Studie: Späterer Ruhestand treibt Arbeitslosigkeit nach oben
Die Renten- und Arbeitsmarktreformen der Bundesregierung werden nach Experteneinschätzung die Zahl der Arbeitslosen vorübergehend erhöhen. Grund dafür ist, dass viele ältere Arbeitnehmer später als bisher aus dem Erwerbsleben ausscheiden werden und deshalb ihre Stelle später räumen. «Die Brücke zwischen Erwerbsaustritt und Rentenbeginn wird abgerissen», sagte der Sozial- und Wirtschaftsforscher Meinhard Miegel am Mittwoch mit Blick auf die Einschnitte in der Arbeitslosen- und Rentenversicherung.
Bis 2008 sei mit etwa 560 000 älteren Beschäftigten zu rechnen, die länger arbeiten, weil für sie die bisherigen, finanziell vorteilhaften Vorruhestandsmöglichkeiten entfallen. Miegel stellte in Berlin eine entsprechende Studie vor, die im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) angefertigt wurde. Bisher werde der Vorruhestand, der im Durchschnitt bislang 2,6 Jahre dauert, zu 60 Prozent von der Arbeitslosenversicherung, zu 30 Prozent vom Arbeitgeber und nur zu zehn Prozent aus Privatvermögen bezahlt.
«Wer früher aussteigen will, kann künftig nicht mehr über die kollektiv errichtete Brücke gehen», meinte Miegel. Er werte dies positiv, weil damit Schluss mit nicht mehr bezahlbaren Lösungen gemacht werde. Laut Studie beenden Vorruheständler ihr Erwerbsleben mit rund 57 Jahren: Entweder, weil sie sich «arbeitslos melden» oder in Altersteilzeit gehen. Ende der 90er Jahre seien 60 bis 65 Prozent der West-Arbeitnehmer auf diese Weise in Vorruhestand gegangen.
Nur noch bis Januar 2006 wird das Arbeitslosengeld bei Älteren für 32 Monate bezahlt, danach auf 18 Monate verkürzt. Von 2006 an wird es die volle Rente grundsätzlich nur noch mit 65 geben, von 2009 an kann niemand mehr - auch bei Inkaufnahme von Abschlägen - früher als mit 63 in Rente gehen. Ein früherer Austritt aus dem Erwerbsleben wird daher für den Arbeitnehmer oder seinen Arbeitgeber teuer: Der Vorruhestand für einen Durchschnittsverdiener wird laut Studie etwa 50 000 Euro kosten. Dies erfordere mehr finanzielle Eigenvorsorge. Das DIA wird von der Deutschen Bank finanziert.