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   23.02.2012
Gesundheitspolitik    
 

Schlaganfall hinterlässt oft Essprobleme – Jeder Zweite isst drei Monate später noch immer zu wenig

In der Akutphase nach einem Schlaganfall haben fast alle Patienten Probleme damit, Nahrung auf gewohnte Weise zu sich zu nehmen. Doch auch drei Monate nach dem Vorfall, wenn die meisten Betroffenen längst wieder zuhause wohnen und die körperlichen Symptome in der Regel großteils abgeklungen sind, besteht das Essproblem bei jedem Zweiten fort. Das Risiko einer Mangelernährung darf man nach Schlaganfall nicht aus den Augen verlieren, warnen Forscher vom Karolinska-Institut http://ki.se im "Journal of Advanced Nursing".


Essen bleibt schwierig

Die schwedischen Wissenschaftler überprüften das Befinden von 36 Schlaganfall-Patienten fünf Tage nach einem Schlaganfall im Spital sowie bei einer Folgeuntersuchung drei Monate später. Bei der Spitalsuntersuchung stellten die Forscher bei 78 Prozent Essprobleme fest, allen voran durch verringerte Sensibilität und aufgrund von Schluckstörungen. Die Untersuchten waren zwischen 40 und 85 Jahre alt und lebten zu 92 Prozent noch im eigenen Haus. Jeder Vierte von ihnen hatte bereits mehrere Schlaganfälle hinter sich.

Als bedenklich sieht Studienleiter Jorgen Medin vor allem, dass derartige Problem nach drei Monaten häufig auftraten und sich teils verstärkt hatten. Am ehesten verschwanden Schwierigkeiten mit der Sitzposition, beim Umgang mit dem Essen auf dem Teller, beim Mundöffnen und -schließen sowie beim Kauen. Zwar sank der Anteil jener, die als "von Mangelernährung gefährdet" eingestuft wurden, von 78 auf 56 Prozent, die Rate an Schluckstörungen blieb mit 33 Prozent jedoch gleich. Zudem verschlechterte sich die Ernährungsqualität.

Wachsames Auge nötig

"Bei manchen gab es also eine Besserung, bei vielen jedoch nicht, und oftmals verschlechterte sich die Ernährung in den drei Monaten sogar", so Medin. Um Mangelernährung vorzubeugen, sollten Angehörige sowie Gesundheitsbedienstete das Ernährungsthema nach einem Schlaganfall gezielt im Auge behalten. Denn zu wenig Ernährung sorgt besonders für alte und kranke Menschen zu einer kürzeren Lebenserwartung, höherer Krankheitsanfälligkeit und zu einer schlechteren Reaktion auf Medikamente (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/20111019004 ).

Martin Grond von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft http://dsg-info.de vermutet eine Verbindung zur psychologischen Gesamtsituation. "Nach Schlaganfällen zeigen sich bei den Patienten häufig depressive Störungen mit Verminderung des Antriebs und des allgemeinen Interesses, möglicherweise auch mit einer gewissen Vernachlässigung. Das dürfte zur Ernährungssituation wesentlich beitragen", so der Neurologe im pressetext-Interview. Laut Studien leidet jeder Dritte nach dem Schlaganfall an Angstzuständen oder Depressionen (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/20110530022 ).

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Zuletzt geändert am: 23.02.2012