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Morbus Alzheimer: neue Diagnosemöglichkeiten mittels molekularer Bildgebung

24. Juni 2014

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   30.09.2004
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Nächtliche Polyurie wirksam behandeln

Der erwachsene Mensch bildet nur etwa 25% seines 24-Stundenurins während des Schlafes. Die Urinproduktion verringert sich, weil gegen Abend der Adiuretin (ADH)-Spiegel im Plasma steigt und somit mehr Wasser rückresorbiert wird. Erhöht sich der ADH-Spiegel nicht, entwickelt sich eine nächtliche Polyurie, die jetzt – nach einer Anwendungserweiterung – mit Desmopressin behandelt werden kann.

Während die Nykturie, das klinische Erscheinungsbild der nächtlichen Polyurie, in der Vergangenheit oft als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen beispielsweise der Prostata angesehen wurde, sei sie heute als eigenständige Krankheit akzeptiert, betonte Professor Helmut Madersbacher, Leiter der Neuro-Urologischen Ambulanz am Landeskrankendhaus in Innsbruck. Als krankhaft würden allgemein mehr als zwei Toilettengänge pro Nacht angesehen. Die Zahl der Betroffenen steigt mit dem Alter: So sind von den 40 bis 49-jährigen Männern etwa 16 Prozent betroffen, von den über 70-Jährigen schon mehr als die Hälfte. Als Ursachen der Nykturie kommen viele Erkrankungen in Frage. Verantwortlich kann aber auch eine nachlassende abendliche ADH-Ausschüttung sein oder degenerierte ADH-Rezeptoren.


Die Lebensqualität der Patienten leidet stark, die Unfallgefahr ist erhöht

Dr. Arne-Daniela Marschall-Kehrel, niedergelassene Urologin in Oberursel, erläuterte die tiefgreifenden Folgen der Nykturie für den Schlaf und die Leistungsfähigkeit tagsüber: „Die Menschen sind chronisch tagesmüde, unaufmerksam“. So geht mit der permanenten Tagesmüdigkeit der Patienten ein erhöhtes Risiko für Autounfälle einher, bei älteren Menschen ist Nykturie ein zusätzlicher Risikofaktor für Stürze: „Ein alter Mensch erwacht in der Nacht, geht häufig im Dunklen zur Toilette und ist etwas taumeliger als ein jüngerer Mensch“. Darüber hinaus ist das Immunsystem geschwächt: Bei berufstätigen Frauen steigt die Zahl der Krankheitstage signifikant an, wenn sie dreimal oder häufiger in der Nacht erwachen um zu miktionieren, ihr Allgemeinzustand verschlechtert sich. Insgesamt sind die Folgekosten für das Gesundheitswesen beträchtlich. Der Leidensdruck ist stark: Etwa _ der Patienten fühlen sich in der Lebensqualität stark beeinträchtigt und der Wunsch nach Behandlung, so Dr. Marschall-Kehrel, ist hoch. Dennoch hat man der Nykturie bisher nicht die gebührende Aufmerksamkeit zu Teil werden lassen, und auch die Bedürfnisse der Patienten wurden bisher eher vernachlässigt.

Nach Meinung von Professor Madersbacher sollte eine Nykturie bei mehr als zwei nächtlichen Toilettengängen therapiert werden, wenn der Patient darunter leidet und auch, wenn bei älteren Patienten erhöhte Unfall- und Sturzgefahr besteht. Zur Anamnese gehört die Frage, ob der Patient wirklich wegen des Harndrangs erwacht, denn Toilettengänge wegen anderer Schlafstörungen, „…sozusagen Miktion zum Zeitvertreib…“ sind keine Nykturie. Auch neue Erkrankungen oder neue Medikamente können eine Rolle spielen. Das Miktionsverhalten tags sollte erfragt werden, da Patienten mit reduzierter Blasenkapazität tags und nachts die Toilette öfter aufsuchen müssen. Unvollständige Blasenentleerung kann ebenfalls ein Grund für häufiges Wasserlassen sein. Neueste Studien, die Ende August auf dem ICS Kongress in Paris vorgestellt wurden, zeigen, dass knapp _ der Nykturie Patienten unter einer nächtlichen Polyurie leiden.

„Ein ganz zentraler Punkt ist das Blasentagebuch“, so Professor Madersbacher. Es sollte Trink- und Miktionsgewohnheiten über einen Zeitraum von 48 Stunden erfassen: wann und wieviel der Patient getrunken hat, wann und wieviel Harn er ausgeschieden hat. Auch Symptome für Harninkontinenz sollten erfragt werden.

Bei einer allgemein verminderten Blasenkapazität liegt das Entleerungsvolumen konstant unter 250 ml, normal ist ein Wert von etwa 300 ml bis 400 ml. Bei allgemeiner Polyurie scheidet der Patient über den gesamten Tag mehr als 2,8 Liter Harn aus, während bei nächtlicher Polyurie die 24 Stunden-Urinmenge normal ist, jedoch ein größerer Anteil als 33 Prozent während der Nachtstunden produziert wird.


Desmopressin reduziert die Menge des Nachtharns

Der Therapieansatz ist multimodal: „Einerseits muss man den Patienten erklären, dass sie mit ihrer Flüssigkeitszufuhr vernünftig umgehen müssen“, erklärt Dr. Marschall-Kehrel. Ein weiteres Segment ist die Substitution von ADH durch Desmopressin. Randomisierte, placebokontrollierte Studien mit Männern und Frauen konnten zeigen, dass sich unter Desmopressin die Dauer bis zur ersten Schlafperiode um etwa zwei Stunden verlängert. Die Anzahl der nächtlichen Miktionen reduzierte sich signifikant bei Männern von drei auf 1,7, bei Frauen sind die Werte ähnlich. Die Menge des Gesamtnachtharns geht bei Männern mit Desmopressin von 41,6 Prozent auf 30,7 Prozent des 24-Stundenurins zurück.

Die gefürchtete Hyponatriämie (Wassereinlagerung und Verschiebung des Salzgewichts) ist bei ausreichender Anleitung der Patienten, keine Flüssigkeit nach der Tablette zu sich zu nehmen, nicht existent. Die Patientenzufriedenheit war sehr hoch: 80 bis 90 Prozent der Patienten waren bereit, eine Langzeitbehandlung durchzuführen und der Leidensdruck wurde als sehr stark gemindert empfunden.
Behandelt werden Patienten mit nächtlicher Polyurie aufgrund ADH-Mangels bis zum 65. Lebensjahr. Kontraindiziert ist Desmopressin bei Patienten mit Polydipsie, Hyponatriämie und kardiovaskulären Erkrankungen. Empfohlen wird, die Titrationsphase mit 0,1 mg Desmopressin etwa eine Stunde vor dem Zubettgehen zu beginnen. Sollte diese Dosis nach einer Woche nicht ausreichend sein, kann auf 0,2 mg erhöht werden. „Der Schlaf ist für den ganzen Menschen, was das Aufziehen für die Uhr“ hat schon Arthur Schopenhauer gesagt – Schlafmangel erhöht das Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko.


Quelle: Ferring

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Zuletzt geändert am: 30.09.2004