Mukoviszidose: Bessere Lungenwerte mit 300 mg Tobramycin zwei Mal täglich
Erstmals vergleicht eine Studie die Therapien von zwei Mal täglich 300 mg und zwei Mal täglich 80 mg Tobramycin bei Mukoviszidose-Patienten. Das Ergebnis: Die höhere Dosierung wirkt effizienter. Patienten mit Mukoviszidose (engl.: cystic fibrosis, CF), die an chronischer Pseudomonasinfektion erkrankt sind, erreichen bessere Lungenwerte, wenn sie zwei Mal täglich 300 mg statt zwei Mal täglich 80 mg des Antibiotikums Tobramycin inhalieren.
Das ergab eine Studie der Essener Arbeitsgruppe von Professor Felix Ratjen, seit kurzem Abteilungsleiter für Atemmedizin am „Hospital for Sick Children“ an der Universität Toronto, Kanada. Die Ergebnisse der Studie veröffentlichten die Experten erstmals während der 28. Jahreskonferenz der Europäischen CF-Gesellschaft auf Kreta (22. – 25. Juni 2005).
Insgesamt 32 Mukoviszidose-Patienten nahmen an der Studie teil. 14 Patienten inhalierten drei Monate lang zwei Mal täglich 80 mg Tobramycin. Die anderen 18 Patienten inhalierten im gleichen Zeitraum in den ersten 28 Tagen zwei Mal täglich 300 mg Tobramycin, pausierten anschließend 28 Tage, bevor sie Tobramycin weitere vier Wochen inhalierten. Nach drei Monaten wechselten die Studienteilnehmer zur jeweils anderen Therapieform (Cross-over-Design). Alle Patienten inhalierten vor Beginn der Therapie Colistin über einen Zeitraum von vier Wochen, um eine einheitliche Basis für die Datenerhebung zu schaffen. (Siehe Grafik).
Im Ergebnis ließen sich, nach Angaben der Wissenschaftler, keine signifikanten Effekte für die Lungenfunktion feststellen, dafür hätte die Studie umfangreicher gestaltet sein müssen. Allerdings steigerten Mukoviszidose-Patienten, die mit der 300-mg-Therapie begannen, ihre Lungenkapazität gemessen in der Einsekundenausatemkapazität (forced expiratory volume = FEV1) um durchschnittlich 1,4 Prozent. Nachdem sie auf die 80-mg-Therapie umstellten, verschlechterte sich der FEV1-Wert. In der Gruppe, die zuerst
80 mg Tobramycin inhalierte, sank die FEV1-Kapazität um durchschnittlich 2,1 Prozent. Der FEV1 verbesserte sich bei diesen Patienten gegenüber dem Ausgangswert, nachdem sie auf die 300-mg-Therapie wechselten.
19 der Studienteilnehmer gaben – befragt nach ihrer Präferenz – die 300-mg-Therapie an, nur sieben die 80-mg-Therapie und drei die Colistin-Therapie. Drei Patienten hatten keine Präferenzen.
Schon lange haben Experten einen Vergleich zwischen der 300-mg- und der 80-mg-Dosierung gefordert. Die 80-mg-Therapie hat in Deutschland eine gewisse Tradition. Ihre Effizienz wurde aber bislang noch nie durch eine überzeugende Studie belegt. Ganz anders sieht es bei der Therapie mit 300 mg Tobramycin aus, bei der die Mukoviszidose-Patienten abwechselnd vier Wochen lang zwei Mal täglich inhalieren und vier Wochen lang pausieren. Die Formulierung für diese Therapie ist für TOBI® ausführlich dokumentiert. An einer der umfangreichsten Studien, durchgeführt von Bonnie W. Ramsey, Professorin an der University of Washington, nahmen zum Beispiel 520 Patienten teil.
Literatur
Studie I: Nikolaizik Wilfried H., Vietzke Delia, Ratjen Felix, Comparison of Tobramycin 80 mg Injectable Preparation (TIP) and 300 mg Solution for Inhalation (TSI) in CF Patients, präsentiert an der 28. Jahreskonferenz der Europäischen CF-Gesellschaft auf Kreta (22. – 25. Juni 2005).
Studie II: Ramsey Bonnie W., et al., Intermittent Administration of Inhaled Tobramycin in Patients with Cystic Fibrosis, in: The New England Journal of Medicine 1999; 340:23-30.