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Kopfschmerz - Teil 5: Medikamenteninduzierter
Dauerkopfschmerz
Eine Kopfschmerzart, die zunehmend
Probleme bereitet, ist der medikamenteninduzierte Kopfschmerz
der durch eine zu häufige Einnahme von Schmerzmitteln
ausgelöst wird. Sehr häufig liegen tatsächlich
ein Kopfschmerz vom Spannungstyp oder eine Migräne
zugrunde, die man mit Kopfschmerzmitteln in den Griff
bekommen möchte. Was leider häufig nicht bedacht
wird oder nicht bekannt ist: Kopfschmerzmittel machen,
wenn sie zu oft eingenommen werden, sensibler für
Kopfschmerzen. Die Betroffenen entwickeln einen Kopfschmerzmittel-Kopfschmerz,
den sie mit immer höheren Dosis an Kopfschmerzmitteln
zu bekämpfen versuchen. Sie geraten in einen regelrechten
Teufelskreis hinein. Schätzungsweise fünf bis
zehn Prozent der Patienten, die Hilfe in einer Schmerzambulanz
oder in spezialisierten Kopfschmerzzentren suchen, kommen
wegen dieser Beschwerden. Oft dauert es mehrere Jahre,
bis sie sich dazu entschliessen, Hilfe in Anspruch zu
nehmen.
Symptome
Die Kopfschmerzen treten täglich
auf, mindestens jedoch an 15 Tagen pro Monat. Der Schmerz
ähnelt einer leichten Migräne oder einem Spannungskopfschmerz,
mit dem Unterschied, dass irgendwann kein kopfschmerzfreies
Intervall besteht. Empfunden wird der Schmerz als diffus-pulsierend
oder dumpf-drückend. Er verstärkt sich bei
körperlicher Aktivität. In seltenen Fällen
besteht auch Übelkeit.
Ursachen
Am bekanntesten ist der durch ergotaminhaltige
Präparate ausgelöste Kopfschmerzmittel-Kopfschmerz.
Ergotamin ist in verschiedenen Migränemitteln enthalten.
Die Substanz sensibilisiert die Blutgefäße
im Kopf immer mehr, bis schliesslich der kleinste Reiz
Gefäßkopfschmerzen auslöst, die von
dem eigentlichen Migränekopfschmerz nicht mehr
zu unterscheiden sind. Irgendwann leidet der Patient
ständig unter Kopfschmerz. Im Unterschied zur typischen
Migräne besteht kein kopfschmerzfreies Intervall
mehr.
Doch auch die freiverkäuflichen
Substanzen wie etwa Acetylsalizylsäure oder Paracetoamol
machen immer empfänglicher für Kopfschmerzen
und Verspannungszustände. Viele finden den Einstieg
über die Werbung, die den Kopfschmerz nicht mehr
als das alleinige Problem zeigt, sondern statt dessen
die Müdigkeit und Abgeschlagenheit in den Vordergrund
stellt. Die Werbung suggeriert, dass die Tablette nicht
nur den Schmerz löst, sondern fit, munter und leistungsfähig
macht. Dadurch bildet sich die Vorstellung: Kopfschmerzmittel
sind Fitmacher. Beimischungen, wie
Coffein oder Vitamin C (Aspirin plus C) tragen noch
zusätzlich zu dieser Vorstellung bei. Zu guter
Letzt verbinden die Betroffenen Schmerz und Leistungsunfähigkeit
und greifen schon zur Tablette, wenn sie sich abgeschlagen
fühlen. Auffallend viele Patienten, die von Kopfschmerzmitteln
abhängig werden, sind sehr leistungsorientiert.
Beim plötzlichen Absetzen von Coffeinhaltigen Präparaten
kann übrigens ein Entzugskopfschmerz auftreten.
Das gleiche kann jemandem passieren, der normalerweise
sehr viel Kaffee trinkt und ihn plötzlich absetzt.
Wann besteht Gefahr, einen medikamenteninduzierten
Kopfschmerz zu entwickeln?
Ab welcher Dosis oder Einnahmedauer
jemand einen Kopfschmerzmittel-Kopfschmerz entwickelt,
kann von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein. Es
gibt aber eine Faustregel. Ein Kopfschmerzmittel-Kopfschmerz
wird wahrscheinlich, wenn Kopfschmerzpräparate
länger als drei Tage hintereinander und häufiger
als zehn Tage pro Monat eingenommen werden.
Wie werde ich die Kopfschmerzen
wieder los?
So bitter es sein mag, aber es gibt
nur eine Behandlung: Das Absetzen der Kopfschmerzmittel.
Das ist aber leichter gesagt als getan. Ganz allein
wird Ihnen das kaum gelingen. Sie benötigen professionelle
Hilfe. Oft ist ein stationärer Entzug notwendig.
Spezialisierte Schmerzambulanzen führen auch ambulante
Entzüge durch. Wie lange der Entzug dauert, hängt
von den Substanzen ab.
Oft ist es gar nicht möglich,
die Schmerzmittel abrupt abzusetzen, da sich sehr starke
Entzugskopfschmerzen einstellen können. Der Arzt
wird womöglich zuerst ein Ausweichpräparat
wählen, Sie also auf ein anderes Schmerzmittel
umstellen, an das Sie nicht gewöhnt sind, um eine
gewisse Distanz zu schaffen. Dann versucht man die Dosis
immer weiter zu reduzieren.
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