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16. November 2018 Diabetes Management: Multifaktorielle Wirkweise von GLP-1 RA

Im komplexen Krankheitsbild des Typ-2-Diabetes fallen besonders die assoziierten Komorbiditäten ins Gewicht. Hierbei stehen atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankungen ganz klar im Fokus: Eine Therapie, die frühzeitig das kardiovaskuläre (CV) Risiko adressiert, kann den Verlauf des Typ-2-Diabetes begünstigen. Geeignet sind beispielsweise GLP-1 Rezeptor Agonisten (RA), wie Liraglutid oder Semaglutid, die nicht nur den HbA1c-Wert, sondern auch schwere CV-Ereignisse nachweislich senken konnten (1,2,3). Über den multifaktoriellen Wirkansatz der GLP-1 RA für heutige und zukünftige Therapiekonzepte von Menschen mit Typ-2-Diabetes, diskutierten international renommierte Experten bei der Veranstaltunga von Novo Nordisk anlässlich der diesjährigen Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) in Wiesbaden.
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Bereits heute stehen mit GLP-1 RA, wie Liraglutid (Victoza®), Antidiabetika zur Verfügung, die an verschiedenen molekularen Zielstrukturen im Organismus ansetzen und bei Menschen mit Typ-2-Diabetes eine effektive Stoffwechselkontrolle fördern können (3). Zusätzlich führte der GLP-1 RA zu einer Reduktion des systolischen Blutdrucks (1,3), was sich positiv auf das CV-Risiko auswirken könnte. In Mausmodellen für Atherosklerose beugte Liraglutid der Entwicklung aortischer Plaques vor und reduzierte Entzündungen in den Plaques. Weiterhin zeigte Liraglutid positive Auswirkungen auf die Plasmalipide (3).

Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und hohem kardiovaskulärem Risiko konnte der GLP-1 RA nachweislich das Risiko für das Auftreten schwerer kardiovaskulärer Ereignisse (Überlegenheit gegenüber Placebo hinsichtlich MACEb) und für die Gesamtmortalität senken (1,3).  „Gerade für Hochrisikopatienten ist die Wirkung des Antidiabetikums auf kardiovaskuläre Parameter entscheidend für die Therapiewahl“, machte die Kardiologin Dr. Katharina Schütt, Aachen, deutlich. Dies zeigt sich auch in den aktuellen Leitlinienempfehlungen (4,5,6). „Im Consensus Report4 von ADA (American Diabetes Association) und EASD (European Association for the Study of Diabetes) wird in der Zweitlinientherapie nach Metformin bei Patienten mit atherosklerotischer Erkrankung die Gabe von Substanzen mit nachgewiesener CV-Risikoreduktion empfohlen, wie GLP-1 RA, z. B. Liraglutid oder SGLT-2 Inhibitoren“, erläuterte Dr. Schütt.

Mit GLP-1 RA das Herz mitbehandeln

Diese Evidenz basiert auf Daten der LEADER Studie (1). Darin konnte für Liraglutid bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und hohem kardiovaskulärem Risiko eine Reduktion des Risikos für kardiovaskuläre Todesfälle um 22% (p = 0,007) gegenüber Placebo (jeweils kombiniert mit einer Standardtherapiea) nachgewiesen werden. Auch die Gesamtmortalität war um 15% (p = 0,02) verringert. Weiterhin zeigte sich eine signifikante Reduktion des Risikos für schwere kardiovaskuläre Ereignisse (MACE)b um insgesamt 13% (p = 0,01). Auch für Semaglutid (Ozempic®)wurde in SUSTAIN bei Patienten mit Typ-2-Diabetes (6) und hohem kardiovaskulärem Risiko eine Risikoreduktion für den primären Endpunkt (MACE)c im Vergleich zu Placebod um 26% (p = 0,02) belegt (2). Die Studiendaten der beiden GLP-1 RA zeigen eindrücklich, dass eine moderne Therapie des Typ-2-Diabetes mehr als glykämische Kontrolle bietet und stellen dabei das Herz in den Fokus.

Individuelle Therapiekonzepte bei Typ-2-Diabetes

Durch ein besseres Verständnis der Krankheitsmechanismen des Typ-2-Diabetes wird es möglich, immer individuellere Präventions- und Therapiemaßnahmen zu entwickeln. Hierbei spielen multifaktoriell wirksame Therapien weiterhin eine zentrale Rolle. Prof. Dr. Jochen Seufert, Freiburg, führte aus: „Zukünftige Therapiekonzepte wie GLP-1R/Glucagon-Rezeptor (GCGR) Co-Agonisten oder GLP-1R/GCGR/ Glucose-dependent Insulinotropic Polypeptide Receptor (GIPR) Tri-Agonisten (7,8) kombinieren mehrere molekulare Zielstrukturen und können so die Behandlung von Patienten mit Typ-2-Diabetes noch effizienter und sicherer machen.“ Dies wird derzeit in verschiedenen Phase-I- und Phase-II-Studien untersucht. Zusätzlich soll die Verabreichungsform von Antidiabetika hin zu oralen Formulierungen von GLP-1 RA vereinfacht werden.


a Die Standardtherapie bestand aus Lebensstiländerungen, blutzuckersenkenden und kardiovaskulär wirkenden Substanzen.
b Definiert als Zeit ab Randomisierung bis zum ersten Auftreten eines kardiovaskulären Ereignisses, bestehend aus kardiovaskulärem Tod, nicht-tödlichem Herzinfarkt oder nicht-tödlichem Schlaganfall (p < 0,001 für Nichtunterlegenheit; p = 0,01 für Überlegenheit).
c Definiert als Zeit ab Randomisierung bis zum ersten Auftreten eines kardiovaskulären Ereignisses, bestehend aus kardiovaskulärem Tod, nicht-tödlichem Herzinfarkt oder nicht-tödlichem Schlaganfall.
d Jeweils als Zusatz zur Standardtherapie. Die Standardtherapie umfasste orale Antidiabetika, Insulin, Antihypertensiva, Diuretika und lipidsenkende Therapien.

Quelle: NovoNordisk

Literatur:

(1) Marso SP et al. N Engl J Med 2016;375:311–322 zu Victoza®.
(2) Marso SP et al. N Engl J Med 2016;375:1834–1844 zu Ozempic®.
(3) Fachinformation Victoza®, aktueller Stand.
(4) Davies MJ et al. Diabetologia 2018; 61:2461–2498.
(5) ADA Diabetes Care. 2018;41 (Suppl. 1):S1–S135.
(6) Landgraf R et al. Diabetologie 2017;12(Suppl. 2):S141–S156.
(7) DiMarchi R. American Diabetes Association 78th Scientific Sessions, June 23 2018, Orlando, FL, USA.
(8) Brandt, Kleinert, Tschopand Muller J. Endocrinology 2018, in press.


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