Samstag, 15. Dezember 2018
Navigation öffnen

Aktuelle Infos für Ärzte

17. September 2018 Rheuma als interdisziplinäre Herausforderung

Die körpereigene Abwehr patrouilliert durch den ganzen Körper: Die Botenstoffe der Immunzellen dringen in jedes Organ und jedes Gewebe vor. Für ihre Aufgabe, die Infektabwehr, ist das nötig. Bei Autoimmunkrankheiten und chronischen Entzündungen führt diese Schrankenlosigkeit der Immunzellen jedoch dazu, dass oft nicht nur ein Organ betroffen ist, sondern mehrere oder der gesamte Körper. Die Behandlung systemischer Entzündungen erfordert es daher, dass Mediziner unterschiedlicher Fachrichtungen eng zusammenarbeiten. Welche Möglichkeiten eine interdisziplinäre klinische Immunologie in Diagnostik und Differentialtherapie für Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen bietet und welche Herausforderungen damit verbunden sind, diskutierten Experten auf einer Pressekonferenz in Berlin im Vorfeld des 46. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh).
Anzeige:
Bereits das Beispiel der häufigsten entzündlich-rheumatischen Erkrankung, der rheumatoiden Arthritis, zeigt, wie wenig sich das Immunsystem an Organgrenzen hält: Zu Beginn der Autoimmunerkrankung sind v.a. die Gelenke von der chronischen Entzündung betroffen. Im weiteren Verlauf der Krankheit können auch andere Organe wie Augen, Lunge, Blutgefäße oder Herz angegriffen werden. „Autoimmunerkrankungen sind daher immer als Entzündung zu betrachten, die den ganzen Körper betrifft“, sagt Prof. Dr. Hanns-Martin Lorenz, Präsident der DGRh und Leiter der Sektion Rheumatologie am Universitätsklinikum Heidelberg. Bei der Therapie müsse der behandelnde Rheumatologe daher immer den gesamten Körper im Blick behalten. Diese systemische Herangehensweise erfordere eine sehr umfassende Expertise breit ausgebildeter, internistischer Rheumatologen und Internisten unterschiedlicher Fachgebiete, die ihr Wissen einbringen.  
 
Dass die Fächer bei der Behandlung von Entzündungsleiden näher zusammenrücken, liegt nicht nur in der Natur der Erkrankungen selbst. Auch die anti-entzündlichen Medikamente haben ein breites Wirkungsspektrum und entfalten es im ganzen Körper. Vor allem die in den vergangenen 2 Jahrzehnten entwickelten Biologika und Immuntherapeutika, die sehr effektiv Entzündungszellen oder ihre Botenstoffe blockieren, wirken i.d.R. an mehreren Zielorganen zugleich. Als Beispiel nennt Lorenz den gegen B-Zellen gerichteten Antikörper Rituximab: Er kann in der Therapie der rheumatoiden Arthritis ebenso eingesetzt werden, wie bei der Behandlung des B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphoms, bei Gefäßentzündungen ebenso wie bei der Multiplen Sklerose, bei der die Entzündungsherde im zentralen Nervensystem liegen. „Die Immuntherapie ist daher immer eine interdisziplinäre Systemtherapie“, sagt der DGRh-Präsident.
 
Auch der enorme Wissenszuwachs auf dem Gebiet der Immunbiologie und die damit einhergehende Zunahme der therapeutischen Möglichkeiten führt dazu, dass Mediziner einer Fachrichtung nicht mehr alle Feinheiten anderer Disziplinen überblicken können und daher auf Kooperationen angewiesen sind. „Viele Universitätsklinika tragen dem schon Rechnung, etwa indem sie interdisziplinäre Entzündungsboards einführen“, sagt Lorenz. Hier arbeiten Rheumatologen u.a. mit Hautärzten, Stoffwechsel-, Nieren- und Lungenfachärzten zusammen. So können die unterschiedlichen Facetten der jeweiligen Erkrankung berücksichtigt und eine für den Patienten optimale Therapie konsentiert werden. Jedes große Zentrum mit Entzündungsexpertise sollte ein solches interdisziplinäres Zentrum einrichten, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass chronisch entzündliche Erkrankungen Charakteristika einer Volkskrankheit haben und hohe Kosten verursachen, und dass sich die Entwicklung neuer Immuntherapeutika gerade für seltene Erkrankungen rasant fortentwickelt.

Lesen Sie dazu auf www.journalmed.de auch einen Übersichtsartikel von Prof. Dr. Lorenz und Dr. Benesova.
Zum Schwerpunkt „Diagnostik und Therapie bei Rheumatoider Arthritis" kommen sie hier.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)


Das könnte Sie auch interessieren

Ängste und Zurückweisung beim Thema AIDS abbauen

Dank moderner Medikamente können die rund 87.000 Menschen in Deutschland mit HIV beziehungsweise AIDS heute fast normal leben. Stattdessen belasten mitunter Ausgrenzung, Zurückweisung und Angst Betroffene heute schwerer als die eigentliche Erkrankung. „Vorurteile und mangelndes Wissen sind oft die Hauptursachen für Ausgrenzung und Zurückweisung von HIV-Positiven. Dem wollen wir unter anderem mit einer Telefon-Hotline entgegenwirken“, so Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin der BARMER.

Patientenbroschüre informiert über Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern

Die bewährte Patientenbroschüre „Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern. Erkennen. Handeln. Vorbeugen“ ist jetzt in einer überarbeiteten Neuauflage verfügbar. In patientengerechter Sprache erfahren Betroffene und ihre Angehörigen, was Vorhofflimmern ist, wie es behandelt wird und wie sie selbst das individuelle Schlaganfallrisiko senken können. Die Neuauflage hat durch das Institut für hausärztliche Fortbildung im Deutschen Hausärzteverband (IHF) e. V. das IHF -Patientensiegel „Zertifizierte Inhalte – Für Patienten empfohlen“ erhalten. Ab sofort kann die Broschüre kostenfrei über die Webseite www.schlaganfall-verhindern.de bestellt und heruntergeladen werden.

Opioid-Abhängigkeit: Notstand in USA ausgerufen

Nachdem der amerikanische Präsident Donald Trump aufgrund der massiven Zunahme an Drogentoten den nationalen Notstand bezüglich Opioiden erklärt hat, gibt die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) Entwarnung: In Deutschland sei aktuell kein Gesundheitsnotstand aufgrund von Opioid-Abhängigkeit zu befürchten. Die gesetzlichen Regelungen sowie die vorhandenen Leitlinien zum Einsatz von Opioiden verhinderten in den meisten Fällen die Entwicklung einer Abhängigkeit.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Rheuma als interdisziplinäre Herausforderung"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.