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Gesundheitspolitik

08. Oktober 2020 Digitalisierung und COVD-19 – Wie machen es die europäischen Nachbarn?

Wie bewältigen andere EU-Mitgliedsstaaten die COVID-19-Pandemie? Welche digitalen Anwendungen nutzen sie und welche Erfahrungen haben sie damit gemacht? Diese Fragen wurden im Rahmen der internationalen Web-Konferenz „Starke Gesundheitssysteme 2020/Resilient Health Systems 2020“, kurz #healsy20, diskutiert, zu der die Kassenärztliche Bundesvereinigung eingeladen hatte.
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Schweiz: Temporärer Digitalisierungsschub

In der Schweiz stellen die CSS Versicherungen und Telmed Switzerland den Versicherten vier digitale Werkzeuge zur Verfügung, die folgende Services bieten: Ersteinschätzung von Symptomen, medizinische Beratung per Telefon, eine 24-Stunden Beratungshotline und eine App zur Organisation persönlicher versicherungsrelevanter Inhalte. All diese Möglichkeiten seien bereits vor COVID-19 gut genutzt worden, so Maximilian Brandt. Wie er weiter berichtete, stieg die Nutzung der Telemedizin mit Beginn der Pandemie um 30% und die Nutzung der Symptomeinschätzung sogar um 500% an. Zwischen April und August normalisierte sich diese Entwicklung aber wieder. Mehr noch: Die Patienten seien sehr schnell auf die „bekannten Pfade“ zurückgekehrt: „Viele wollen ihren Arzt wieder persönlich sehen“, so Brandt. Sein Fazit: Die digitalen Angebote wurden verstärkt genutzt, dies war aber nicht anhaltend.

Finnland: Nationale Plattform hat sich bewährt

Finnland gilt mit seinem nationalen Gesundheitsservice als Vorreiter für ein digitales Gesundheitssystem. Wie Dr. Liisa-Maria Voipio-Pulkki vom Ministerium für Soziales und Gesundheit berichtete, sollen demnächst auch Daten aus Biobanken und einem Genomcenter integriert werden. COVID-19 sei auch in Finnland ein Stresstest gewesen, sagte sie. Innerhalb kürzester Zeit wurden digitale Werkzeuge zur Symptomerfassung, eine App zum Echtzeit-Monitoring von Intensivkapazitäten und eine Kontaktverfolgungs-App entwickelt. Letztere sei bereits im ersten Monat von 40% der Bürger heruntergeladen worden. Voipio-Pulkkis Fazit: Das System ist gut, aber nicht perfekt. Verbessert werden müssen die nationale Interoperabilität, das Monitoring von Ressourcen und die länderübergreifende europäische Kooperation.

Mobile Apps auf einen Blick

Ziel des European mHealth Hub ist es, das Potenzial von mobilen Gesundheitsanwendungen zu fördern und entsprechende Strategien zu implementieren. Wie Belén Sotillos (Spanien) berichtete, geht diese Initiative unter anderem auf Erfahrungen mit der Ebola-Endemie in der Demokratischer Republik Kongo zurück. Auch hier ging es darum, Kontakte zurückzuverfolgen. Sotillos stellte eine Plattform mit Apps vor, die im Rahmen von COVID-19 in verschiedenen Ländern der EU entwickelt wurden. Derzeit sind hier etwa 80 Apps gelistet. Die EU-Kommission arbeite daran, die Apps länderübergreifend zur Verfügung zu stellen, so Sotillo. Ihr Fazit: Wir brauchen Informationen zur Wirksamkeit der Apps.

Ethik kommt bisher zu kurz

Seit kurzem sind in Deutschland digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) erstattungsfähig. Dr. Sarah Becker vom deutschen Institut für digitale Transformation im Gesundheitswesen nahm dies zum Anlass, die Geschäftsmodelle der Anbieter zu hinterfragen: Nur der Verkauf von Daten sei lukrativ genug, um die Investitionskosten zu decken, so Becker. Am Beispiel einer Menstruations-App machte sie deutlich, welche Daten das sind: Mehr als 120 Kategorien werden erfasst, darunter Informationen zur Menstruation, dem Befinden, dem Sozialleben und der Sexualität. Ihr Fazit: Wir brauchen eine europaweite digitale Leitlinie zu ethischen Fragestellungen.

Anne Krampe-Scheidler

Quelle: Web-Konferenz „Starke Gesundheitssysteme 2020/Resilient Health Systems 2020“ (#healsy20)


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