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   08.09.2005
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Langkettige Omega-3 Fettsäuren – wann schützen Sie vor dem plötzlichen Herztod?

Langkettige Omega-3 Fettsäuren (Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure) kommen in Meer- und Süßwasserfischen vor. Sie liegen dort nicht in freier Form, sondern als Triglycerid vor. In der Regel ist jedoch nur eine der drei Fettsäuren des Triglycerids eine Omega-3 Fettsäure, so dass Fischöl nur zu etwa 20 - 30 % aus Omega-3 Fettsäuren besteht. Um daher z. B. 1 g Omega-3 Fettsäuren zu konsumieren, müssten 3 - 5 g Fischöl aufgenommen werden, so Prof. Dr. med. Werner O. Richter.


Dies bedeutet dann aber ein erhebliches Plus an Kalorien mit der Gefahr der Gewichtszunahme. Aus diesem Grunde sind für die regelmäßige Einnahme Ethylester von langkettigen Omega-3 Fettsäuren zu bevorzugen. Dabei ist jeweils eine Omega-3 Fettsäure mit Ethanol verestert, so dass der Gehalt der Zubereitungen an Omega-3 Fettsäuren bei bis zu 90 % liegt. Bei der Herstellung des Ethylesters aus Fischöl findet auch die Elimination von z. B. Schwermetallen, Pestiziden und Dioxin statt, die in Fischen bestimmter Herkunft nachzuweisen sind. Im Darm erfolgt die Spaltung der Ethylesterbindung durch die Pankreaslipase in vergleichbarem Umfang wie bei Triglyceriden, die freigesetzten Omega-3 Fettsäuren werden absorbiert.

Der plötzliche Herztod wird häufig durch ventrikuläre Tachykardien verursacht. Ihre Suppression könnte daher zu einer Verminderung des plötzlichen Herztodes führen. An schlagenden Herzmuskelzellen in vitro konnte gezeigt werden, dass langkettige Omega-3 Fettsäuren in der Lage sind, „Flimmern“ zu unterdrücken. Dazu müssen die Omega-3 Fettsäuren in freier Form vorliegen, in veresterter Form haben sie keine Wirkung. Nach dem Unterbinden einer Koronararterie kommt es bei Hunden zum Auftreten von Kammerflimmern. Wenn gleichzeitig langkettige Omega-3 Fettsäuren in freier Form (d. h. gebunden an Albumin) intravenös infundiert werden, kann in den meisten Fällen das Auftreten von Kammerflimmern verhindert werden. Dabei gelangen die Omega-3 Fettsäuren in Zehntelsekunden aus der Blutbahn zur Herzmuskelzelle.

Das Experiment ergab zwei wichtige Informationen:

1. Freie Omega-3 Fettsäuren unterdrücken ischämieinduziertes Kammerflimmern
2. Die in der Herzmuskulatur als Ester vorhandenen Omega-3 Fettsäuren können nicht rasch genug durch lokale Lipasen aus ihrer Bindung freigesetzt werden, um das tödliche Ereignis zu verhindern.

Daraus kann geschlossen werden, dass für die Prävention ischämieinduzierten Kammerflimmerns die Aufrechterhaltung einer möglichst hohen Konzentration an freien langkettigen Omega-3 Fettsäuren im Blut durch regelmäßige orale Zufuhr anzustreben ist. Reicht dafür eine üppige Mahlzeit mit fettem Seefisch pro Woche aus oder ist es günstiger, regelmäßig täglich eine kleinere Menge an Omega-3 Fettsäuren aufzunehmen? Dieser Frage wurde in einer Studie an 12 Probanden nachgegangen. Sie erhielten in einem Cross-over-Design entweder einmal täglich 0,85 g Ethylester von Eicosapentaen- oder Docosahexaensäure (= 1 Kapsel Zodin®) oder einmal wöchentlich 5,95 g. Die Bestimmung der Serumkonzentrationen von freier und gesamter Eicosapentaen- und Docosahexaensäure in wöchentlichen Abständen zeigte jeweils signifikant höhere Konzentrationen unter täglicher Einnahme. Exemplarisch werden die Ergebnisse für die freie Eicosapentaensäure (EPA) gezeigt:



Eine regelmäßige tägliche Aufnahme von 0,85 g Omega-3 Fettsäuren führte zu signifikant höheren Konzentrationen an langkettigen freien Omega-3 Fettsäuren im Blut als eine einmal wöchentliche Aufnahme von 5,95 g, wie sie z. B. mit einer Wildlachsmahlzeit erreicht werden kann. So hohe Konzentrationen wie unter täglicher Einnahme können mit einer hoch dosierten wöchentlichen Einnahme nur für drei Tage erreicht werden. Die Empfehlung, einmal pro Woche fetten Seefisch zu essen, erreicht also bezüglich des möglichen Schutzes vor dem plötzlichen Herztod nicht die Qualität einer regelmäßigen täglichen Einnahme in Form eines Fertigprodukts. Denn die tägliche Aufnahme von etwa 1 g Omega-Fettsäuren in Form von Fisch und Fischprodukten ist schwierig.

Omega-3 Fettsäuren sind darüber hinaus bei ausreichender Dosierung ausgeprägt wirksam bei hohen Triglyceriden im Blut. Die dafür notwendigen täglichen Mengen von 1,5 - 4 g sind ohne Supplementierung überhaupt nicht erreichbar. Dies illustriert die Tabelle über den Gehalt an Omega-3 Fettsäuren in Fischen und Schalentieren im Anhang.


Die folgende Tabelle zeigt Ihnen, in welchen Fischen die „Öle“ enthalten sind. Die Angaben sind in g pro 100 g Lebensmittel. Dabei ist zu bedenken, dass es sich um einzelne Analysen handelt, der Gehalt aber durchaus deutlich schwanken kann. EPA = Eicosapentaensäure, DHA = Docosahexaensäure

EPA DHA

Aal, frisch, Fischzuschnitt 0,093 0,131
Aal, geräuchert 0,283 0,235
Aal, in grüner Soße 0,062 0,088
Auster, frisch 0,438 0,250
Barsch, frisch 0,080 0,211
Bismarckhering, Konserve 0,700 0,862
Brathering 0,709 0,862
Brathering, Konserve 0,709 0,862
Bückling 0,970 1,179
Dornhai/Seeaal/Schillerlocke 0,850 1,100
Fischfilet, gegrillt 0,060 0,215
Fischfilet Müllerin 0,060 0,215
Fischfrikadelle, paniert 0,050 0,175
Fischstäbchen, paniert, tief gefroren 0,050 0,175
Flunder, frisch 0,093 0,106
Forelle, blau 0,202 0,528
Forelle, frisch 0,202 0,528
Forelle, frisch, gegart 0,202 0,528
Forelle, geräuchert 0,259 0,677
Forelle, paniert, gebraten 0,145 0,352
Garnele, frisch 0,258 0,222
Hecht, frisch 0,033 0,074
Heilbutt, frisch 0,071 0,292
Heilbutt, frisch, gegart 0,071 0,292
Heilbutt, geräuchert 0,091 0,374
Hering, frisch, gebraten 0,709 0,862
Hering, gesalzen 0,843 0,546
Hering, Konserve in Öl 0,970 1,179
Heringsfilet in Sahne-Meerrettichcreme 0,450 0,580
Heringsfilet in Senfcreme 0,450 0,580
Heringsfilet in Tomatensoße 0,450 0,580
Heringsfilet, Matjesart 0,709 0,862
Heringsröllchen in Tomatensoße 0,450 0,580
Heringsrollen in Sahnesoße 0,450 0,580
Hummer, frisch 0,265 0,108
Kabeljau, frisch, gegart 0,064 0,120
Karpfen, blau 0,238 0,114
Karpfen, frisch, gegart 0,238 0,114
Katfisch, frisch 0,067 0,207
Kaviar, echt 0,741 3,800
Kaviarersatz 0,060 0,215
Kochfischwaren in Gelee 0,030 0,125
Krabben, frisch 0,170 0,150
Lachs, frisch 0,618 1,293
Lachs, geräuchert 0,690 1,457
Lachs, Konserve in Öl 0,618 1,293
Lachsrogen 0,983 1,363
Makrele, frisch 0,898 1,401
Makrele, geräuchert 0,504 0,699
Matjeshering, frisch 0,709 0,862
Matjeshering nach Hausfrauenart 0,500 0,621
Miesmuschel, frisch gegart 0,276 0,506
Muscheln im Weißweinsud 0,276 0,506
Rollmöpse 0,521 0,619
Rotbarsch, frisch 0,161 0,434
Rotbarsch, frisch, gegart 0,161 0,434
Sardelle 0,538 0,911
Sardellenpaste 0,763 1,292
Sardine, frisch 0,473 0,509
Schellfisch, frisch, gegart 0,059 0,126
Schleie, frisch 0,093 0,106
Scholle, frisch 0,093 0,106
Scholle, frisch, gebraten 0,093 0,106
Schollenfilet, natur, tief gefroren 0,093 0,106
Schwertfisch, frisch 0,108 0,531
Seehecht, frisch 0,199 0,202
Seeteufel, frisch 0,150 0,120
Seezunge, frisch 0,093 0,106
Seezunge, frisch, gegart 0,093 0,106
Seezunge, gebraten 0,093 0,106
Sprotte, geräuchert 0,501 0,802
Steinbutt, frisch 0,320 0,230
Stockfisch, tief gefroren 0,011 0,423
Thunfisch, Konserve in Öl 0,027 0,101
Tintenfisch, frisch 0,039 0,066
Tintenfisch, frisch, gebraten 0,039 0,066
Tintenfisch, ausgebacken 0,039 0,066
Zander, frisch 0,199 0,099

Quelle: Einführungspressekonferenz Zodin® Sekundärprävention nach Myokardinfarkt – Lässt sich die Mortalität weiter verringern? Frankfurt, 1. September 2005; Trommsdorff

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Zuletzt geändert am: 08.09.2005