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Migränepatienten mit Aura haben ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall [1]. Deshalb steht Migräne als Kontraindikation für östrogenhaltige Medikamente in den Fachinformationen. Neuen Untersuchungen zufolge tragen Migräne-Patienten mit Aura überdurchschnittlich häufig eine genetische Variante der Methylen-Tetrahydrofolat-Reduktase (MTHFR), deren Enzym-Aktivität reduziert ist [2].
Die MTHFR katalysiert mit Tetrahydrofolat als Koenzym die Synthese von Methionin aus Homocystein. Etwa 140 biochemische Synthesen im Stoffwechsel bauen auf dieser Reaktion auf. Der C677T-Polymorphismus tritt homozygot bei etwa 10% bis 15% der Bevölkerung auf. Träger dieser Variante mit verminderter Enzym-Aktivität haben ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Diese negativen Auswirkungen können durch ergänzende Verabreichung von B-Vitaminen kompensiert werden.
Allerdings sind die pathophysiologischen Zusammenhänge zwischen Migräne-Aura und MTHFR-Polymorphismus noch ungeklärt. Es ist jedoch plausibel, dass das erhöhte Risiko für Schlaganfall bei Migräne-Patienten mit Aura in Zusammenhang mit Defiziten im Methylierungszyklus steht. Ursache für das erhöhte Schlaganfallrisiko könnte folglich ein absoluter B-Vitaminmangel oder ein relativer Mangel verursacht durch eine MTHFR-Variante mit verringerter Aktivität sein.
Methylentetrahydrofolatreduktase (MTHFR)
Genlokalisation: 1p36.3, 11 Exone
Schlüsselenzym des Homocysteinstoffwechsels
Zahlreiche Mutationen und Polymorphismen sind bekannt
1988: Beschreibung eines thermolabilen Enzyms, Assoziation mit koronarer Herzkrankheit
1995: Beschreibung eines häufigen und funktionellen Basenaustausches an Position 677 (MTHFR C677T), der zu einer Veränderung der Aminosäuresequenz im Protein führt (Alanin zu Valin)
- TT-Genotyp:
- Enzymaktivität um 70% verringert
- ca. 20-25% höhere Homocysteinspiegel
- Homocysteinsenkung nach Behandlung mit den B-Vitaminen Folsäure, B6 und B12
- ca. 15% erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen
- Erhöhung des Risikos für Neuralrohrdefekte
- Erhöhtes Risiko für Depression, Demenz und Osteoporose (S. JournalMED im Dezember und Januar)
[1] Kurth T, Gaziano JM, Cook NR, Logroscino G, Diener HC, Buring JE (2006):
Migraine and risk of cardiovascular disease in women. JAMA 296(3):283-91
[2] Todt U, Freudenberg J, Goebel I, Netzer C, Heinze A, Heinze-Kuhn K, Gobel H, Kubisch C (2006) :MTHFR C677T polymorphism and migraine with aura. Ann Neurol in print.
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