In den letzten hundert Jahren hat eine Erhöhung der durchschnittlichen Lebenserwartung (bei Geburt) um etwa 30 Jahre stattgefunden. Dies ist eine unerhörte Errungenschaft der modernen Medizin. Das hiermit spezielle Probleme – hauptsächlich wiederum medizinische Probleme – verbunden sind, ist allgemein bekannt. Die HNO-Heilkunde beschäftigt sich sei ihren Ursprüngen mit der Altersschwerhörigkeit. Nachfolgend werden die spezifischen Aspekte nasaler Erkrankungen im fortgeschrittenen Lebensalter dargestellt.
Deutschland wird älter: Die Geburtenraten sinken drastisch, gleichzeitig steigt die Lebenserwartung. Im Jahr 2030 wird jeder dritte Deutsche über 60 Jahre alt sein. Wir leben in einem alternden Volk, ja in einer alternden Welt. Immer mehr ältere Menschen stehen immer weniger jüngeren gegenüber. So waren in Deutschland im Jahr 2000 24 % der Bevölkerung 60 Jahre und älter, aber nur 21 % jünger als 20 Jahre. Im Jahr 2030 wird der Anteil der über 60-Jährigen (35 %) etwa doppelt so hoch sein wie jener der unter 20-Jährigen (17 %). Aber auch der Anteil der über 80-, 90- und Hundertjährigen nimmt zu. Der prozentuale Anteil der über 80-Jährigen wird sich in den nächsten 20 Jahren verdoppeln; er steigt von 3,6 auf 7,4 %, um im Jahr 2050 13,2 % erreicht zu haben. Zurzeit leben in Deutschland knapp 10 000 Hundertjährige und Ältere; im Jahre 2025 werden es bereits 44 000 und im Jahre 2050 sogar über 114 000 sein, so der „World Population Aging"-Bericht 1950 - 2050 der Vereinten Nationen.
Genauso wie der Tod, so ist wahrscheinlich auch die Angst vor dem Tod und der Wunsch, nicht zu altern, ein evolutionär verankerter Grundbestandteil der Conditio humana. Es ist kein Phänomen der Moderne oder gar der Postmoderne, dass Menschen jung bleiben bzw. wieder jung werden wollen. Die Darstellungen des Jungbrunnens von Lucas Cranach d. J. (1546) aus der Renaissance oder das Geschenk der ewigen Jugend durch die Götter in der antiken Mythologie verweisen auf die lange Geschichte dieses Wunsches.
Derzeit existiert keine allgemein anerkannte Definition, ab wann eine Person als “alternder Mensch” oder als “alter Mensch” anzusehen ist. Geriater sprechen häufig von älteren Personen bei einem Lebensalter zwischen 65 und 75 Jahren und von alten Personen bei einem Lebensalter > 75 Jahre. Erkrankungen von Nase und Nasennebenhöhlen sind in höheren Altersgruppen zunächst nicht grundsätzlich anders, als dies bei jüngeren Personen der Fall ist. Dennoch existieren “typische” Veränderungen bzw. Erkrankungen von innerer und äußerer Nase bei Personen jenseits des 65ten Lebensjahres. Diese Veränderungen und die ihnen zugrunde liegenden strukturellen und (patho-) physiologischen Ursachen warden nachfolgend dargestellt.
Physiologie der Nase
Die Nase dient der Klimatisierung (Befeuchtung, Erwärmung) und Reinigung der Atemluft und als chemosensorisches Organ dem Riechvermögen. Hierzu wird die Nase eines erwachsenen Menschen durchschnittlich von ca. 12.000 Litern Atemluft täglich durchströmt. Sie wird somit einer großen Menge von potentiell schädlichen Gasen, Aerosolen und Partikeln ausgesetzt und stellt hierdurch eine wichtige Grenzfläche des Organismus zur Umwelt dar. Die Nasenschleimhaut muß daher über ein effektives Selbstreinigungs- und Abwehrsystem verfügen. Dies umso mehr, als sie durch ihre Filterfunktion für die Atemluft auf eine Adhäsion dieser Materialien ausgerichtet ist. So konnte in Expositionskammerversuchen mit inerten Stäuben gezeigt werden, daß bei Nasenatmung Partikel mit mehr als 15 µm Durchmesser zu ca. 90 - 95% in der Nase deponiert werden. Auch Partikel mit einer Größe von 5 µm Durchmesser werden von der Nase annähernd vollständig ausgefiltert, während Partikel mit 1 µm Durchmesser nur zu 5% in der Nase abgelagert werden. Hierdurch wird die endonasale Schleimhaut belastet mit zahlreichen Fremdstoffen, deren Auswirkungen sich akkumulieren und in höherem Lebensalter zeigen können.
Die äußere Nase hingegen ist in besonderem Masse der Einwirkung von Sonnenlicht ausgesetzt, wodurch die typischen Erkrankungen übermässig Sonnenlicht-exponierter Haut.
Äußere Nase: Hauterkrankungen
Wie allgemein im Gesichtsbereich spielen auch an der Nase Hauterkrankungen eine große Rolle bei den typischen Altersveränderungen. Morphologisch zeigt sich eine verdünnte, trockene und aufgrund der reduzierten Elastizität leicht fältelbare Haut. Häufig entstehen gutartige, tumorförmige Proliferationen, wie weiche Fibrome, senile Angiome, seborrhoische Warzen, Alterslentigines und Talgdrüsenhyperplasien. Im Bereich der Glabella und den Augenlidern finden sich häufig Xanthelasmen.
Zahlreich sind die Veränderungen, die durch jahrzehntelange Lichtexposition auftreten. Sie umfassen aktinische Keratosen, Hypo- und Hyperpigmentierungen, die Elastose mit Alterszysten und Alterskomedonen (M. Favre-Racouchot), Gefäßerweiterungen und die Alterspurpura.Vor allem die Alterspurpura (Purpura senilis) ensteht in der lichtexponierten Haut durch Bindegewebsveränderungen.
Tumore
Als häufigste Tumore sind Basaliome, Spinaliome und Melanome.
Das Basaliom zeigt sich an Nase und Gesichtshaut in verschiedenen morphologischen Typen:
- Knotiges Basaliom: Meist als hautfarbenes, glasig erscheinendes weiches Knötchen mit kleinen Teleangiektasien (Abbildung ). Es wächst langsam und geht häufig nach längerer Wachstumszeit in das Ulcus rodens (s.u.) über
- Ulcus rodens: Aufgrund von Ernährungsstörungen in zentralen Partien des Tumors kommt es nach weiterem Wachstum zu einer zentralen Ulzeration mit Krustenbildung, gelegentlichem Bluten oder Nässen. Die randständig weiterwachsenden Tumorknötchen zeigen eine perlschnurartige Anordnung mit darüberziehenden Teleangiektasien – einen für das Basaliom typischen Aspekt.
- Ulcus terebrans: Basaliom mit besonders aggressivem Wachstum und frühzeitigem Einwachsen in knorplige und knöcherne Nasenstrukturen bzw. in die Orbita
- Pagetoides Basaliom (oberflächlich wachsendes Basaliom): Diese Wuchsform findet sich nur selten an der Nase (hpts. am Rumpf). Flacher, gering infiltrierter, scharf begrenzter Herd mit langsamem Wachstum und geringer Infiltrationstiefe.
- Sklerodermiformes Basaliom: Hauptmanifestationsort im Gesichtsbereich ! Wird oft über viele Jahre als Narbe verkannt, da flaches, gering eingesunkenes, induriertes Wachstum.
Malignes Melanom
Angesichts der etwa 10fachen Häufigkeitszunahme des malignen Melanoms innerhalb der letzten 40 Jahre verdient dieser außerordentlich maligne Tumor große Beachtung. Die Erkennung zum frühestmöglichen Zeitpunkt ist außerordentlich wichtig, denn die Überlebenschance ist wesentlich hiervon abhängig. Die Prognose richtet sich bei dem einzelnen Patienten weitgehend nach der maximalen Dicke des Tumors bzw. nach seiner Eindringtiefe. Zunächst oberflächlich wachsende Formen haben deshalb bei rechtzeitiger Entfernung eine günstigere Prognose.
Gerade in der Anfangsphase, also wenn der Tumor einen Durchmesser von wenigen Millimetern noch nicht überschritten hat, ist das Melanom besonders schwierig von Naevuszellnaevi abzugrenzen. In der Regel (> 80%) entsteht ein malignes Melanom auf vorher unveränderter Haut, doch entwickelt sich ein geringer Teil auf bzw. innerhalb eines benignen Naevuszell¬naevus, der längere Zeit vorher bestanden hat. Insgesamt ist dies jedoch die Ausnahme.
Kleine Pigmenttumoren müssen als verdächtig gelten, wenn folgende Kriterien gegeben sind:
1. Rasche Größenzunahme, innerhalb von wenigen Wochen oder Monaten.
2. Insgesamt oder abschnittsweise Veränderung des Pigmentgehaltes, vor allem eine Dunkel¬färbung. Zentrale Hyper- oder Hypopigmentierung. Grau-, Blau- und Rottönungen innerhalb des Tumors.
3. Entzündlicher, roter Rand.
4. Unscharfe Begrenzung.
Weitere, und zwar dringende Verdachtszeichen bei kleinen und auch größeren Tumoren sind:
5. Nässen, Krustenbildung.
6. Blutungen, spontan oder auf leichte Verletzungen hin.
7. Juckreiz.
Alle diese Zeichen sind nur Verdachtszeichen und können einzeln auch bei traumatisierten, evtl. auch »aktiven« Naevuszellnaevii vorkommen. Traumatisierungen, also einmalige oder wieder¬holte Verletzungen eines Naevuszellnaevus, führen nicht zur Entwicklung eines Melanoms. Die Differentialdiagnose auch der Frühformen umfaßt neben den Pigmentnaevi zahlreiche weitere Hauttumoren (Angiokeratom, pigmentiertes Basaliom, seborrhoische Warze, pyogenes Granulom etc.), so daß eine Mitbeurteilung durch einen Dermatologen unbedingt anzuraten ist.
Vier gestaltlich unterschiedliche Formen des malignen Melanoms werden unterschieden.
a) Das superfiziell spreitende Melanom (SSM) (ca. 70% aller Melanome).
Zunächst zeigt sich der Tumor in der Regel über Monate bis wenige Jahre in seiner oberflächlichen Form mit mehr oder weniger rascher Vergrößerung. Typisch ist der flache, bogig begrenzte Tumor, der sich zumeist aus sehr kleinen Knötchen zusammensetzt. Einzelne zentrale oder randwärtige Bezirke sind als Zeichen einer spontanen Rückbildung wieder hautfarben, rötlich oder (wegen des tiefliegenden Restpigmentes) bläulich gefärbt. Später entstehen knotige, oft erosive Anteile, die auf eine schlechtere Prognose hinweisen.
b) Das knotige Melanom (noduläres Melanom, NM) (16% aller Melanome).
Diese Form zeigt einen zumeist dunkelbraun bis schwarz pigmentierten Tumor, der knotig zur Tiefe und zur Seite vorwächst, oft bei geringer Traumatisierung blutet oder näßt und infolge der raschen Metastasierung eine schlechte Prognose besitzt. Selten kommen nichtpigmentierte Formen vor.
c) Das Lentigo-maligna-Melanom (LMM)(5% aller Melanome).
Diese Form kommt fast nur im Gesicht vor, zumeist bei älteren Menschen und auf durch Licht vorgeschädigter Haut. Klinisch ist der Tumor durch eine unscharf begrenzte, inhomogene, unter-schiedlich intensive Hell- bis Schwarzbraunverfärbung im Niveau der umgebenden Haut charak-terisiert, auf der sich nach meist 5-15 Jahren ein Tumorknoten (mit dann ungünstigerer Prognose) entwickelt.
d) Das akral-lentiginöse Melanom (ALM) (5-10% aller Melanome).
Auch hierbei handelt es sich um eine Tumorform, die erst längere Zeit horizontal wächst und klinisch einen sich vergrößernden, braunen Fleck zeigt.
e) Ca. 3-4% der Melanome können nach diesen Kriterien nicht eingeordnet werden (UCM = sogenannte unklassifizierbare Melanome).
Regionale Metastasierung in die umgebende Haut und die zugehörigen Lymphknoten sowie Fernmetastasen kennzeichnen die späteren Stadien.
Der Primärtumor sollte, sofern noch keine Metastasen vorhanden sind, vollständig exzidiert werden (keine diagnostische Probebiopsie!). Dabei sollte bereits ein Sicherheitsabstand von mindestens 3 mm eingehalten werden. Anhand histologischer Kriterien (Eindringtiefe, maximaler Tumordicke) wird das weitere Vorgehen festgelegt. Nach allgemeiner Übereinkunft wird derzeit für Tumoren bis 0,75 mm maximaler Dicke ein Sicherheitsabstand von 1 cm, bei dickeren Tumoren von 2-3 cm für ausreichend erachtet. Zur Tiefe sollte das subkutane Gewebe zumindest bis zum Periost bzw. Perichondrium entfernt werden.
Das Spinaliom (Spinozelluläres Karzinom, Plattenepithelkarzinom) entstehen fast immer in präkanzerösen Veränderungen, häufig an lichtexponierten Arealen (z.B. aktinische Keratose).
Bei kleinen Spinaliomen (bis 2cm) ist die Heilungsrate bei über 90%. Initiale Veränderungen entsprechen oft einem chronisch-ekzemartigen Herd mit zunehmender Hornauflagerung. Später entwickelt sich ein Ulcus mit derbem Randwall und papillomatösem Grund. Exophytisches Wachstum führt zu einem verrukösen Tumor mit dicken Hornauflagerungen. Durch Tumorzerfall und bakterielle Besiedlung kommt es zu übelriechenden Belägen.
Rekonstruktive Chirurgie der äußeren Nase
In der rekonstruktiven Chirurgie sind im Bereich des Nasenrückens und der Glabella gute Voraussetzungen für lokale Rekonstruktionsmaßnahmen gegeben. Diese werden i.d.R. in Nahlappentechnik ausgeführt, da benachbartes Hautgewebe am ehesten eine vergleichbare Konstistenz und Farbe aufweist. Es bieten sich Verschiebelappenplastiken, der Rhomboidlappen und Bilobe-Flaps an. Großflächige Weichteildefekte am Nasenrücken können mittels Insellappenplastik nach Converse versorgt werden. Ausgedehnte Defekte von Nasenrücken und Nasenabhang können mit einem medianen Stirnlappen versorgt werden. Alternativ bieten sich Dreiviertel- oder Vollhauttransplantate an.
Nasenstützgerüst
Eine nachlassende Stabilität und Elastizität der knorpelige Stützstrukturen im Bereich der Nasenspitze sind Hauptursache für Nasenformveränderungen bei alternden Menschen. Dies betrifft
Absinken der Nasenspitze /Naseneingangsstenose
Die äußere Nase besitzt ein teils knorpliges, teils knöchernes Gerüst. Die paarigen Lateralknorpel und Flügelknorpel sowie das Nasenseptum bilden die Nasenspitze. Die lateralen Crura der Flügelknorpel erhalten die Öffnung der Nasenostien. Kleinere Muskelgruppen tragen zu Aussehen und Funktion der äußeren Nase bei, von denen als wichtigste der anteriore und posteriore M. dilator naris, der M. depressor septi, und der levator labi superioris zu nennen sind. All diese Muskeln dienen der Erweiterung der Nasenostien.
Das Vestibulum nasi bildet die Übergangszone zwischen äußerer und innerer Nase. Eine funktionell wichtige Region stellt die sog. Nasenklappe am Übergang vom Vestibulum zur Nasenhaupthöhle (Hinterrand der Flügelknorpel) dar. Diese Region limitiert den inspiratorischen Volumenfluß und ist für ungefähr 50% der gesamten Atemwegsresistance verantwortlich.
Altersbedingte Veränderungen führen sowohl zu einem Nachlassen von Stabilität und Elastizität der knorpligen Strukturen (Absinken der Nasenspitze / Nasenklappenstenose) als auch zu einem Nachlassen der muskulären Öffnung der Nasenostien.
Überschießendes Wachstum der Nasenhaare
Im Eingang des Vestibulum nasi finden sich die Vibrissae nasales. Diese festen Haare filtern große Festpartikel aus der Atemluft. Sie besitzen keine Mm. erector pili, sind mechanosensitiv und können über einen Reflexbogen den Niesreflex auslösen. Somit kommt ihnen wohl eine Warnfunktion zu. V.a. bei Männern im höheren Lebensalter wird häufig ein übermässiges Wachstum der Vibrissae beobachtet, wodurch ein chronischer Niesreiz ausgelöst werden kann oder oder welche einfach als kosmetisch störend empfunden werden.
Anatomie und Physiologie der Nasenschleimhaut: Altersbedingte Änderungen
Die sensible Innervation der Nasenschleimhaut wird über den ersten und zweiten Trigeminusast gewährleistet (N. ethmoidalis anterior; Nn. pterygopalatini, die sich hinter dem Ganglion pterygopalatinum aufteilen in die Nn. nasales posteriores laterales et septi und den N. nasopalatinus). Diese trigeminalen Nerven besitzen myelinisierte Gruppe-C-Fasern. Sie sind zum Beispiel am Niesreflex beteiligt. Ihr Neurotransmitter ist Substanz P. Über lokale Reflexkreisläufe dieser Nervenfasern können benachbarte Nervenäste antidrom erregt werden und Substanz-P freisetzen (neurogene Entzündung). Dies führt zur Gefäßweitstellung, Hypersekretion und erhöhter Gefäßpermeabilität.
Altersbedingte Veränderungen des Nasenepithels: Grundlage vielfältiger Störungen
Die Nasenhaupthöhle wird von 3 verschiedenen Epithelien ausgekleidet:
- nicht verhornendes Plattenepithel bedeckt den Bereich hinter dem Vestibulum nasi und reicht interindividuell unterschiedlich weit nach dorsal in die Nasenhaupthöhle hinein. Der Kopf der unteren Nasenmuschel ist oftmals ebenfalls hiervon bedeckt, ggfls. der gesamte Bereich vor der Ebene der mittleren Muschel.
- olfaktorisches Epithel wird gefunden im Bereich der Riechrinne, an der oberen Nasenmuschel und im oberen Nasengang. Auch am medialen Aspekt der mittleren Nasenmuschel werden regelmäßig olfaktorische Rezeptorzellen nachgewiesen.
- respiratorisches Epithel kleidet die übrige Nasenhaupthöhle und die Nasennebenhöhlen aus.
Das respiratorische Epithel ist gekennzeichnet durch ein mehrreihiges Flimmerepithel (zilientragende Epithelzellen), das einer deutlich abgrenzbaren Basalmembran aufsitzt. Die Flimmerepithelzellen differenzieren sich aus den Basalzellen (Ersatzzellen). Desweiteren sind Bürstensaumzellen und Becherzellen je nach Funktionszustand der Schleimhaut in unterschiedlicher Dichte in das Epithel eingestreut. Zwischen den Epithelzellen münden sero-muköse Drüsen aus der Lamina propria. Im Epithel selbst, vor allen Dingen aber im subepithelialen Raum, sind zahlreiche immunkompetente Zellen vorhanden.
Verlust des Flimmerepithels
Die zilientragenden Epithelzellen (Flimmerepithel) sind die häufigsten Zellen des respiratorischen Epithels der Nasenschleimhaut. Sie sind von zylindrischer Form und besitzen jeweils ca. 50 bis 200 Zellausstülpungen (Kinozilien = Zilien). Diese verfügen über einen eigenen Bewegungsapparat (Axonema), der aus neun Mikrotubuluspaaren besteht, die kreisförmig um zwei Zentraltubuli angeordnet sind. Durch Verschiebungen benachbarter Tubuli gegeneinander unter ATP-Verbrauch entsteht eine gerichtete Ziliarbewegung mit einer Frequenz von 8 - 12 Hz. Die Zilien sind 5 - 10 *m lang und im Basalkörperchen (Kinetosom) dicht unter der Zelloberfläche verankert. Es sind reversible Zellorganellen, d.h. sie gehen bei bestimmten Störungen der Zellfunktion verloren.
Die Bedeckung der Nasenschleimhaut mit einem konstanten zweischichtigen Flüssigkeitsfilm gewährleistet die Funktion des mukoziliaren Apparates. In der Nase bildet das Sekret aufgrund der verschieden viskösen Inhaltsstoffe eine der Luft zugewandte, stark muköse Schicht. Zu den Zilien des Epithels hin wird der Schleimfilm seröser und dünnflüssiger. Dadurch können Fremdpartikel wie auf einem leicht gelagerten klebrigen Förderband abtransportiert werden.
Dichte und Funktion der Zilien sind altersabhängig. So besitzen Personen über 75 Jahren durchschnittlich nur noch etwas mehr als die Hälfte der Kinozilien einer Vergleichsgruppe von 20-30jährigen. Auch Schlagfrequenz und –koordination ändern sich altersabhängig. Hierdurch entstehen vielfältige Probleme für die Nasenschleimhaut. So verbleiben partikelförmige Fremdstoffe wesentlich länger auf der Nasenschleimhautoberfläche und Schadstoffe können länger einwirken. Dies könnte auch zu einer erleichterten Invasivität pathogener Mikroorganismen führen.
Allerdings hat dies offensichtlich keinen Einfluss auf die typische dünnflüssige Rhinorrhoe des alten Menschen (s.u.).
Die „typische Laufnase“ des alten Menschen: Ein Problem mit vielschichtigem Hintergrund
Jedem HNO-Arzt ist das Problem der meist therapieresistenden serösen Rhinorrhoe älterer Menschen bekannt. Regelmässig sind klinisch keinerlei Besonderheiten nachzuweisen. Meist liegt in diesen Fällen eine veränderte Zusammensetzung des Nasenepithels hinsichtlich des relativen Gleichgewichts (strukturell und/oder funktionell) von Becherzellen, Bürstensaumzellen und submukösen Drüsen vor.
Becherzellen sind modifizierte Zylinderzellen, die einen hochviskösen Mukus weitgehend unabhängig von nervaler Beeinflussung als Antwort auf unspezifische lokale Reizung sezernieren. Ihre Anzahl und Funktion nimmt ab bei chronisch-entzündlichen und atrophen Schleimhauterkrankungen.
Bürstensaumzellen tragen an ihrer Oberfläche zahlreiche Mikrovilli, über die sie Wasser und Ionen aus dem Nasensekret aufnehmen können, dieses also visköser werden lassen, oder auch sezernieren können, wodurch das Sekret dünnflüssiger wird. Dies geschieht durch selektiven Transport von Natriumionen.
Die submukösen Drüsen sind gemischt sero-mukös. Die Zusammensetzung und Menge des von ihnen freigesetzten Sekrets variiert in Abhängigkeit von nervalen Einflüssen. Zusammensetzung und zweischichtiger Aufbau der Mukusschicht (dünnflüssige periziliäre Schicht = Gleitschicht; muköse Schicht auf den Zilienspitzen = Transportschicht) sind entscheidend für das Funktionieren des mukoziliaren Transports (s.o.).
Im gesamten Respirationsbereich werden innerhalb von 24 Stunden mindestens 2 Liter Sekret aktiv und passiv von den Schleimhäuten und den darin befindlichen Drüsen gebildet. Nasensekret besteht aus einer Mischung verschiedener Flüssigkeiten. Hierzu gehören die Sekrete von Becherzellen, submukösen sero-mukösen Drüsen, die Transsudation von Blutplasma, die mukosale Gewebsflüssigkeit und Anteile von Tränenflüssigkeit. Bei alternden Menschen lässt sich regelmässig ein Becherzellverlust nachweisen bei weitgehend unveränderter Struktur der submukösen Drüsen. Gesellt sich hierzu eine verringerte Resorptionskapazität an den Mikrovilli der Bürstensaumzellen, so kommt es zur typischen unkontrollierten anterioren Rhinorrhoe des alten Menschen.
Altersbedingte Störungen des Riechvermögens
Eine Reduktion der bewußten und kognitiv reproduzierbaren Chemosensorik im Alter kann einerseits durch Änderungen an den sensorischen Organen, bzw. ihrer nervalen Bahnen oder Projektionsareale, andererseits durch altersbedingte Abnahme von Aufmerksamkeit, Gedächtnisleistung oder anderer kognitiver Funktionen bedingt sein.
Lokale Schädigungen der chemosensorischen Organe können durch physiologische Alterungsprozesse auftreten, können bedingt sein durch verschiedene schädigende Einflüsse auf das olfaktorische Epithel, die während des Lebens akkumulieren (wie z. B. Virusinfektionen, Traumen, Einwirkung von Medikamenten, toxischen Substanzen oder ähnliche Einflüssen), oder können auf eine altersbedingte Zunahme der Anfälligkeit gegenüber solchen Läsion zurückzuführen sein.
Es ist bekannt, daß die physiologische Regenerationsfähigkeit (s.o.) der olfaktorischen Neurone im Alter nachläßt. Hierdurch wird das olfaktorische Epithel anfälliger für Schädigungen durch z. B. Schadstoffe und Viren. Zudem kann der Transport von Duftstoffen an die Rezeptorzellen der Regio olfaktoria durch altersspezifische Veränderungen beeinträchtigt werden. So sind Veränderungen der Menge und Zusammensetzung des olfaktorischen Sekretes im Alter beschrieben. Die Aerodynamik der Nase ist zudem häufig verändert durch ein Absinken der Nasenspitze (s.o.). Hierdurch kann die Zahl von Riechstoffmolekülen, welche die Regio olfaktoria erreicht, reduziert sein. Zudem wird diskutiert, daß altersbedingte Veränderungen beim Kauen zu einer verminderten retronasalen Zuführung von Riechstoffmolekülen über den Nasopharynx führen.
Eine große Zahl von Schadstoffen kann Riechstörungen verursachen. Dazu gehören u.a., Schwefelkohlenstoff, Schwefelwasserstoff, Chlorwasserstoff, Furfural, Arsen, Blei, Cadmium, Chromate, Nickel, Quecksilber, Formaldehyd, Nitrosegase, Schwefeldioxid, Phthalsäureanhydrid, Zementstaub, Stäube von Harthölzern, Hydrazin, Kohlenmonoxid, einige organische Lösungsmittel sowie Lösungsmittelgemische einschließlich Benzine, Rauch- und Gasgemische u.a.. Die wichtigste Schadstoffquelle ist sicherlich inhalativer Zigarettenrauch, für den eine dosisabhängige Reduktion der Riechleistung beschrieben wurde.
Die Inzidenz posttraumatischer Riechstörungen hängt von der Schwere der Kopfverletzung, vor allem jedoch von der Lokalisation ab. Als Schädigungsmechanismus liegt meist eine Transsektion der Fila olfaktoria bei De- oder Akzelerationtraumen des Frontalhirnbereichs vor. Auch Frakturen im Bereich des Siebbeines führen häufig zu Riechstörungen. Bei diesen zeigen CT- und MRT-Darstellungen oftmals auffällige Befunde im Bereich von Riechkolben, Tractus olfaktorius und unterem Frontallappen in der Form von Quetschungen, Einblutungen oder Knocheneinspießungen.
Zahlreiche internistische Erkrankungen mit sind mit Riech- und Schmeckstörungen assoziiert. Hierzu gehören insbesondere hepatische und renale Erkrankungen. Beim Diabetes mellitus ist die olfaktorische Dysfunktion mit dem Ausmaß der Makroangiopathie korreliert. Zudem ist in allen Altersstufen ein reduzierter Allgemeinzustand (Notwendigkeit kontinuierlicher Pflege, Bettlägrigkeit, schwere Allgemeinerkrankungen) assoziiert mit Riech- und Schmeckstörungen.
Zentralnervöse Erkrankungen, die im Alter zunehmen, müssen bedacht werden. So gehören olfaktorische Funktionsstörungen zu den frühen und charakteristischen Symptomen des M. Parkinson. Die Literaturangaben über Riechstörungen bei Parkinsonscher Krankheit schwanken zwischen 49% und 78%.
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