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07. Dezember 2017 Förderstipendien für Arbeiten zur Diagnose bei Blutvergiftungen und weniger Risiken bei künstlicher Beatmung

Eine schnellere Diagnose bei Blutvergiftungen und weniger Risiken bei künstlicher Beatmung: Mit diesen Themen beschäftigen sich 2 wissenschaftliche Arbeiten, die gerade beim Jahreskongress der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) mit dem Förderstipendium der DIVI-Stiftung ausgezeichnet worden sind.
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Die Preisträger sind Dr. Christian Scheer von der Universitätsmedizin Greifswald sowie Mahdi Taher von der Charité Universitätsmedizin Berlin. Beide erhalten jeweils die volle Fördersumme über 10.000 Euro. Das ist eine Besonderheit, denn üblicherweise schreibt die Stiftung nur ein Stipendium im Jahr aus. „Dieses Mal haben uns aber diese beiden Arbeiten so deutlich überzeugt, dass wir unbedingt fördern wollen“, sagt Stiftungsvorstand Prof. Gerhard W. Sybrecht.

Diagnostik von Patienten mit Blutvergiftungen

Im Mittelpunkt der Arbeit von Christian Scheer (36) steht die schnellere Diagnostik von Patienten mit Blutvergiftungen, also Sepsis. Scheer ist Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmediziner der Klinik für Anästhesiologie an der Universitätsmedizin Greifswald. Das Stipendium fließt in seine sogenannte BEMIDIA-Studie, die die Blutkulturdiagnostik am Patientenbett mit der mikrobiologischen Standarddiagnostik im Labor vergleicht. „Nach der Blutabnahme werden die Blutkulturen in mikrobiologische Labore transportiert, dort inkubiert und die Erreger diagnostiziert. In Deutschland ist ein Transport in ausgelagerte Labore durchaus üblich. Die Diagnostik dauert in der Regel 2-3 Tage bis zum endgültigen Ergebnis“, erklärt Scheer das Problem.

Diagnose nach 1 Stunde

Die Vorteile einer bettseitigen Blutkulturdiagnostik: Die Blutkulturen werden direkt vor Ort auf der Intensivstation inkubiert. Aus positiven Blutkulturen kann dann innerhalb weniger Stunden der Erreger inklusive Resistogramm identifiziert werden. „Der geförderte Preisträger Christian Scheer will nachweisen, dass durch eine bettseitige mikrobiologische Analyse auf der Intensivstation eine frühere Erregerdiagnostik möglich ist, und so die Antibiotikatherapie früher optimiert werden kann. Die Jury hat diesen klinisch höchst relevanten Diagnostikansatz gewürdigt. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse dieses Ansatzes“, begründet Prof. Gerhard W. Sybrecht die Entscheidung der Jury. „Über das Förderstipendium der DIVI-Stiftung freuen wir uns wirklich sehr“, sagt Christian Scheer. „Die Patientenrekrutierung der BEMIDIA-Studie ist nahezu vollständig. Das Stipendium ermöglicht uns jetzt eine zügige Auswertung und einen schnellen Abschluss der Studie. Dies ist eine enorme Hilfe.“

Erforschung des Lymphsystems im Zusammenhang mit künstlicher Beatmung

Der zweite Preisträger, Mahdi Taher ist Assistenzarzt an der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin der Charité in Berlin. Dort untersucht er im Labor für angewandte Physiologie das Verhältnis zwischen Lymphgefäßsystem und künstlicher Beatmung. Werden Patienten über einen längeren Zeitraum künstlich beatmet, kann die Lunge geschädigt werden. Dies kann zu einer schweren Entzündungsreaktion führen. Ein funktionierendes Lymphgefäßsystem könnte zu einer Abheilung des Entzündungsgeschehens beitragen. Ist das Lymphgefäßsystem gestört und der Lymphabfluss eingeschränkt, können die Entzündungsherde nicht eingedämmt werden. 40% der betroffenen Patienten sterben daran. „Die Jury hat diese Arbeit als preiswürdig beurteilt, weil sie eine extrem wichtige Fragestellung beantworten will, die die Pathophysiologie der Lunge in den vergangenen 50 Jahren beschäftigt hat: Wie kann der Alveolarraum flüssigkeitsfrei gehalten werden, damit der Gasaustausch und die Ventilation funktionieren kann und die Lunge nicht steif wird?“, erklärt Jurysprecher Gerhard W. Sybrecht. Diese Frage treibt auch den Preisträger an: „Das Lymphgefäßsystem wird im Zusammenhang mit Lungenschäden kaum thematisiert. Mit meinen Erkenntnissen will ich Patienten helfen, die über einen längeren Zeitraum beatmet werden müssen“, sagt Mahdi Taher.

Ausschreibung 2018: Förderstipendium der DIVI-Stiftung

Auch im kommenden Jahr vergibt die DIVI-Stiftung ein Förderstipendium in einer Höhe von bis zu 10.000 Euro. Die Unterstützung erhalten Nachwuchswissenschaftler für klinische sowie wissenschaftliche Projekten in der Intensiv- und Notfallmedizin. Die finanzielle Zuwendung dient als Beitrag für Sachmittel oder Aufwendungen zur Implementierung und Realisation von wissenschaftlichen Aktivitäten für Nachwuchswissenschaftler bis 40 Jahre. Bewerbungsschluss ist der 30. September 2018. Mehr Informationen gibt es unter der Rubrik „Preise und Ausschreibungen“ auf der DIVI-Webseite.

Quelle: Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin


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