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Vor neun Jahren setzte sich eine Gruppe von Forschern zum Ziel herauszufinden, ob eine Supplementation mit Folsäure, VitaminB6 und B12 das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen senken kann. In der Hoffnung, eine große, prospektive, randomisierte Untersuchung würde Licht das Dickicht widersprüchlicher Studiendaten bringen, rekrutierte man 5522 Probanden aus Kanada, den USA, Brasilien, Westeuropa und der Slowakei und nannte das Projekt Heart Outcomes Prevention Evaluation 2 (HOPE-2).
Dass bereits diese Teilnehmer-Auswahl das Vorhaben zur Zielscheibe für Kritiker machen würde, merkte man erst später: Zwei Drittel der eingeschlossenen Personen stammten aus Regionen mit gesetzlicher Folsäure-Anreicherung, sodass sich eigentlich bereits Zweifel hätten melden müssen, ob die Power der Studie überhaupt ausreichen würde, wenn Teile des möglichen Vitamineffekts durch die Anreicherung von vornherein „neutralisiert“ worden sind.
Hinzu kam ein zweiter Stolperstein: Baseline wurden nur bei einem Teil der Probanden B-Vitamin- und Homocystein-Plasmaspiegel gemessen; Folsäure- und B12- Werte nach 2 Jahren Laufzeit nur noch bei 20% der Teilnehmer und nach 5 Jahren überhaupt nicht mehr.
Die Verfasser kamen jedenfalls in der ersten HOPE-2-Publikation zu dem Schluss, dass kein Unterschied zwischen Kontroll- und Interventions-Gruppe bestehe, sprich die Vitamin-Supplementierung keine Auswirkungen vaskuläre Ereignisse habe. Man warnte sogar ausdrücklich davor, das einzige signifikante Ergebnis, die relative Risikoreduktion von 24% für Schlaganfall in der Interventionsgruppe allzu wichtig zu nehmen [1].
Die Argumentation geht hochwissenschaftlich weiter: Als zusätzlichen Beweis für die Nichtigkeit des gesenkten Schlaganfall-Risikos führen die Verfasser an, dass die beiden anderen großen Studien zu Homocystein senkenden Vitaminen schließlich auch keinen positiven Effekt entdeckt hatten. Gemeint waren hier NORVIT [2] und VISP [3]. Somit sah sich die HOPE-2 in guter Gesellschaft. Wie gut die ‚großen Drei‘ tatsächlich harmonierten, stellte sich kurze Zeit später heraus: Alle wurden heftig kritisiert und im Mittelpunkt stand immer in erster Linie die Methodik.
Angesichts der turbulenten Debatten sah sich schließlich das HOPE-2 -Team seine Daten noch einmal genauer an. Die jetzt veröffentlichte Analyse der Schaganfallhäufigkeit attestiert der Behandlung mit B6, B12 und Folsäure plötzlich doch Wirksamkeit.
„In dieser randomisierten klinischen Studie reduzierte die Vitaminkombination das Schlaganfall-Risiko um 25%. Es war eine ausreichend lange Behandlung nötig, bis dieser Effekt sichtbar wurde (3 Jahre oder mehr).“
Letztendlich kommen die HOPE-2-Forscher zu folgendem Ergebnis:
-Verringerung der durchschnittlichen Plasma-Homocystein-Konzentration der Verum-Gruppe um 2,2 µmol/l; dem gegenüber ein Anstieg des Werts in der Placebo-Gruppe um 0.8 µmol/l
-Die Häufigkeit eines Schlaganfalls betrug in der supplementierten Gruppe 0,88; in der Placebo-Gruppe 1,15 für jeweils 100 Personen-Jahre
-Folgende Subgruppen profitierten am meisten von der B-Vitamin-Kombination:
•jünger als 69 Jahre,
•aus Regionen ohne Folsäure-Anreicherung der Nahrungsmittel,
•höheres Cholesterin zu Beginn der Studie,
•höheres Homocystein zu Beginn der Studie,
•keine Antikoagulantien bei Studienbeginn,
•keine Lipid senkende Medikation bei Studienbeginn.
Kurz, die Senkung von Homocysteinwerten mit Folsäure, Vitamin B6 und B12 reduzierte das Gesamtrisiko für Schlaganfall, nicht aber die Schwere der Hirninfarkte oder die daraus resultierenden Behinderungen.
In Anbetracht der ‚methodischen Unvollkommenheit‘ der Studie schließt der zweite HOPE-2-Akt mit den Worten: „Aktuell laufende klinische Studien dürften helfen, festzulegen, ob Folsäure- und B-Vitamin-Supplementierung bei der Reduktion des Schlaganfall-Risikos effektiv sind und welche Patientengruppen am wahrscheinlichsten Nutzen aus dieser Behandlung ziehen.“ [4]
Referenzen:
[1] Lonn E et al. (2006): Homocysteine Lowering with Folic Acid and B Vitamins in Vascular Disease. N Engl J Med 354.
[2] Bønaa KH et al. (2006): Homocysteine lowering and cardiovascular events after acute myocardial infarction. N Engl J Med 354.
[3] Toole JF et al. (2004): Lowering homocysteine in patients with ischemic stroke to prevent recurrent stroke, myocardial infarction, and death: the Vitamin Intervention für Stroke Prevention (VISP) randomized controlled trial. JAMA 291:565-75.
[4] Saposnik et al. (2009): Homocysteine Lowering Therapy and stroke Risk, Serverity, and Disability. Additional Findings From the HOPE2 Trial. Stroke. Epub ahead of print.
Quelle: Medice
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