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   01.03.2004
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Adipositas-Therapie: Experten raten zur Step-down-Strategie mit Orlistat

Die unterstützende Einnahme eines Antiadipositums ist ein zentraler Baustein in multimodalen Ansätzen zur Adipositas-Therapie. Zahlreiche klinische Studien und praktische Erfahrungen zeigen, dass die Basistherapie alleine meist nicht den medizinisch notwendigen Effekt erzielt. Daher sollte zumindest Patienten, die bereits versucht haben ihr Gewicht zu reduzieren, initial ein Antiadipositum angeboten werden, betonten Experten im Rahmen der Adipositas-3-Länder-Jahrestagung in Salzburg.


Im Sinne einer Step-down-Strategie kann anschließend überprüft werden, über welchen Zeitraum die medikamentöse Therapie erforderlich ist. Ein Antiadipositum das im Rahmen professioneller Therapieprogramme sehr gute anhaltende Erfolge erzielt, ist Orlistat (Xenical®). Die Substanz hat zuletzt durch die multi-zentrische XENDOS-Studie für Aufsehen gesorgt, bei der erstmals für ein Antiadipositum eine signifikante Senkung des Diabetes-Risikos nachgewiesen wurde.
 

Hauptfehler der Therapie: Verzicht auf Antiadiposita
 
Die fettreduzierte Ernährung und die moderate Steigerung der körperlichen Aktivität sind wichtige Module der Adipositas-Therapie. In Hinblick auf ihren gewichtssenkenden Effekt wird ihre Wirksamkeit aber häufig überschätzt, erklärte Professor Dr. Alfred Wirth, Vorsitzender der Deutschen Adipositas-Gesellschaft und Chefarzt der Teutoburger-Wald-Klinik, Bad Rothenfelde. So trägt etwa körperliche Aktivität auch bei hohem Aufwand kaum zur Gewichtsabnahme bei: Um Gewicht abzubauen müssten Adipositas-Patienten wöchentlich fünf Stunden aktiv sein. Auch die Normalisierung des Fettkonsums reicht als isolierte Maßnahme nicht aus, wenngleich hier mit einer Gewichtsreduktion von drei bis vier Kilogramm gerechnet werden darf. In Verbindung mit unrealistischen Therapiezielen sind die ausschließliche Verordnung fettarmer Kost und der Verzicht auf die medikamentöse Therapie „Hauptfehler der Adipositas-Therapie,“ resümierte Wirth.
 

XENDOS: Orlistat weist Diabetes-präventiven Effekt nach
 
Der hohe klinische Stellenwert des Antiadipositums Orlistat ist durch randomisierte klinische Studien mit mehr als 30.000 Patienten umfassend dokumentiert. Im Fokus der Aufmerksamkeit steht derzeit die groß angelegte XENDOS-Studie, bei der mehr als 3.300 adipöse Patienten Orlistat vier Jahre lang zusätzlich zu einer Lifestyle-Modifikation einnahmen. Die zusätzliche Pharmakotherapie hat hier das Ausgangsgewicht der Patienten hoch signifikant stärker gesenkt als die alleinige Lifestyle-Modifikation (6,9 versus 4,1 Kilogramm, p  < 0,0001), erklärte Professor Dr. Monika Lechleitner, Universitätsklinik Innsbruck. Zudem wurde durch XENDOS erstmals gezeigt, dass sich ein Diabetes-präventiver Effekt nach intensiver Lebensstiländerung durch die Einnahme eines Antiadipositums deutlich verbessern lässt. Patienten, die zu Studienbeginn bereits eine Glukosetoleranzstörung hatten, reduzierten ihr Diabetes-Risiko durch die zusätzliche Einnahme von Orlistat um 52%, sagte Lechleitner. Das Besondere an der Studie war, dass es eine Plazebo-Gruppe im eigentlichen Sinn nicht gab, da bei den Patienten in beiden Studien-Armen eine intensive Änderung des Lebensstils angeregt wurde. Durch die Therapie mit Orlistat wurde somit ein gutes Präventionsergebnis noch weiter verbessert.
 

Step-down-Strategie

Dass mit der Empfehlung zur Orlistat-Therapie in der Praxis nicht zu lange gezögert werden sollte, berichtete Dr. Frank Molter, Zella-Mehlis. Nach den Erfahrungen des Allgemeinmediziners erzielt eine multimodale Therapie, in die Orlistat früh integriert wird, deutlich bessere Behandlungsergebnisse als die stufenweise Ausweitung der Optionen. Dabei spielt eine Rolle, dass Patienten, die mehrfach eine Gewichtsreduktion versucht haben, mit Ratschlägen zur Lifestyle-Modifikation kaum zu erreichen sind. Eine Therapie, die den Behandlungserfolg verstärkt, motiviert die Patienten zusätzlich, trägt dadurch zur Compliance bei und begünstigt die dauerhafte Verhaltensumstellung, sagte Molter. Entsprechend unterbreitet er therapiewilligen Patienten das Angebot, die Basistherapie von Behandlungsbeginn an um das Antiadipositum zu ergänzen. Das Konzept sieht eine 32-wöchige Therapie mit einem ausführlichen Einzelgespräch und acht zehnminütigen Folgekonsultationen vor, die nach den GOÄ-Ziffern Nr. 34, 5 und 1 als individuelle Gesundheitsleistung abgerechnet werden. Das vereinbarte Therapieziel wird anhand persönlicher Wochenprotokolle besprochen, in die der Patient den Fettkonsum, seine körperliche Aktivität und die Einnahme des Antiadipositums notiert.
 
Diese Form der „Kontrolle“ erleichtert vielen Patienten die Therapie, erklärte Dr. Molter. Von 54 Patienten, die in seiner Praxis eine solche Einzeltherapie begonnen haben, befinden sich derzeit noch zehn Patienten im Programm. Insgesamt 28 Patienten haben das Programm vollständig abgeschlossen und eine mittlere Senkung ihres Ausgangsgewichts von 103 Kilogramm um durchschnittlich 12,3 Kilogramm erreicht. Der mittlere BMI war von 36,9 auf 32,5 kg/m2 reduziert. Orlistat wurde für diesen Therapieerfolg durchschnittlich 21,4 Wochen lang eingenommen. Als günstig stuft Molter ein, dass lediglich 16 Patienten die Einzeltherapie vorzeitig, d. h. nach durchschnittlich 19 Wochen beendet haben. Auch diese Patienten haben von der Therapie durch eine relevante Absenkung des Ausgangsgewichtes um 5,8 Kilogramm profitiert.


 
 

Quelle: Satelliten-Symposium „Metabolisches Syndrom: Adipositas und Diabetes“ im Rahmen der Adipositas-3-Länder-Jahrestagung in Salzburg; Hoffmann-La Roche

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Zuletzt geändert am: 01.03.2004