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   02.03.2012
Gesundheitspolitik    
 

Rentenexperte: Arbeiten bis 69 oder 70

Die Menschen in Deutschland werden nach Einschätzung eines Rentenexperten künftig bis zum Alter von 69 oder 70 Jahren arbeiten müssen. «In Deutschland geht die Debatte im Moment schon über die Rente mit 67 hinaus beim Blick in die Zukunft», sagte Klaus-Dieter Sohn, Fachbereichsleiter Beschäftigungs- und Sozialpolitik am Centrum für Europäische Politik (CEP) in Freiburg, im Gespräch mit dpa Insight EU. «Im Moment geht man davon aus, dass wir in Deutschland eher von 69 Jahren reden, vielleicht sogar über 70 Jahre.» Dies sei allerdings schwer vorherzusagen.


Mitte Februar hatte die EU-Kommission Pläne vorgestellt, wonach das Renteneintrittsalter in den Mitgliedstaaten steigen soll. Der Rentenbeginn soll demnach künftig an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden. Gleichzeitig sollen die Möglichkeiten der Frühverrentung eingeschränkt werden.

Rentenexperte Sohn regte an, vom «Senioritätsprinzip» zum «lebensphasenorientierten System» überzugehen - also jungen Menschen in der Zeit der Familiengründung mehr Lohn zu geben. «Aber wenn die Kinder aus dem Haus sind und man nicht mehr so viel Geld zum Leben braucht, könnten die Gehälter eventuell wieder etwas reduziert werden. Das macht es dann auch wieder interessant für Arbeitgeber, auch ältere Arbeitnehmer in Lohn und Brot zu halten.»

Der Experte gab zu: «Das stößt im Moment noch auf sehr großen Widerstand seitens der Gewerkschaften, zumindest nach außen.» Er verwies jedoch auf moderne Arbeitszeitmodelle und forderte, auch auf die Sozialpartner auf Arbeitnehmerseite zuzugehen und klarzumachen, «dass möglicherweise die bisherigen Systeme der Besoldung in den Tarifverträgen nicht mehr zeitgemäß sind».

Sohn bezeichnete den Vorschlag der EU-Kommission als «eine unabdingbare Maßnahme, wenn wir die Renten auf einem vernünftigen Niveau stabil halten wollen.» Er betonte: «Wir müssen mit weniger Menschen in einer unverändert langen Erwerbsphase die immer länger werdende Rentenphase anderer Menschen finanzieren. Das macht es so schwierig.»

Sohn räumte ein, es gebe Berufsgruppen, denen längere Arbeitszeiten bis zur Rente kaum zuzumuten seien. Er regte an, Modelle zu entwickeln, um Menschen im Laufe ihres Berufslebens umzuqualifizieren. «Uns gehen die Fachkräfte aus, wir sind sowieso gezwungen, die älteren Arbeitnehmer künftig viel mehr in den Betrieben zu halten und altersgerechte Arbeitsplätze einzurichten.»

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Zuletzt geändert am: 02.03.2012