Hohe Arzneimittelrisiken machen Kinder zu Patienten zweiter Klasse
Eine internationale Tagung an der Philipps-Universität unter anderem mit Vertretern der europäischen sowie der US-amerikanischen Zulassungsbehörden befasst sich mit der Anwendung von Medikamenten bei Kindern, die in den vergangenen Jahren hohe Brisanz gewonnen hat. Ein Drittel der Arzneimittel im ambulanten Bereich und zwei Drittel der Arzneimittel im stationären Bereich, hier insbesondere in der Neonatologie und Intensivmedizin bei Kindern, werden ohne entsprechende behördliche Zulassung angewandt.
Internationale Experten tagen in Marburg über geplante EU-Verordnung für Arzneimittelsicherheit - Präsentation neuer therapeutischer Methoden für die Behandlung von Kindern und Säuglingen
Vom 16. bis zum 20. Juni 2004 findet in der Alten Aula der Philipps-Universität Marburg der neunte Kongress der European Society for Developmental Perinatal & Paediatric Pharmacology (ESDP) statt. Veranstalter ist der Präsident der ESDP, Prof. Dr. Hannsjörg W. Seyberth, der an der Philipps-Universität den deutschlandweit einzigen Lehrstuhl für pädiatrische Pharmakologie (Lehre von Arzneimitteln für Kinder) innehat. Neben Fachwissenschaftlern aus dem Ausland werden Vertreter der Europäischen Kommission, der Europäischen Zulassungsbehörde sowie der europäischen Pharmaindustrie sprechen. Des Weiteren sind Vertreter der US-amerikanischen Nahrungsmittel- und Arzneimittelbehörde sowie der US-Gesundheitsbehörde beteiligt.
Die Anwendung von Medikamenten bei Kindern hat in den vergangenen Jahren hohe Brisanz gewonnen. Ein Drittel der Arzneimittel im ambulanten Bereich und zwei Drittel der Arzneimittel im stationären Bereich, hier insbesondere in der Neonatologie und Intensivmedizin bei Kindern, werden ohne entsprechende behördliche Zulassung angewandt. Damit sind insbesondere Schwangere und Frühgeborene, aber auch Kinder und Jugendliche einem deutlich höheren Risiko bei der Arzneimitteltherapie ausgesetzt. Gleichzeitig geht der behandelnde Arzt ein erhebliches Arzneimittelrisiko ein.
Noch in diesem Jahr muss das Europäische Parlament Stellung zu einer Verordnung zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit und -anwendung für Kinder nehmen, die von der Europäischen Kommission derzeit vorbereitet wird. Diese aktuelle Entwicklung in der Gesundheitspolitik wird im Rahmen der Konferenz mit führenden internationalen Experten unter anderem aus Europa und den USA diskutiert.
In sieben Themenblöcken werden unter anderem folgende Themen behandelt:
- therapeutisches Versagen von Arzneimitteln bei Kindern
- adverse (gegenteilige) Wirkung von Therapeutika
- Überwachung der Arzneimittelsicherheit bei Kindern
- Arzneimittelrisiken bei "off-label use" (Anwendung außerhalb des Zulassungsbereichs)
- körperliche und funktionelle Unterschiede zwischen Säuglingen, Kindern und Erwachsenen
- neue Arzneimittel
- Ermittlung der adäquaten Arzneimitteldosis
Einer der Themenblöcke wird sich - an der Schnittstelle zwischen Politik und Wissenschaft - mit dem hochaktuellen Thema der konfliktreichen Balance zwischen der Qualität der Arzneimitteltherapie und deren Wirtschaftlichkeit auseinandersetzen.
Delegierte folgender Institutionen werden erwartet:
- Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, DGKJ (Berlin)
- Deutsche Gesellschaft für experimentelle und klinische Pharmakologie und Toxikologie, DGPT (Bonn)
- European Association for Clinical Pharmacology and Therapeutics, EACPT (Liverpool)
- European Agency for the Evaluation of Medicinal Products, EMEA (London)
- European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations, EFPIA (Brüssel)
- Karolinska Institutet (Stockholm)
- Institut National de la Santé et de la Recherche Médicale, INSERM (Paris)
- National Institute of Health, NIH (USA)
- Food and Drug Administration, FDA (USA)