenn im primären Endpunkt keine statistische Signifikanz erzielt wurde, erhärten die ADVANCE-Resultate jedoch die Hypothese, dass eine Behandlung mit Cinacalcet und niedrigdosiertem Vitamin D das Fortschreiten einer Kalzifizierung bei Dialysepatienten mit sHPT verlangsamen kann“, so Professor Paolo Raggi von der Emory University School of Medicine, Atlanta, auf dem Jahreskongress 2010 der ERA-EDTA in München. Eine zusätzliche Auswertung der Kalzium-Serumwerte zeigte, dass sich diese unter Cinacalcet um 0,51 mg/dl verringerten, während sie im Vitamin D-Arm um 0,17 mg/dl anstiegen (p<0,001). Unerwünschte Ereignisse kamen in beiden Behandlungsarmen ähnlich häufig vor.
Die derzeit noch laufende, randomisierte und plazebokontrollierte EVOLVE-Studie (Evaluation Of Cinacalcet Therapy to Lower CardioVascular Events™) untersucht ebenfalls die Wirkung von Cinacalcet bei Dialysepatienten im Hinblick auf Mortalität und kardiovaskuläre Ereignisse.
Quelle: Press-Briefing „Pioneering Science in Chronic Kidney Disease Management“ im Rahmen des Jahreskongresses der European Renal Association and European Dialysis And Transplant Association (ERA-EDTA). München, 25. Juni 2010.
Veranstalter: Amgen
Literatur:
1: Raggi P, Chertow G, et al.: The effects of cinacalcet plus low-dose vitamin D on cardiac valve calcification in hemodialysis patients with secondary hyperparathyroidism. Data presented at ERA-EDTA, 25-28 June Munich 2010.