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   12.03.2015
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Vermehrt resistente Darmbakterien nach Auslandsaufenthalten

Jeder fünfte Tourist, der in Länder mit mangelhaften Hygienestandards reist, kehrt mit einem multiresistenten - jedoch nicht notwendigerweise krankmachenden - Darmbakterium in die Heimat zurück. Dies ergab eine finnische Studie, die aktuell in der Fachzeitschrift Clinical Infectious Diseases erschienen ist. Das Risiko, dass sich multiresistente Keime im Darm ansiedelten, stieg bis auf 80 Prozent, wenn Reisende unterwegs Antibiotika einnahmen. Angesichts dieser Ergebnisse macht die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) auf die Zunahme multiresistenter Bakterienstämme in Deutschland aufmerksam. Die Fachgesellschaft fordert mehr Grundlagenforschung für Medikamente und den gewissenhaften und gezielten Einsatz vorhandener Präparate.


Die finnischen Wissenschaftler untersuchten Stuhlproben von 430 Reisenden. Danach finden sich bei jedem Fünften, der ins tropische oder subtropische Ausland reist, nach seiner Rückkehr Spuren von Extended-Spectrum Betalaktamase (ESBL). ESBL sondern Bakterien ab, die gegen viele Antibiotika resistent sind. Von den Testpersonen, die an Reisedurchfall erkrankten, entpuppte sich jeder zweite als Träger eines multiresistenten Keims. Nahm der Reisende gegen den Durchfall Antibiotika, stieg das Risiko bis auf 80%, einen solchen Erreger mit nach Hause zu bringen. "In vielen Fällen wissen die Infizierten nicht einmal, dass sie Träger sind", sagt Prof. Dr. med. Ansgar Lohse Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf. Auf diesem Wege können Keime auch bis ins Krankenhaus gelangen, wo sie mitunter auf geschwächte Patienten treffen. "Was das bedeutet, zeigen die jüngsten Ereignisse am Universitätsklinikum Kiel", sagt Lohse. Dort starben zwölf Patienten, die sich mit einem multiresistenten Keim infiziert hatten.
 
Laut der Antibiotika-Resistenz-Datenbank ARS des Robert Koch-Instituts haben Multiresistenzen bei Darmbewohnern in Deutschland in den letzten Jahren deutlich zugenommen:  Bei der Gattung Escherichia coli etwa verzeichnet das Institut von 2008 bis 2013 im stationären Bereich eine Zunahme von 5,1 auf 8,8% derjenigen Erreger, die gegen drei Antibiotikagruppen resistent sind. Bei der Gattung Klebsiella pneumoniae waren 2013 bereits 10,8% der getesteten Keime von Krankenhauspatienten gegen drei und 0,4% sogar gegen vier Antibiotikagruppen resistent.
 
Viele der Resistenzen entstehen in der Tiermast, wo Bauern großflächig Antibiotika einsetzen. Experten sehen zudem den zu leichtfertigen Gebrauch in Tier- und Humanmedizin als entscheidende Ursache: "Oft genug kommt es vor, dass Ärzte selbst Patienten mit einer Erkältung ein Breitspektrum-Antibiotikum verschreiben", kritisiert Lohse. "Um Resistenzen zu vermeiden, müssen wir Antibiotika sparsam und zielgerichtet einsetzen." Bei Reisedurchfall rät der Experte eher davon ab, zum Antibiotikum zu greifen: Gewöhnliche Reiseinfekte vergingen in der Regel nach wenigen Tagen von selbst. Dauert die Krankheit länger, treten Fieber, starke Schmerzen oder Blut oder Schleim im Stuhl auf, sollten Betroffene jedoch auf jeden Fall einen Arzt hinzuziehen.
 
Die Ausbreitung von Resistenzen dürfe nicht billigend in Kauf genommen, sondern müsse aktiv bekämpft werden, so die DGVS. Zudem sollte die Entwicklung neuer Medikamente nicht zu kurz kommen, so Lohse. "Resistenz ist ein natürliches, evolutionäres Phänomen, mit dem Keime ihre Überlebenschancen vergrößern. Es wird also auch ein Zukunftsproblem bleiben, wenn wir nicht immer wieder neue Wirkstoffe entwickeln." Für Pharmakonzerne lohnt sich die Forschung nach neuen Antibiotika jedoch finanziell kaum, wenn das Endprodukt nur mit großer Zurückhaltung verschrieben werden soll. "Wir müssen neue Finanzierungsstrategien finden, um neue Anreize für Industrie und Forschung zu setzen", sagt Lohse.
 
Literaturhinweis:
Antimicrobials Increase Travelers' Risk of Colonization by Extended-Spectrum Betalactamase-Producing Enterobacteriaceae
Kantele et al., Clinical Infectious Disease 2015, 60 (6): 837-846


Quelle: DGVS

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Zuletzt geändert am: 12.03.2015