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Schwedische Forscher um Zylberstein fanden in der kürzlich veröffentlichten "Prospective Population Study of Women in Gothenburg“ [1] heraus, dass hohe Homocysteinspiegel im mittleren Lebensalter das Risiko erhöhen, in späteren Jahren an Demenz zu erkranken. Dabei hatten Probanden im Tertil mit den höchsten Homocysteinwerten im Vergleich zum Tertil mit den niedrigsten Werten ein um 70% höheres Risiko eine Alzheimer Demenz zu entwickeln. Ein Zusammenhang zeigte sich erst nach 22 Jahren Follow-up.
Wissenschaftler erforschen seit geraumer Zeit die Frage, ob hohe Homocysteinspiegel das Demenzrisiko erhöhen. Bisherige Studien untersuchten zumeist ältere Patienten 70 + bei einem maximalen Follow-up von 8 Jahren und konnten deshalb kaum Aussagen über präventive Maßnahmen treffen. Die erst kürzlich veröffentlichte Studie von Zylberstein et al., in der Menschen mit einem Durchschnittsalter von 47 Jahren über 35 Jahre lang beobachtet wurden, wirft ein völlig neues Licht auf die Erforschung der Prävention von Demenzerkrankungen.
Die Forscher untersuchten in der prospektiven Populationsstudie 1368 schwedische Frauen im Alter von 38 bis 60 Jahren. Sie stellten die Frage, ob ein Zusammenhang zwischen den Plasma-Homocysteinspiegeln im mittleren Lebensalter und dem späteren Auftreten einer Demenzerkrankung besteht.
Zu Beginn der Studie im Jahr 1968 wurden Baseline-Daten zum Gesamthomocystein und weiteren Faktoren wie Creatinin-, Triglycerid-, Cholesterin- oder Vitamin B12-Spiegel erhoben. Zudem wurden Blutdruck und BMI (Body Mass Index) erfasst. Zusätzlich fanden Befragungen zur Anamnese, zu Risikofaktoren wie Rauchen und den allgemeinen Lebensumständen statt. In psychiatrischen Untersuchungen wurden die Probanden auf eine Demenzerkrankung überprüft.
Während des Follow-up über 35 Jahre fanden in den Jahren 1974/75, 1980/81, 1992/93 und 2000-2003 Nachfolgeuntersuchungen statt: In kognitiven Tests wurden Erinnerungs- und Orientierungsvermögen, räumliches Sehen sowie Sprachverständnis untersucht, um Demenzerkrankungen zu diagnostizieren. Zudem wurden Befragungen zu Veränderungen im Verhalten und der kognitiven Leistungsfähigkeit, sowie standardisierte Fragebögen (IQCODE) für Diagnosekriterien hinzugezogen. Aufgetretene Demenzerkrankungen wurden laut DSM-III-R (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) Kriterien erfasst und in folgende Subtypen eingeteilt:
• Alzheimer Demenz mit oder ohne zerebrovaskuläre Erkrankung
• reine vaskuläre Demenz, wenn nach einer neurologischen Ausfallerscheinung innerhalb eines Jahres eine Demenzerkrankung auftrat
• Demenz mit zerebrovaskulärer Erkrankung, bei Patienten mit aufgetretenem Schlaganfall und Demenz, wobei der zeitliche Zusammenhang zwischen einer neurologischen Störung und dem Auftreten der Demenzerkrankung nicht berücksichtigt wurde (in dieser Gruppe waren demnach reine vaskuläre Demenz-Fälle sowie Alzheimer Demenz mit zerebrovaskulärer Erkrankung erfasst)
Während des Follow-up erkrankten insgesamt 151 Frauen an Demenz (Tabelle 1). Bei 100 Probanden trat M. Alzheimer auf, wobei 68 der Frauen eine zusätzliche zerebrovaskuläre Erkrankung aufwiesen. 37 Patienten zeigten eine reine vaskuläre Demenz und 14 Probanden andere Demenz-Formen.
Die im Jahr 1968 aufgenommenen Baseline-Daten wurden mithilfe von Cox-Regressionsanalysen zu den zwischen 1968 und 2003 diagnostizierten Demenzerkrankungen in Beziehung gesetzt und die Hazard Ratios für jedes Tertil Gesamthomocystein bestimmt. Das niedrigste Tertil wurde als Referenzwert mit einer Hazard Ratio=1 gesetzt.
Probanden mit einem Gesamthomocystein des höchsten Tertils (≥ 12,6 µmol/L) hatten verglichen mit dem niedrigsten Tertil (≤ 9,8 µmol/L) ein höheres Risiko an irgendeiner Form von Demenz zu erkranken (Hazard Ratio HR=1,67, 95% CI 1,10-2,57). Auch das Risiko für M. Alzheimer lag im dritten Tertil mit HR= 2,13 (95% CI 1,22-3,73) signifikant höher als das des ersten und zweiten Tertils. Bei Alzheimer-Demenz ohne zerebrovaskuläre Erkrankung lag die Hazard Ratio bei 2,43 (95% CI 1,25-4,71), wenn nach Alter, Bildungsstand, Creatinin- und Vitamin B12-Spiegel sowie Risikofaktoren justiert wurde.
Betrachtet man die Homocysteinspiegel der Probanden mit M. Alzheimer und zerebrovaskulärer Erkrankung, so zeigt sich, dass die Studienteilnehmer des höchsten Tertils mit Homocysteinwerten über 12,6 µmol/L verglichen mit den Personen mit niedrigeren Homocysteinwerten zeitlich früher erkrankten. Dieser Zusammenhang zeichnete sich jedoch erst nach etwa 22 Jahren ab.
Die vorliegende Studie zeigt einen signifikanten Zusammenhang zwischen den im Jahr 1968 bestimmten Homocysteinwerten und den in den folgenden 35 Jahren aufgetretenen Demenzfällen. Vor allem bei Demenz vom Alzheimer-Typ sowie bei Alzheimer Demenz mit zerebrovaskulärer Erkrankung war dieser Zusammenhang erkennbar. Dass sich die beiden Untersuchungsarme erst nach 22 Jahren trennten, lässt vermuten, dass Demenz-Prävention bereits im mittleren Lebensalter beginnen sollte: So trägt eine gesunde Ernährung zu niedrigen Homocysteinspiegeln bei und die Bestimmung des Plasma-Homocysteins ermöglicht eine rasche Senkung bei hohen Werten.
[1] Zylberstein DE, Lissner L, Björkelund C, Mehlig K, Thelle DS, Gustafson D, Östling S, Waern M, Guo X, Skoog I (2009): Midlife homocysteine and late-life dementia in women. A prospective population study. Neurobiology of Aging [Epub ahead of print]
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