Äußerungen der Aggression und Aggressivität misshandelter Frauen in den USA
Ph. Dr. Miroslava Rosinová Forschungen und Medien beschreiben die Frauen als passive Opfer der intimen Partnergewalt. Gegenwartsstudien zeigen an den repräsentativen Stichproben, dass Frauen genauso aggressiv und manchmal fast noch aggressiver als deren intime Partner sind (Gelles, 1997). Die Aggression ist angeboren, jedoch eignet sich der Mensch konkrete Arten des aggressiven Verhaltens während des Lebensverlaufs an. Die Gewalt hat unterschiedliche Formbarkeit, deren Formen sich im Laufe der Geschichte und in einzelnen Kulturen unterscheiden, genauso wie das Maß der Toleranz in einzelnen Gesellschaften unterschiedlich ist.
Aggression wird als ein Verhalten definiert, zu deren Ziel die Absicht wird, anderen Menschen durch Anwendung zahlreicher Methoden zu schaden, wie zum Beispiel durch verbale Methoden – Beleidigungen, Drohungen durch physische Methoden – Körperverletzung, Treten, oder durch indirekte Methoden wie Klatsch oder Verleumdung (Felson, 2002). Aggressivität ist eine Prädisposition der Persönlichkeit, sich aggressiv zu verhalten, die Neigung zu feindlicher, angreifender und destruktiver Art der Handlung gegenüber den Personen, Institutionen oder sich selbst.
Aggression als Verhalten – diese Definition schlägt vor, dass man die Aggression als eine Verhaltensform und nicht als eine Emotion, ein Motiv oder eine Einstellung wahrnimmt. Der Begriff Aggression wird sehr oft im Zusammenhang mit negativen Emotionen wie Ärger oder Schädigungsabsicht oder Wille jemanden zu verletzen benutzt. Aber viele Menschen verursachen die Verletzung von einem Menschen, zu dem sie eher eine positive als negative Einstellung haben, wie in vielen Fällen von Partnergewalt. Die Neigung zur Aggression kann man am anschaulichsten mit Hilfe einer typologischen Einordnung ausdrücken, in der wir versuchen, bestimmte Verzeichnisse der Eigenschaften zu erfassen, die den Menschen mit einem größeren Risiko des aggressiven Verhaltens ausstatten. Ein Typus ist immer ein Idealmodell und ein reales Verhaltensbild ist in der Regel der Ausdruck der Kombination verschiedener Typen. Trotzdem können wir fast immer leicht feststellen, dass eine typologische Komponente der Aggressionsneigung im Vergleich zu den anderen Komponenten dominiert, besonders bei Individuen, deren Aggressionsausdrücke sich in extremeren Lagen bewegen (Čermák, 1999).
Barrat teilt die Aggression allgemein in drei Kategorien ein:
- Aggression, die im Voraus durchdacht oder gelernt wurde, die sich zwischen einzelnen Sozialgruppen und Kulturen unterscheidet;
- medizinisch begründete Aggression, die ein Ergebnis von Erkrankungen sein kann, einschließlich psychopathologischer Erkrankungen;
- impulsive Aggression, die durch einen aufbrausenden Charakter des Menschen charakterisiert wird (O´Neill, 2007).
Die Menschen werden aggressiv, wenn ihre Ziele blockiert sind oder wenn sie einen aversiven Anreiz verspüren. Psychologischer Stress, Depression, Beklommenheit, Versagen, physischer Schmerz, Trauer und Schuldgefühl können zur Aggression führen. Nach dieser Perspektive befriedigt die Aggression die innere Sehnsucht, die anderen zu verletzen, wenn sich der Mensch schlecht und frustriert fühlt. Die Menschen bevorzugen, die Quelle ihres Leidens anzugreifen, aber wenn es nicht möglich ist, verschieben sie ihre Aggression auf ein sichereres Ziel. Die Gewalt, die durch einen aversiven Anreiz produziert wird, heißt emotionale oder reaktive Aggression. Der aversive Anreiz produziert einen negativen Effekt, der rückwirkend aggressives Verhalten produziert (Felson, 2002).
Relativ lange Zeit hatte die Frage der Unterschiede im aggressiven Verhalten der Männer und Frauen eine Form, die darauf hingedeutet hat, dass Männer aggressiver und gewaltbereiter als Frauen sind und deshalb begannen sich ein paar Studien, mit der Aggression und Gewaltbereitschaft der Mädchen und Frauen zu beschäftigen (Corrado et al, 1998). Zum Verständnis der Dynamik einer aggressiven Beziehung ist es notwendig, beide Arbeitsdefinitionen der Aggression und ein Grundverständnis der Ausdrücke der Aggression bei Männern und Frauen zu besitzen. Die Studien weisen darauf hin, dass Männer und Frauen verschiedene Aggressionstypen anwenden und die Aggression aus verschieden Gründen benutzen. Der Unterschied betrifft die Häufigkeit des Auftretens und die Formen (Cavell, 2000). Die Faktoren, die zum Risiko des aggressiven und gewaltvollen Auftretens unter Frauen beitragen, vereinen die Systemvariablen (wie die Familie, Kommunität und sozialer Kontext) und individuelle (persönliche) Variablen. Gewöhnlicherweise ist es die Kombination von mehreren Faktoren (Andrews, Bonta, 1998). Ein konkretes Beispiel bilden manche Frauen, die aggressiv nur in der Richtung zu ihrem Partner (PO) sind, währenddessen andere als allgemein gewalttätig (GV) eingestuft werden. Die Forscher behaupten, dass die Aggression PO durch die Selbstverteidigung motiviert wird, wenn die Frauen in der Vergangenheit eine Ausnutzbeziehung erlebt haben und wenn sie sich angeeignet haben, dass die Aggression eine Konfliktlösung darstellt. Im Gegenteil sind die Frauen GV gewalttätig zu verschiedenen Menschen, sie haben oft eine kriminelle Vorgeschichte und erlebten auch Missbrauch in der Kindheit. Die Anwesenheit von einem Kindheitstrauma kann Hyperempfindlichkeit des Nervensystems generieren und so reagiert man auf jede Situation wie auf eine mögliche Bedrohung (Adams, 2002). Die Dynamik einer Beziehung wird von der Viktimisierung der Frau und von den Symptomen der posttraumatischen Stressstörung beeinflusst. Gegenseitiges Wirken der Variablen (wie Beziehungsdynamik, Geschichte und Frauenaggressivität) spielt eine große Rolle im Verständnis der interpersonellen Dynamik. Unterschiede im Geschlecht in der physischen Aggression deuten darauf hin, dass die männliche Aggression mehr Gewalt, Verletzungsfähigkeit, Erpressung und andere Aspekte der Drohung als die weibliche Aggression beinhaltet. Dieser Unterschied im Sozialnetz wird beim Definieren der Gewalt und beim Festlegen der Missbrauchsangelegenheit aufgrund des Geschlechtsunterschiedes für wichtig gehalten (APA, 1996). Die Kultur toleriert und unterstützt die männliche Aggression und macht Druck auf die Männer, damit sie sich maskulin verhalten. Die Frauenaggression wird trotzdem vor allem als Verteidigung der geliebten Person toleriert. Die Maskulinität wird durch Unabhängigkeit und Befugnis charakterisiert, wogegen die Femininität durch gegenseitige Abhängigkeit (La Violette, Barnett, 2000) charakterisiert wird. Die meiste Frauenaggression ist nicht gegen andere Frauen gerichtet, sondern gegen die Männer und speziell gegen die, mit denen die Frauen leben. Wenn der Frustrationsgrad unerträglich wird, sind Frauen zu so einer physischen Aggression fähig wie die Männer (Cambell, 1991). Der physischen Gewalt geht oft eine verbale Aggression voraus. Die Männer wechseln aus der verbalen in die physische Aggression viel leichter als die Frauen (Cambell, 1991). Dr. Hood erforschte die Aggression im charakteristischen Kontext und stellte fest, dass Frauen nicht weniger aggressiv sein müssen, aber sie sind anders aggressiv. Die Frauen sind in der Aggression weniger auffällig und zu ihrem Schutz haben sie gelernt, die Methoden zu selektieren, damit sie ihre Umgebung nicht provozieren. Langfristige Forschung unter der Leitung von Dr. Hood und der Kollegen an der Universität in North-Carolina belegt, dass kein Geschlecht in der Aggression größer ist, die Männer und Frauen haben nur verschiedene Waffen gewählt (Hood, in Niehoff, 1999).
An die Schlussfolgerungen der Studien der Frauenaggression knüpfte eine Gruppe von Psychologen der Universität von Minnesota an, die drei Unterkategorien des aggressiven Verhaltens identifizierte:
- Relationsaggression
- indirekte Aggression
- soziale Aggression
Die Relationsaggression umfasst die Taten, die die Beziehungen oder Gefühle der anderen beschädigt. Das Verhalten in der Relationsaggression beinhaltet das Ignorieren von jemandem, das Benutzen der negativen Körpersprache oder negativen Gesichtsausdrücke, das Sabotieren oder Bedrohen.
Die indirekte Aggression umfasst das Verhalten, in dem sich der Täter verstellt, dass es nicht seine Absicht war, dem anderen zu schaden.
In der sozialen Aggression (Beziehungsaggression) geht es um eine Art der psychischen Gewalt, deren Schwerpunkt das Manipulieren der sozialen Beziehungen im Kollektiv bildet, mit dem Ziel, den anderen zu verletzen oder pathologisch den eigenen Status zu bestätigen. Obwohl das Stereotyp besagt, dass Frauen weniger aggressiv und gewalttätig sein müssen, existiert auch in lesbischen Beziehungen die Partnergewalt (SSDV – same sex domestic violence). Archer forschte im Jahre 2000 in der Problematik der Geschlechtsunterschiede in der Aggression zwischen heterosexuellen Partnern. Die metaanalytische Forschung der Geschlechtsunterschiede in der physischen Aggression hat angegeben, dass Frauen mehr als Männer eine oder mehrere Arten der physischen Aggression angewendet haben und sie eine aggressive Handlung öfter als die Männer genutzt haben, aber in Anbetracht der Verletzungen waren Frauen verletzlicher.
Das Verhältnis zwischen Ärger und Aggression erklärt Novaco gut. Anschließende Forschung zwischen der psychiatrischen und forensischen Population, im Gefängnis sitzenden Adoleszenten, männlichen Gewalttätern mit Entwicklungsfehlern und Patienten mit erworbener Hirnverletzung haben genauso gezeigt, dass Ärger der Vorgänger der Aggression sein kann. Aber nicht jede Aggression wird durch Ärger verursacht. Manchmal dient aggressives Verhalten als ein Mittel beim Erreichen des Ziels. Es wird nicht genährt vom starken emotionalen Interesse, sondern von der Sehnsucht, ein erträumtes Ergebnis oder Ziel zu erreichen – z.B. jemanden bloßzustellen oder den anderen zu quälen. Diese Aggression ist anders als die Ärger-Aggression, wo unser Verhalten vom Ärger und Affekt geleitet wird. Novaco (2003) behauptet, dass Ärger keine ausreichende oder notwendige Ursache der Aggression ist, sondern nur wichtig zu ihrem Hervorrufen. Außerdem behauptet er, dass die Aggression nicht wirklich vom Ärger ausgelöst wird, und Ärger als individuelles emotionales Phänomen keine Aggression produziert, wenn die betroffene Person keine soziale Vorgeschichte hat, die die Wahrscheinlichkeit des aggressiven Verhaltens bildet. Die Aggression ist im Endeffekt ein sozialer Akt entweder in der physischen oder verbalen Form.
Das Ärgermodell hat zwar ursprünglich Novaco beschrieben, aber auch O´Neill spricht darüber. Das Ärgermodell entsteht im breiten Kontext und legt den Akzent auf die Faktoren der Umwelt und auf die inneren Prozesse. Die Grundidee ist, dass der Ärger ein subjektiver emotionaler Zustand ist, der die Anwesenheit der physiologischen Reizung und antagonistischen Wahrnehmungen bedeutet und die ursächliche Determinante der Aggression ist. Die Ärgerkomponente „Subjektaffekt“ ist eine kognitive Bezeichnung des emotionalen Zustandes wie „verärgert“ oder „provoziert“. Diese kognitive Bezeichnung ist ein Prozess, der weder absichtlich, noch mit Reizung verbunden sein muss. Mit diesem Prozess der kognitiven Bezeichnung ist die Neigung verbunden, antagonistisch oder konfrontationsbereit mit der Quelle der Provokation zu handeln. Dieser Aktionsimpuls wird von Dämpfungsmechanismen (innere und äußere Kontrolle) reguliert, die aber durch verschiedene Einflüsse, die die Dämpfung beseitigen (wie erhöhte Reizung, aggressives Modell, niedrige Wahrscheinlichkeit der Strafe, biochemische Reaktionen und Anreize im Kontext mit Aggression), überrollt werden können. Der Ärger ist ein bedeutender Aktivator der Aggression und hat mit ihr eine gegenseitig beeinflusste Beziehung. Der Ärger ist aber nicht dazu notwendig, damit die Aggression entsteht (O´Neill, 2007).
Die Hauptforschungsfrage bildete die Erforschung, ob sich misshandelte Frauen in unserer Forschung aggressiv verhalten, und ob ihr Verhalten aggressiver als das der nicht misshandelten Frauen ist. Gleichzeitig konzentrieren wir uns auf die Aggressionsarten, die die misshandelten Frauen in der Partnerbeziehung nutzen oder darauf, ob die misshandelten Frauen sich gar nicht aggressiv äußern und nur ihre Partner aggressiv sind.
Unsere Annahme wird mit der Forschung Archers (2000) gestützt, die in der metaanalytischen Studie festgestellt hat, dass Frauen in der intimen Beziehung sich an der physischen Aggression im gleichen Masse wie die Männer beteiligen. Daraus geht hervor, dass misshandelte Frauen sich auch in der Partnerbeziehung aggressiv verhalten. Bei misshandelten Frauen kann es zur emotionalen Aggression unter dem Einfluss ihrer vorherigen traumatischen Erfahrungen und der sich häufenden Konflikte kommen.
Die Forschung fand in den Jahren 2008 – 2010 in einer Anstalt statt, die sich auf die Opfer häuslicher Gewalt in den USA konzentrierte. Die Forschungsgruppe bildeten 30 erwachsene Frauen – Opfer häuslicher Gewalt, die im Haus für misshandelte Frauen untergebracht waren (Domestic Abuse Shelter, Florida). Wir hatten 30 komplett ausgefüllte Fragebögen zur Verfügung. Diese Zahl korrespondiert natürlich nicht mit der Opferzahl, die in DAS nach Hilfe gesucht haben. Es ist dem zu verdanken, dass manche Klientinnen die Möglichkeit, die Fragebögen auszufüllen, abgelehnt haben oder dies nicht vollständig getan haben. Die Forschungsstruktur bildeten zwei standardisierte Fragebögen, die sich mit den Äußerungen der Aggression beschäftigt haben und ein bekannter nicht standardisierter Fragebogen, der sich auf das Auftreten der Partnergewalt konzentriert.
Die Kontrollgruppe bestand aus 30 nicht misshandelten Frauen, die komplett die gleichen drei Fragebögen ausgefüllt haben. Das Durchschnittsalter der ganzen Gruppe betrug 37,6 Jahre (SD=12,15), das Durchschnittsalter der misshandelten Frauen betrug 38 Jahre (SD=13,77) und der nicht misshandelten Frauen betrug 37,2 Jahre (SD=10,50).
Methoden und Methodiken
Zur Feststellung der Aggressions- und Aggressivitätsäußerungen haben wir folgende Techniken benutzt:
Aggression Questionnaire AQ (Buss, Warren, 2000) – Aq ist eine aktualisierte Version (Buss-Durkee Hostility Inventory aus dem Jahre 1957), eine langfristige standardisierte Methode zur Messung des Ärgers und der Aggression. Sie beinhaltet 34 Einträge, die in fünf Skalen eingestuft sind – Physische Aggression (PHY), Verbale Aggression (VER), Ärger (ANG), Hostilität (HOS) und Indirekte Aggression (IND). Jeder Eintrag beschreibt eine mit der Aggression zusammenhängende Charakteristik und die getestete Person wird auf der Skala von 1=fast nie bis zu 5=sehr oft bewertet.
NOVACO Anger Scale and Provocation Inventoty, NAS-PI (Novaco, 2003) – der erste Teil (NAS) konzentriert sich auf die Komponenten der Disposition von Ärger. Der zweite Teil (PI) beschäftigt sich mit der Reaktivität von Ärger und mit verschiedenen Provokationsanreizen. NAS konzentriert sich darauf, wie jeder Einzelne Ärger auf den Skalen Cognitive (COG), Arousal (ARO), Behavioral (BEH) und Anger Regulation (REG) durchlebt – ein Subskala wurde zum Ausdruck der Ärgerkontrolle im kognitiven, aufputschenden und behavioralen Bereich erstellt. Novaco Anger Scale (NAS) beinhaltet 60 Einträge. Das Format der Antworten ist auf einer 3-Punkte-Skala mit Antwortmöglichkeiten 1= ist nie wahr, 2= manchmal wahr, 3=immer wahr ablesbar.
Der zweite Teil – Provocation Inventory (PI) beinhaltet 25 Einträge, die mit der Absicht erstellt wurden, die fünf Bereiche abzudecken, die zum Ärger führen - disrespectful treatment (unhöflicher Umgang), unfairness (Unfairness), frustration (Frust), annoying traits of others (unangenehmer Charakter der anderen), irritations (Irritation) – zum Erstellen des Total-PI- Scores. Das Ziel der Auswertung kann die spezifische Orientierung auf unterschiedliche Dispositionskomponenten zum Ärger (NAS) oder Reaktivierungen des Ärgers auf verschiedene provozierende Situationen (PI) sein.
The Conflict Tactics Scales CTS2 (Murray, Straus, Hamby, Warren, 2003) – CTS ist kein gewöhnlicher psychologischer Test und hat eine lange Geschichte. Der Test beinhaltet 78 Einträge. Jeder Eintrag hat zwei Zeilen der Beantwortungskategorien, es handelt sich um Fragen über die Taten des Befragten (wie er sich zu seinem Partner verhält) und die zweite über die Taten des Partners (wie sich der Partner zum Befragten verhält).
Der Befragte antwortet auf einer Skala von 1= einmal bis 6 mehr als 20 mal, 7= nie im vorigen Jahr aber vorher, bis 0= niemals, wie oft sich die folgende Situation im vorigen Jahr ereignet hat.
Der Test ist auf fünf Skalen eingeteilt – Negotiation (Verhandeln), Psychological Aggression (Psychologische Aggression), Physical Assault (Physischer Angriff), Injury (Verletzung) und Sexual Coercion (Sexueller Druck).
In der statistischen Verarbeitung haben wir einen t-Test für zwei unabhängige Auswahlgänge gewählt, eine nonparametrische Alternative des t-Tests ist der Mann-Whitney-Test, ein Paar-t-Test, seine nonparametrische Alternative ist der Wilcoxon-Test und die CFA–Konfigurationsfrequenz-Analyse.
Abb. 1: Fragebogen AQ – Grober Durchschnittswert und Standardabweichungen.
AQ – Aggression Questionnaire (Fragebogen), RAQTOT – AQ Total, PHY – Physische Aggression, VER – Verbale Aggression, ANG – Ärger, HOS – Hostilität, IND – Indirekte Aggression
Nach dem Bild 1(Fragebogen AQ) haben wir aus dem groben Wert Unterschiede in den Einträgen HOS (Hostilität) und PHY (Physische Aggression) zwischen den misshandelten und nicht misshandelten Frauen festgestellt. Die misshandelten Frauen haben statistisch höhere Werte bei der Kategorie Hostilität und Physische Aggression als die nicht misshandelten Frauen.
Die nicht misshandelten Frauen haben einen höheren Wert in der Verbalen Aggression und Ärger als die misshandelten, aber in dem Endergebnis AQ Total (alle 34 Einträge) gibt es keinen statistisch bedeutenden Unterschied.
Auf dem Bild Nr. 2 wurden statistisch bedeutende Unterschiede in fast allen Faktoren zwischen den misshandelten und nicht misshandelten Frauen, außer bei TOTPI (Provokation zur Aggression) festgestellt.
Ein statistisch bedeutender Unterschied auf der Bedeutungsebene alpha = 0,05 besteht in den Variablen RREG, RCOG und RTOT-NAS. Auf der Bedeutungsebene alpha = 0,1 besteht ein bedeutender Unterschied in den Variablen RBEH und RARO.
Hier finden wir statistisch bedeutende Unterschiede auf der Bedeutungsebene des Tests alpha = 0,05 in den Variablen TREG und TCOG, auf der Bedeutungsebene alpha = 0,1 auch in den Variablen RARO und TTOT-NAS.
Abb. 3: Fragebogen CTS2 – Vergleich der Durchschnittswerte der misshandelten und nicht misshandelten Frauen.
Partner – wie sich der Partner zur Befragten verhalten hat.
Self – wie sich die Befragte zum Partner verhalten hat.
Aufgrund des Bildes 3 sehen wir bei den Partnern der misshandelten und nicht misshandelten Frauen einen statistisch bedeutenden Unterschied bei allen Werten. Die Partner der misshandelten Frauen benutzten am meisten PSY (Psychologische Aggression) und PHY (Physische Aggression) Die Partner der nicht misshandelten Frauen benutzten am meisten NEG (Verhandeln – positive Taktik).
Ein statistisch bedeutender Unterschied besteht zwischen den misshandelten und nicht misshandelten Frauen inden Werten Injury (Verletzung), PHY (Physische Aggression), PSY (Psychologische Aggression) und NEG (Verhandeln). Misshandelte Frauen äußerten sich aggressiver in allen Faktoren, aber auch in NEG (in der positiven Taktik des Verhandelns).
Diskussion
Bei den misshandelten Frauen sind die höchsten Werte bei den Kategorien Physische Aggression, Mean = 58,10 und Hostilität, Mean = 57,47. Diese Werte fallen noch in den Bereich des höheren Durchschnitts. Physische Aggression bedeutet die Anwendung von Kraft zum Ausdruck von Ärger und Aggression. Bei manchen Menschen ist ein hoher Wert das Ergebnis von extrem hohem Grad der Aufregung, Irritation und Ärger, was sehr gut auf misshandelte Frauen zutrifft, die unter großem Druck standen. Hohe Werte bei Hostilität bedeuten, dass der Mensch nicht fähig ist, die Bedürfnisse oder Gefühle der anderen zu beachten. Emotionale Unruhe und soziale Isolation sind bei den Menschen mit erhöhten Werten sehr wahrscheinlich. Sie haben einen hohen Prozentsatz an Erfahrungen mit aggressiven Gedanken und identifizieren sich mit den Gedanken, dass die anderen sie verletzen wollen. Manchmal können sie am depressiven Syndrom und an Essstörungen leiden. Bei den nicht misshandelten Frauen waren überraschend die Werte bei der Kategorie Verbale Aggression erhöht, die aber auch im Bereich des höheren Durchschnitts liegt. Höhere Werte sind oft bei Menschen vertreten, die sich frustriert oder gestresst fühlen. Aufgrund des Fragebogens AQ kann man deshalb nicht sagen, dass die misshandelten Frauen aggressiver als die nicht misshandelten Frauen sind, Unterschiede sind nur in der Art der benutzten Aggression.
Im Fragebogen Novaco haben wir bei den misshandelten Frauen den Wert im höheren Durchschnitt in den Faktoren BEH und COG festgestellt. TOTNAS = 56,97 und TOTPI = 56,57 fallen auch in den höheren Durchschnitt. Ein statistisch bedeutender Unterschied auf der Bedeutungsebene alpha = 0,05 besteht in den Variablen RREG, RCOG und RTOT-NAS. Auf der Bedeutungsebene alpha = 0,1 besteht ein bedeutender Unterschied in den Variablen RBEH und RARO. Das bedeutet, dass aufgrund des Fragebogens Novaco sich die misshandelten Frauen aggressiver als die nicht misshandelten Frauen äußern. Gemeinsame Werte der misshandelten und nicht misshandelten Frauen lagen im Standarddurchschnitt.
Aufgrund der Ergebnisse aus dem Fragebogen CTS2 können wir sehen, das die misshandelten Frauen den höchsten Wert SELF hatten (wie sich die Befragte zum Partner verhalten hat) in den Kategorien NEG und PSY.
NEG – Verhandeln, beinhaltet 6 positive Konflikttaktiken, die auf das Erreichen einer konstruktiven Lösung orientiert sind, wie emotionale Unterstützung, Respekt, Kompromiss, Fürsorge, Erklärung und Optimismus. Laut unserer Ergebnisse bedeutet das, dass die misshandelten Frauen in der Richtung zu ihrem Partner versuchten zu verhandeln und eine Lösung zu suchen.
PSY – Psychologische Aggression, beinhaltet verbale oder symbolische Taten, mit der Absicht dem anderen psychischen Schmerz oder Angst zuzufügen. Es ist deshalb möglich, dass in einer Misshandlungsbeziehung sich bei dem Opfer die Hassgefühle und Schädigungsgefühle zum Partner abwechseln.
Die misshandelten Frauen bewerteten die Taten ihrer Partner folgendermaßen: der höchste Wert bei den Partner vertreten PSY - Psychologische Aggression und PHY - Physische Aggression. Laut Fragebogen CTS2 waren die Partner der misshandelten Frauen psychisch und physisch aggressiv. Was aber nach dem Wert INJURY (Verletzung) interessant ist, die misshandelten Frauen fügten den Partnern mehr Verletzungen zu als umgekehrt, was sich aber nicht mit dem Wert PHY - Physische Aggression deckt, den die Partner deutlich höher hatten. Aufgrund des Tests CTS2 können wir behaupten, dass die misshandelten Frauen aggressiver als die nicht misshandelten Frauen waren und sie ihre Partner öfter verletzt haben als die Partner sie.
Viele ausländische Studien widmen sich der Aggressionsproblematik nach Gender. Weil wir die Fragebögen von den Partnern der Frauen nicht zur Verfügung hatten, konnten wir nicht vergleichen wie z. B. Archer (2000), der festgestellt hatte, dass Frauen mehr physische Aggression nutzten und mehr Verletzungen verursachten als Männer. Hier kann man aber über die Ernsthaftigkeit der Verletzung diskutieren, denn die Frauen verfügen nicht über eine solche physische Kraft wie die Männer (Browne, 1987).
Im Fragebogen AQ haben wir keine größeren Unterschiede in der Aggression zwischen den misshandelten und nicht misshandelten Frauen festgestellt, aber in den Fragebögen NOVACO und CTS2 haben wir Unterschiede festgestellt, und zwar haben sich die misshandelten Frauen im Vergleich zu den nicht misshandelten Frauen als aggressiver geäußert.
Ph. Dr. Miroslava Rosinová
Universität Tyrnaviensis (Slowakei) Fakultät für Philosophie, Fachgebiet Sozialpsychologie
Email: mirka.ross@googlemail.com
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