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Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen gewinnt weiter an Bedeutung – ist es doch ein entscheidendes Instrument dafür, die medizinische Versorgung trotz engen Kostenkorsetts stetig zu verbessern. "Gerade vor dem Hintergrund knapper werdender Kassen steht der Erhalt der Gesundheit immer stärker im Fokus. Angesichts des Kostendrucks im Gesundheitswesen ist daher eine Debatte über mehr Qualität bei der Behandlung unumgänglich", erklärte Ernst Thiel, Leiter der Techniker Krankenkasse (TK) Landesvertretung Niedersachsen anlässlich einer Fachtagung heute in Hannover.
Wie wird die Qualität im Gesundheitswesen gelebt, gemessen und von den Patienten wahrgenommen? Wie kann die Qualität gesteigert werden und ist sie objektiv darstellbar? Diese und weitere Fragen wurden auf der Veranstaltung "Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen" der TK, der Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin sowie der Ärztekammer Niedersachsen diskutiert.
Fast alle Menschen benötigen im Verlauf ihres Lebens die Gesundheitsversorgung. Wenn das der Fall ist, müssen sie auf eine hohe Qualität vertrauen dürfen. Die Aufgabe, eine hohe Qualität zu gewährleisten, ist aber komplex und richtet sich an viele Beteiligte. Vom Staat über die ärztlichen Standes- und Berufsorganisationen bis zu den Partnern der gemeinsamen Selbstverwaltung und den Krankenkassen.
"In gewisser Weise ähnelt die Situation im deutschen Gesundheitswesen teilweise einem kindlichen Fußballspiel. Das Zusammenspiel fehlt häufig! Zwischen der Behandlung durch den Arzt über die akut stationäre Versorgung in der Klinik bis hin zur Rehabilitation. Die Sektoren agieren getrennt voneinander. Mehr noch – unter den Bedingungen der sektoralen Trennung versuchen einige Leistungserbringer einen möglichst hohen Anteil an Leistungen wie auch einen entsprechend hohen Vergütungsanteil auf sich zu vereinen. Sie stehen im Prinzip im Wettbewerb zueinander. Hier müssen wir verstärkt ansetzen", so Dr. Sabine Voermans von der TK.
Krankenkassen nehmen in diesem Prozess eine immer stärker wachsende Rolle ein. "Sie sind Agenten ihrer Versicherten und bestimmen über ihre Beteiligung an gemeinsamen oder auch durch einzeln geführte Vertragsverhandlungen in quantitativer und qualitativer Hinsicht die Konditionen, unter denen Leistungserbringer tätig werden", erklärt Thomas Ballast, Vorsitzender des Verbandes der Ersatzkassen e.V. (vdek). Dadurch müssen sich Patienten im Krankheitsfall nicht auch noch darum sorgen, ob der Leistungserbringer genug verdient und ob die Qualität stimmt oder nicht. Andererseits ist es nützlich, Qualität als Parameter für den Patienten bei der Auswahlentscheidung zu Gunsten eines bestimmten Leistungserbringers verfügbar zu machen. Damit wird Qualität zu einem Wettbewerbsfaktor. "Dies gelingt aber wiederum nur dann, wenn Qualität transparent gemacht werden kann und darf", forderte Ballast.
"Das vom Wettbewerbsgedanken geprägte deutsche Gesundheitswesen erfordert von der Ärzteschaft eine Patientenversorgung auf qualitativ höchstmöglichem Niveau mit kontinuierlicher Verbesserung. Dieses erfordert aber auch eine Darlegung, wie gut die erbrachte Leistung tatsächlich ist sowie die Darlegung, mit welchem Engagement sich die Ärzteschaft dafür einsetzt, dass die Versorgungsqualität und Sicherheit der Patienten gewährleistet bleibt. Gesetzlich vorgeschriebene Maßnahmen der Qualitätssicherung werden am ehestens von der Ärzteschaft akzeptiert, wenn sie einen unmittelbar erkennbaren Nutzen für die eigene Berufsausübung zeigen", betonte Dr. Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen.
Auch moderne Kommunikations- und Informationstechnologien können einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Versorgungsqualität leisten. "Mit einem Telemonitoring können zum Beispiel Patienten mit einer Herzschwäche zu Hause besser betreut werden, bedrohliche Krisen werden rechtzeitig erkannt, Krankenhauseinweisungen können vermieden werden. Allerdings weisen viele technische Innovationen eine Ambivalenz auf, dass heißt sie bieten – auch bei sachgerechtem Einsatz-Chancen und Risiken für die Patienten. Erforderlich ist deshalb eine sorgfältige Evaluierung der Systeme, die neben ethischen Überlegungen vor allem auch die Perspektive der Patienten berücksichtigt", erklärte Professor Georg Marckmann von der Universität Tübingen.
Nach Aussage von Professor Ulla Walter von der Medizinischen Hochschule Hannover, trägt Qualität in der Prävention dazu bei, Maßnahmen adäquat zu gestalten, in die Praxis umzusetzen und Zielgruppen tatsächlich zu erreichen. "Eine fundierte Planung und zielgruppenspezifische Umsetzung ist wesentlich für den Erfolg. In den vergangenen zehn Jahren sind in Deutschland deutliche Schritte zu mehr Qualität in der Prävention zu verzeichnen. Von der flächendeckenden Umsetzung und breiten Präventionsforschung sind wir allerdings noch weit entfernt. Hierzu bedarf es weiterer Anstrengung und einer stärkeren Prioritätensetzung im Gesundheitswesen", so Walter.
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